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Einsiedlerbienen: Die nützlichen Unbekannten

Einsiedlerbienen sind solitär lebende Wildbienen, die von der Natur mit optischen Reizen eher sparsam ausgestattet wurden. Die nützlichen Blütenbestäuber stehen allesamt unter Naturschutz.

Gelbfüßige Sandbiene
Pavel Krasensky

Noch fliegen sie im Sommer von Blüte zu Blüte, die Schneeweißgebänderte Sandbiene, die Rotbürstige Pelzbiene oder die Bedornte Schneckenhaus-Mauerbiene. Allesamt Raritäten in der Lebendausstattung unseres Landes.

Der Gesetzgeber hat den Wert der Insekten für die Blüten-Bestäubung längst erkannt und die gesamte Überfamilie der Bienenartigen unter Naturschutz gestellt (Bundesartenschutzverordnung,  BArtSchV, vom 16.02.2005). Wie die Schmetterlinge sind Wildbienen bei den zum Überleben erforderlichen ‚Requisiten‘ ausgesprochen wählerisch. Unter Requisiten verstehen die Experten Pollen spendende Pflanzen als wichtige Eiweißquelle zur Aufzucht der Brut, Blüten, die Nektar spenden, und nicht zuletzt die Bedingungen, die die Bienen zum Nisten brauchen.

Während Wildbienen beim Sammeln von Nektar noch relativ anspruchslos sind, machen viele Arten, wenn's um Pollen für die Nachzucht geht, keine Kompromisse. Hat sich die Stengel-Wollbiene lediglich auf die große Familie der Korbblütler spezialisiert, kommt die Wald-Pelzbiene bereits dort nicht mehr vor, wo ihre Hauptpollenquelle, der Wald-Ziest, fehlt. Und wenn eine Wildbienenart keine Überlebensmöglichkeit mehr hat, stirbt mitunter gleich noch eine Zweite aus. Ausgestorben ist dadurch zum Beispiel die Rotfleckige Düsterbiene. Ihre Wirtin, die Schwarze Mörtelbiene, fand nicht mehr genug Felswände, an die sie ihre Nester ‚anmörteln‘ konnte, zumal sie auch unverzichtbar auf Magerrasen angewiesen ist. Wie so oft zeigt sich: Artenschutz ohne Biotopschutz geht nicht.

 

Einsiedlerbienen - Fragen und Antworten

Wie leben die Einsiedlerbienen?

Einsiedlerbienen sind Einzelgänger. Sie betreiben keine Brutpflege und teilen keine Arbeiten untereinander auf. Die verschiedenen Einsiedlerbienenarten haben sich an unterschiedliche Lebensräume angepasst. Eine Gemeinsamkeit haben sie jedoch alle: das Prinzip der Brutbiologie. Die Weibchen bauen Nester in Hohlräumen. Sie sammeln Blütenstaub und Nektar, legen diese Larvennahrung zusammen mit einem Ei in eine Brutzelle. Nach der Eiablage sterben die Weibchen. Wenn die Larve (Made) schlüpft, frisst sie die Vorräte auf, entwickelt sich und spinnt einen Kokon. In diesem Kokon ruht die Made über Winter und entwickelt sich durch Metamorphose zur adulten Einsiedlerbiene. Im Frühjahr schlüpfen die Einsiedlerbienen aus ihren Brutzellen, die Männchen schlüpfen eine Woche vor den Weibchen. Nach der Paarung sterben die Männchen ab und die Weibchen beginnen mit dem Nestbau.

Welche bekannten Einsiedlerbienenarten gibt es in Deutschland?

Die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) sieht aus wie eine kleine Hummel, da sie eine lange Behaarung besitzt. Ende März, Anfang April fliegen die ersten Mauerbienen. Die Weibchen suchen sich einen Nistplatz in Ritzen und Spalten im Mauerwerk, in morschem Holz oder in Strohdächern.

Die Maskenbiene (Hylaeus spec.) ist vier bis zehn Millimeter groß und wenig behaart. Die Männchen tragen eine maskenartige Gesichtszeichnung. Maskenbienen gehören zu den Urbienen, sie haben keine Pollensammeleinrichtungen an ihrem Körper, sondern tragen Pollen und Nektar im Kropf zum Nest.

Die Wollbiene (Anthidium manicatum) sieht auf den ersten Blick wie eine Wespe aus, da ihr Hinterleib auffällig schwarz-gelb gefärbt ist. Die Wollbienenweibchen kleiden ihre Brutzellen mit abgeschabten Pflanzenhaaren von Ziest-Arten, Strohblumen oder Pappelsamen aus. So ist die Larve vor Pilzen geschützt.

Die Gelbfüßige Sandbiene (Andrena flavipes) sieht der Honigbiene sehr ähnlich, ist jedoch nur halb so groß. Diese Biene hat keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum und ihre Trachtpflanzen. Die Nester der Gelbfüßigen Sandbiene liegen in Hohlräumen im Boden.

Die Weiden-Seidenbiene (Colletes cunicularius) legt Ihr Nest in selbstgegrabene Gänge im Boden an, zum Beispiel in Flussauen, Hochwasserdämmen oder Meeresdünen. Diese Bienenart ist gefährdet, da sie auf den Pollen von Weiden angewiesen ist. Weiden-Seidenbienen kleiden ihre Brutzellen mit einer seidigen Membran aus ihrem Drüsensekret aus.

Die Blutbiene (Sphecodes albilabris) ist eine Kuckucksbiene. Sie legt ihre eigenen Eier in die Nester der Weiden-Seidenbiene. Blutbienen sind unbehaart und haben keine Pollensammeleinrichtungen, da sie keinen Pollen sammeln.

Was sind Wildbienen?

Unter dem Begriff ,Wildbienen‘ werden wild lebende Bienen der Überfamilie Apoidea zusammengefasst. Einsiedlerbienen, sozial lebende Bienen (Hummeln) und Kuckucksbienen gehören zu den Wildbienen. Die Honigbiene gehört zwar auch zu der Überfamilie Apoidea, ist jedoch als wildlebendes Insekt in unseren Breiten ausgestorben.

Wo leben solitär lebende Wildbienen?

Die über 500 verschiedenen Wildbienenarten haben sich an unterschiedlichste Lebensräume angepasst. Sie nisten in Sandböden, in Lösswänden, Fugen alter Gemäuer, in hohlen Stängeln markhaltiger Pflanzen, in morschem Holz etc. Da die kleinen Tiere sehr scheu sind, leben sie meist zurückgezogen. Wer die Einsiedlerbienen näher kennen lernen möchte, kann ihnen Nisthilfen anbieten. Nistwände aus unterschiedlichen Materialien werden gerne von den Wildbienen angenommen. So lassen sich die kleinen Hautflügler wunderbar beobachten.

Was kann ich für Einsiedlerbienen tun?

Einsiedlerbienen stehen unter Naturschutz. Deswegen dürfen diese Insekten und deren Nester nicht getötet bzw. zerstört werden. Einsiedlerbienen benötigen Pollen- und Nektarquellen und geeignete Nistplätze. Bieten Sie den Tieren Nisthilfen an, indem Sie zum Beispiel eine Wildbienenwand aufbauen. Wenn Sie einen Garten besitzen können Sie diesen insektenfreundlich anlegen. Strukturelemente wie Hochbeete, Trockenmauern, Altholz, sonnenexponierte Sandflächen, Staudenbeete und eine Blumenwiese sind die idealen Lebensräume für Wildbienen. Verwenden Sie keine bienengefährlichen Pflanzenschutzmittel.

Können Einsiedlerbienen stechen?

Da Einsiedlerbienen zu der Teilordnung der Stechimmen gehören, besitzen die Weibchen einen Wehrstachel. Einsiedlerbienen verteidigen ihr Nest nicht wie die Honigbienen, so dass es gar keinen Grund gibt, einen Menschen zu stechen. Zudem ist der Stachel bei den meisten Einsiedlerbeinen zu kurz und zu schwach, um damit einen Menschen stechen zu können.

Sind Einsiedlerbienen gefährdet?

Ja, denn ihre natürlichen Lebensräume sind stark eingeschränkt. Artenreiche Biotope mit blühenden Pflanzen und Plätzen zum Nisten gibt es immer weniger. Der Gesetzgeber hat den Wert der Insekten für die Blüten-Bestäubung längst erkannt und die gesamte Überfamilie der Bienenartigen unter Naturschutz gestellt (Bundesartenschutzverordnung, BArtSchV, vom 16.02.2005). Es ist verboten, Wildbienen zu fangen, zu töten oder ihre Nahrungsgrundlagen und Niststätten zu beeinträchtigen oder zu zerstören.

Iris Lehmann, Stuttgart Ergänzt und aktualisiert von Carmen Menn, Bonn |

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Einsiedlerbienen Umfassendes Informationsmaterial

Folgende Einsiedlerbienenarten werden im Text vorgestellt: die Rote Mauerbiene, die Maskenbiene, die Wollbiene, die Gelbfüßige Sandbiene und die Weiden-Seidenbiene.

zum Download (PDF, 1.038 KB)

Methoden des Pollensammelns
Bei Bienen werden vier verschiedene Methoden des Pollensammelns unterschieden. Anhand von Texten und Zeichnungen sind die Unterschiede dargestellt.  

zum Download (PDF, 205 KB)

Biene oder Wespe, wo liegt der Unterschied?
In einem Kurztext und in einer Tabelle sind die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale von Bienen und Wespen aufgelistet.

zum Download (PDF, 42 KB)

Gegenspieler der Wildbienen
Aus der Fülle der Gegenspieler werden hier folgende Arten vorgestellt: Die Schlupfwespe, die Gemeine Goldwespe, Krabbenspinnen und der Bienenwolf.

zum Download (PDF, 731 KB)

Schutz der Bienen und Wespen ist Biotopschutz
Der reich bebilderte Informationstext stellt die ökologische Bedeutung von Wespen und Bienen dar und zeigt, wie ein insektenfreundlicher Garten aussehen kann.

zum Download (PDF, 828 KB)

Allgemeines zu Hautflüglern und deren Systematik
Ein Kurztext informiert über die wichtigsten Eigenschaften der Hautflügler. Es folgt eine übersichtliche Darstellung der Systematik ausgesuchter Bienen- und Wespenarten.

zum Download (PDF, 80 KB)

Nisthilfen für Wildbienen
Nisthilfen für Wildbienen kann jeder ohne viel Mühe selber herstellen. Im Garten, auf Balkon und Fensterbrett bieten sie einer Vielzahl von Stechimmen Brutgelegenheit.

zum Download (PDF, 446 KB)

Aufbau des Mauerbienennestes
Anhand einer Zeichnung und eines Realfotos von einem Mauerbienennest wird der typische Linienbau der Mauerbiene dargestellt.

zum Download (PDF, 280 KB)

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