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Tierwohl - Was heißt das eigentlich?

Das Thema Tierwohl ist seit einigen Jahren in aller Munde. Doch was heißt eigentlich Tierwohl? Und was bedeutet das konkret für die Milchviehhaltung?

Kühe im Streustall
E. Roesicke

Das Thema Tierwohl ist aktueller denn je. Schließlich wollen Verbraucher Milch und Fleisch mit gutem Gewissen kaufen, während der Handel diesem Wunsch gerne nachkommt. Auch die Landwirte selbst haben großes Interesse am Tierwohl, denn gesunde Tiere, die sich rundherum wohlfühlen, garantieren eine optimale Leistung und verursachen weniger Kosten. Fachleute gehen davon aus, dass die Komfortansprüche bis zu 25 % der Leistungsfähigkeit einer Kuh beeinflussen und damit ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Milchviehhaltung sind. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass es den Tieren mit hoher Leistung automatisch gut geht. Ein besserer Maßstab ist die Lebensleistung bzw. die Nutzungsdauer.

Thema Tierwohl: Kontrovers diskutiert und schwer zu definieren

Obwohl sich alle Beteiligten offensichtlich mehr Tierwohl wünschen, wird das Thema kontrovers diskutiert. Der Grund ist, wie so oft, das Geld. Denn Landwirte müssen auch die Wirtschaftlichkeit ihrer Tierhaltung im Blick behalten. Maßnahmen wie eine geringere Besatzdichte im Stall oder großzügig dimensionierte Ställe, die dem Tierwohl nutzen, kosten in der Regel zusätzliches Geld, bringen aber derzeit keine höheren Auszahlungspreise. Hinzu kommt, dass sich der Begriff Tierwohl nur schwer definieren und fassen lässt. Allgemein geht man von drei wesentlichen Punkten aus, die für das Tierwohl entscheidend sind: Die Tiergesundheit, die Möglichkeit für die Tiere, ihren natürlichen Verhaltensweisen nachzugehen, und ihr Wohlbefinden. Die Grundlage für viele Bewertungssysteme bildet das Konzept der „5 Freiheiten“: Die Tiere sollen unter anderem frei von Hunger und Durst, von Schmerz, Verletzungen und Krankheiten und von Angst und Stress sein.

Fokus: Tiergerechte Milchviehställe in der Praxis

Das Wohlbefinden der Tiere hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören eine umsichtige Tierbetreuung und ein gutes Management genauso wie eine leistungs- und artgerechte Fütterung. Auch eine tiergerechte Haltung und das Stallklima haben großen Einfluss auf das Wohlbefinden. Ein oft vernachlässigter Aspekt ist die Genetik bzw. Zucht. So hat beispielsweise die Zucht auf hohe Milchleistung und leichte Melkbarkeit zu schwächeren Schließmuskeln und kürzeren Strichkanälen geführt und damit die Euterentzündung zu einer „Berufskrankheit“ von Milchkühen gemacht. Der aid möchte mit diesem Online-Special am Beispiel besonders tiergerechter Milchviehställe zeigen, wie Landwirte über das gesetzlich geforderte Maß hinaus beim Stallbau das Wohl ihrer Kühe berücksichtigt haben. Die Begriffe „Kuhkomfort“ und „Kuhwellness“, vor gar nicht allzu langer Zeit von Landwirten belächelt, sind in diesen Ställen gelebte Realität.

Autor: Jürgen Beckhoff, Hamburg |

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Web-Tipp

Online-Anwendung des KTBL Prüfen Sie wie tiergerecht Ihr Stall ist

Die Online-Anwendung des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) beschreibt und bewertet über 100 Haltungsverfahren für Rinder, Schweine, Geflügel und Pferde hinsichtlich der Umweltwirkung und der Tiergerechtheit.

Zur Online-Anwendung: Nationaler Bewertungsrahmen Tierhaltungsverfahren

Titel B&B 1/2015
aid

B&B Agrar

Berater und Landwirte gefordert Tierwohl im Fokus

In der Landwirtschaft haben sich zahlreiche Initiativen auf den Weg gemacht, um die Haltungsbedingungen für Nutztiere zu verbessern und stärker an die Bedürfnisse der Tiere anzupassen. Der Bedarf nach dem Austausch von Erfahrungen und einer intensiven Diskussion in Sachen Tierwohl ist groß. Was sich in den Ställen und in den Köpfen der Landwirte und Berater verändern muss, zeigt der Schwerpunkt dieser Ausgabe von B&B Agrar.

Zur Ausgabe im Print-Archiv B&B Agrar

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BMEL

Webtipp

Eine Frage der Haltung BMEL-Portal zum Thema Tierwohl

Die Initiative „Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl“ wurde 2014 durch Bundesminister Christian Schmidt der Öffentlichkeit vorgestellt. Ziel ist ein fairer, partizipativer Umgang aller Beteiligten, um verbindliche Vereinbarungen für mehr Tierwohl zu erreichen.