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Wahlfreiheit

Demonstranten pochen auf Wahlfreiheit
Quelle: Peter Fendrich

Ist Koexistenz möglich?

Nicht nur Öko-Bauern, die ohnehin zum Verzicht auf Gentechnik verpflichtet sind, sondern auch rund 70 Prozent der konventionell wirtschaftenden Landwirte sehen gegenwärtig keinen Sinn und Nutzen in der Agro-Gentechnik. Gleich hoch ist der Anteil der Verbraucher, die den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in der Land- und Lebensmittelwirtschaft ablehnen. Diese Bauern und Verbraucher fürchten um ihre Wahlfreiheit, wenn die EU nun das Moratorium aufhebt, das seit 1998 für die Zulassung und Vermarktung von Genpflanzen gilt. Das bundesdeutsche Gentechnikgesetz soll dem prinzipiellen "Ja" der EU zu einem zukünftigen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ein deutsches "Jein" hinzufügen und sicher stellen, dass Landwirte und Verbraucher auch in Zukunft die "freie Wahl" haben, sich für oder gegen Gentechnik auf dem Acker oder Teller zu entscheiden.
Überall dort jedoch, wo ein Nebeneinander von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik stattfinden soll, gewinnt die Frage an Brisanz, wie diese "Koexistenz" in der Praxis funktionieren kann. Ist nicht zu befürchten, dass es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Koexistenzregelungen zu einer schleichenden Vermischung und "Kontamination" kommen wird - und zwar nicht nur auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, sondern möglicherweise auch in ökologisch sensiblen Gebieten? Wie kann angesichts der vielfältigen und noch weitgehend unerforschten biologischen "Eigendynamik" gentechnisch veränderter Organismen eine Gentech-freie Landwirtschaft und damit die Wahlfreiheit langfristig sichergestellt werden? Ist ein Schwellenwert von 0,9 Prozent, unter dem GVO-Kontamination gar nicht deklariert werden muss, dafür nicht viel zu hoch angesetzt? Welche Verpflichtungen, Maßnahmen und Kosten kommen auf die Landwirte, Behörden und auch auf die Lebensmittelwirtschaft zu? Und wer haftet für ökonomische und ökologische Schäden?
Die Artikel zur Koexistenz und zu Gentech-freien Zonen versuchen Antworten auf diese Fragen zu geben.

Autor: Peter Fendrich, Stuttgart

externe Links

  • www.verbraucherministerium.de
    Auf den Seiten des Verbraucherministeriums finden sich Gesetze und Vorlagen, rechtliche Regelungen sowie aktuelle Meldungen zum politischen Stand der Gentechnik.
  • www.soel.de
    Die Stiftung Ökologischer Landbau präsentiert umfangreiches Material, Portale und Links zum Konfliktfeld Gentechnik und Ökologischer Landbau.
  • www.boelw.de
    Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW e.V.) fordert strenge Richtlinien zur Wahrung der Wahlfreiheit.
  • www.transgen.de
    Umfangreiche Informationen zum Thema Agro-Gentechnik mit Hinweisen zu Sicherheit, Anwendungen, Recht u. v. m. Unter Aktuelles findet sich ein informativer Artikel zur Wahlfreiheit.
  • www.rki.de
    Das Robert-Koch-Institut bietet eine tagesaktuell geführte Übersicht über den Stand der deutschen Freisetzungsvorhaben an. Hier ist auch die Geschäftsstelle der Zentralen Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS) angesiedelt, die weitere Informationen zur Gentechnik, insbesondere auch die rechtlichen Regelungen im Internet bereit hält.
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