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Lebensraum Wald: Vielfalt im Verborgenen

Die Artenvielfalt vieler Wälder wurde lange Zeit als eher durchschnittlich betrachtet. Inzwischen zeigen aber umfangreiche Untersuchungen, dass man unsere Wälder nicht unterschätzen sollte.

Nahaufnahme eines Nashornkäfers
lightboxx / Fotolia.com

Schon in einem ganz normalen Buchenwald leben neben Blütenpflanzen, Moosen, Farnen und Pilzen über 5.000 bis 6.000 Tierarten. Sie verteilen sich auf die verschiedenen Stockwerke des Waldes, von den Baumkronen bis zum Waldboden. Die meisten von ihnen sieht man kaum, denn sie leben versteckt in der Bodenstreu oder im Totholz. Manche Arten leben so versteckt, dass man sie nur bei intensiver und langwieriger Suche entdeckt. Einige dieser Arten galten sogar schon als ausgestorben, bevor man sie wieder entdeckte – wie etwa Reitters Strunk-Saftkäfer (Synchita separanda). Allein in einem einzigen Naturwaldreservat in Hessen tauchten auf diese Weise 25 „verschollene“ Arten wieder auf.

Lebensraum für Lichtscheue und Sensible

Manche Waldbewohner trifft man nur nachts, zum Beispiel die Fledermäuse oder die Siebenschläfer. Auch zahlreiche Insektenarten haben sich auf die Nachtstunden spezialisiert. Der Wald ist ein besonderer Lebensraum auch für sehr sensible Arten: Scheue Leisetreter fühlen sich im Wald wohl, wie etwa die Wildkatze. Erst mit neuen Nachweisverfahren hat man sie in vielen Waldgebieten (wieder)entdeckt, in denen sie seit langem als ausgestorben galt..

Dort, wo die Waldluft noch sprichwörtlich sauber ist, können höchst empfindliche Flechten existieren. Und in Gebirgswäldern mit besonders rauem und kaltem Klima „überwintern“ seit der letzten Eiszeit Arten, denen es in Mitteleuropa eigentlich viel zu warm ist und die hier nur darauf warten, dass es endlich wieder kälter wird.

Ohne sie geht wenig: Pilze und Bakterien

Eine zentrale Rolle im Kreislauf des Ökosystems Wald spielen – Pilze und Bakterien! Sie können Holz „verdauen“, da sie (im Gegensatz zu den meisten anderen Lebewesen) die dazu nötigen Enzyme besitzen. Dafür ernähren sich wiederum Legionen kleiner und kleinster Tiere von (und mit) ihnen. Manche bringen sogar ihre eigenen Pilzsporen zur Zucht mit, wenn sie sich in einem Baum häuslich einrichten. Sie betreiben sozusagen Miniatur-Gartenbau.

Der Kreislauf des Waldlebens

Mit dem Aufkeimen der jungen Wald-Pflänzchen beginnt ein Kreislauf, in dem alle Waldbewohner ihre Lebensaufgabe, ihre „ökologische Nische“ finden – an Blättern nagen, Pilze oder andere Waldbewohner verspeisen – oder auch nur deren Hinterlassenschaften, um diese „nachzuverdauen“. Und dieser Kreislauf endet noch lange nicht mit dem Absterben eines Baumes, denn sein Holz ist ein Lebenselixier – jedenfalls für die, die es vertragen. Und das sind allein in Deutschland etwa 1.500 Pilzarten. Sie zersetzen die harte Holzsubstanz, wobei verschiedene Pilze unterschiedliche Holzbestandteile aufschließen. Im doch sehr lebendigen Totholz machen es sich 1.400 Käferarten und viele andere Tiere wie Fliegenlarven, Holzbienen oder Hornissen gemütlich. Sie beteiligen sich an der weiteren Zerkleinerung, bis zuletzt nichts mehr von dem Baumriesen zu sehen ist und er, zerlegt in seine Nährstoffe, in einen neuen Zyklus im Ökosystem Wald eingeht.

Rainer Schretzmann, aid |

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