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Äpfel: Erzeugung

Der Apfel ist die wichtigste Baumobstart in Deutschland. Im Erwerbsanbau sind noch etwa 20-30 Sorten von wirtschaftlicher Bedeutung, allen voran Elstar und Jona-Sorten.

Reife Äpfel der Sorte 'Fuji' am Baum
iStock.com / thanyarat07

Noch heute kommt der Wildapfel an den Gebirgshängen oberhalb von Alma Ata – der "Stadt des Apfels" – in Kasachstan vor. Genetisch betrachtet ist der heutige Kulturapfel jedoch ein Hybridkomplex, da mehrere Arten an der Entstehung beteiligt waren.

Über das antike Griechenland kam der Apfel schließlich durch die Römer etwa im Jahre 100 v. Chr. nach Frankreich und Deutschland. Im späten Mittelalter erließen Adel und Stadtväter Gesetze zur Förderung und zum Schutz der Obstbäume. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts vergrößerte sich das Sortiment enorm, insbesondere durch zahlreiche Findlinge und Zufallssämlinge. Die Sortenzahl stieg sprunghaft an. In Deutschland waren bereits Mitte des 19. Jahrhunderts etwa 2.000 Apfelsorten bekannt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lieferte der Deutsche Pomologenverein Sortenempfehlungen für den beginnenden Erwerbsobstbau und empfahl die Vernichtung "unwerter Sorten". Damit schränkte sich die Sortenvielfalt langsam wieder ein. Insbesondere nach dem 2. Weltkrieg stand die rationelle Produktion von Tafelobst im Vordergrund. Die Folge war, dass sich das Spektrum der Obstarten wieder reduzierte, nur leistungsstarke Sorten konnten wirtschaftlich bestehen. Ab 1950 wurden sogar Abholzungsprämien für Obstbäume gezahlt, woraufhin der Bestand an Streuobstwiesen deutlich zurückging und sich die Sortenauswahl auf wenige Standardsorten einschränkte.

Der erwerbsmäßige Obstanbau hat sich seit den 1970er Jahren stark geändert. Prägten bis dahin großkronige, hochstämmige und damit arbeitsintensive Apfelbäume die Anlagen, findet der Anbau heute ausschließlich in Niederstammform statt. Auf derselben Fläche stehen dadurch heute 10- bis 20-mal so viele Bäume. Ihre Wuchshöhe ist so eingeschränkt, dass alle Früchte ohne Leiter von Hand erreicht werden können.

Erhalt der Sortenvielfalt angestrebt

Die ehemals große Sortenvielfalt hat sich im heutigen Intensivanbau weiter stark reduziert. Nur noch etwa 20-30 Sorten haben eine wirtschaftliche Bedeutung, von diesen machen 'Elstar', 'Jonagold' und 'Jonagored' den Großteil des Gesamtangebotes am Apfelmarkt aus.

Jeder Gartenbesitzer und Verbraucher kann zum Erhalt der Sortenvielfalt beitragen – unter anderem durch das Anpflanzen alter Apfelsorten im eigenen Garten, durch die Pflege von Streuobstwiesen oder den Kauf von regionalen und seltenen Sorten.

Kleine Pflanzenkunde Äpfel

Schnittfläche eines halbierten Apfels
Der Apfel ist eine Scheinfrucht. Die eigentliche Frucht ist das Kerngehäuse.

Apfelbäume gehören zu den Rosengewächsen und bilden sogenannte Scheinfrüchte statt "echter" Früchte. Die eigentliche „Frucht“des Apfels ist das pergamentartige Kerngehäuse. Es besteht aus mehreren Balgfrüchten, das heißt, es wird aus Fruchtblättern gebildet, die mit sich selbst verwachsen. Diese sogenannte "Sammelbalgfrucht" wird dann vom Fruchtfleisch vollständig umschlossen. Das Fruchtfleisch entsteht aus der Blütenachse, also aus einer direkten Fortsetzung des Blütenstiels und dem Abschnitt der Sprossachse, der die Blütenorgane wie Kelchblätter, Kronblätter und Fruchtknoten trägt.

Apfelbäume blühen im Mai und im Juni. Obwohl die Einzelblüten zwittrig sind, also sowohl Fruchtknoten als auch Staubblätter besitzen, sind die Blüten meist selbststeril und eine mögliche Selbstbefruchtung wirtschaftlich unzureichend. Eine vollwertige Befruchtung ist nur durch die Bestäubung mit sortenfremden Pollen gewährleistet. Pollenüberträger sind hauptsächlich Bienen und Hummeln, die sich in ihrer Aktivität gut ergänzen: Bienen fliegen vermehrt an wärmeren Tagen und um die Mittagszeit, Hummeln eher in den kühleren Morgen- und Abendstunden beziehungsweise an kühleren Tagen.

Apfelanbau in Deutschland

Der Apfel ist die wichtigste Baumobstart in Deutschland. Räumlich konzentrierte sich der Baumobstanbau auf wenige Regionen in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Die Anbaufläche von Äpfeln lag bei rund 32.000 ha, dies sind über zwei Drittel der Baumobstanbaufläche (70 %). Rund 87 % der Äpfel zählen zu den Tafelobstsorten und 13 % zu den Wirtschaftsobstsorten. Die Hauptapfelsorten im deutschen Anbau sind 'Elstar' mit 19 % und die Jona-Sortengruppe (wichtigste 'Jonagold') mit 18 % der Apfelanbaufläche. Die Sorten 'Braeburn' (8 %), 'Gala' (6 %) sowie 'Idared', 'Golden Delicious' und 'Boskoop' mit jeweils 3 % der Anbaufläche gehören zu den Top 8 der angebauten Sorten.

Apfelsorten im Überblick

Je nach Vermarktungsform und Verwendungszweck werden unterschiedliche Sorten angebaut. Beim Verkauf ab Hof und auf Wochenmärkten sind vorwiegend aromatische, handliche Früchte gefragt. Der Großhandel legt mehr Wert auf Transportfestigkeit und leichtes Handhaben im Verkauf, deshalb sind hier nur wenige Sorten gefragt und nicht immer steht bei der Auswahl der Geschmack im Vordergrund. Die folgenden Sorten werden vorwiegend im Erwerbsobstbau angebaut. Für den Anbau im eigenen Hausgarten sollte man auf Sorten zurückgreifen, die für die entsprechenden Standortverhältnisse geeignet sind.

Apfelplantage
Apfelplantage

Bei der Apfelzüchtung wurden zwei Zielrichtungen verfolgt: Die Züchtung neuer Apfelsorten, die das Sortiment der im Erwerbsanbau vorhanden Sorten verbessern und ergänzen, und die Züchtung neuer Apfelsorten, die resistent gegenüber wirtschaftlich wichtigen Schaderregern und gegen Stressbelastungen sind. Zur ersten Gruppe gehören alle "Pi"-Sorten – abgeleitet von einem Institut in Dresden-Pillnitz – wie 'Pinova', 'Piros', 'Pilot' und 'Pirol'. Diese Sorten müssen wie die bekannten Sorten, beispielsweise 'Elstar' oder 'Golden Delicious', gegen Schaderreger behandelt werden, sind aber gegenüber einzelnen Krankheiten weniger empfindlich, da bei der Selektion besonders auf Robustheit geachtet wurde.

Die unter dem Warenzeichen "Re-Sorte®"(abgeleitet von "Resistenz") zusammengefassten Züchtungen sind unter anderem 'Rebella', 'Regia' und 'Reglindis'. Sie zeichnen sich durch unterschiedliche Resistenzgrade gegenüber Schorf, Mehltau und Feuerbrand aus und wurden mittels konventioneller Züchtungsmethoden hergestellt.

Pflanzenschutz beim Anbau von Äpfeln

Apfelkulturen sind Dauerkulturen, sie stehen viele Jahre auf derselben Fläche. Um die Ertragslage eines Betriebes nicht zu gefährden, müssen Schäden durch Krankheiten und Schädlinge begrenzt werden. Ob Apfelwickler, Sägewespe oder Schorf – bei der Bekämpfung von Schadorganismen an Äpfeln stehen vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund. Viele Obstbaubetriebe in Deutschland produzieren nach den Richtlinien des integrierten Anbaus und wenden beim Pflanzenschutz Verfahren an, die Nützlinge und Umwelt schonen.

Bevor chemische Pflanzenschutzmittel angewendet werden, steht im integrierten Anbau eine Reihe von Maßnahmen auf dem Programm, um einen Befall mit Schadorganismen zu vermeiden oder in einem tolerierbaren Umfang zu kontrollieren. Dazu gehören unter anderem eine optimale Bodenpflege, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten oder zu verbessern, die fachgerechte Ausführung von Schnitt und Düngung, die Ausnutzung natürlicher Begrenzungsfaktoren für Krankheiten und Schädlinge, zum Beispiel durch die Förderung von Nützlingen.

Ernte von Äpfeln

Zwei Männer bei der Ernte von Äpfeln in Apfelplantage
Ernte von Tafeläpfeln

Tafeläpfel werden heute immer noch von Hand geerntet. Für die industrielle Verarbeitung können jedoch auch Rüttler mit Auffangschirmen eingesetzt werden. Die Ernte ist die größte Arbeitsspitze beim Anbau von Äpfeln. Die Betriebe müssen viele Vorbereitungen treffen, damit sie möglichst reibungslos und effektiv ablaufen kann. Wichtig ist insbesondere, die zu erwartende Erntemenge so genau wie möglich zu schätzen. Anhand der Schätzung können die Betriebe den Bedarf an Arbeitskräften, Transportkisten und erforderlichem Lagerraum ermitteln. Auch eine sorgfältig über mehrere Jahre geführte Übersicht über den Bestand hilft, die Planung der Ernte zu erleichtern.

Hohe Pflückleistung und das Erhalten der Fruchtqualität stehen bei der Ernte im Mittelpunkt. Um dies erreichen zu können, sind meist viele und gute Saisonarbeitskräfte notwendig.

Die Äpfel sollen so sorgsam wie möglich behandelt und angefasst werden. Wichtig ist unter anderem, dass sie durch Heben und Drehen von den Trieben gelöst werden, vorsichtig aus den Pflückgefäßen in die Transportbehälter gerollt werden. Auch die Empfindlichkeit der Früchte in Abhängigkeit vom Reifegrad und der Sorte spielt eine Rolle. Sind die Früchte zu reif, kann bereits der Fingerdruck beim Pflücken oder das Ausleeren des Pflückbehälters in die Großkiste zu Verbräunungen führen. Auch wenn die Früchte nur leicht verletzt werden, mindert dies die Qualität und die Früchte leiden beim nachfolgenden Sortieren, Verpacken und Transportieren.

Je nach Sorte und Reifegrad werden die Äpfel nach der Ernte direkt verkauft oder eingelagert im CA-Lager ("Controlled Atmosphere") oder ULO-Lager ("Ultra Low Oxygen"). In diesen gasdichten Kühllagern werden neben Temperatur und Luftfeuchte auch der Sauerstoff- und Kohlendioxid-Gehalt auf einem konstanten Wert und in einem bestimmten Verhältnis zueinander gehalten. Im ULO-Lager ist der Sauerstoffgehalt sogar so niedrig, dass die biologische Reifeaktivität gerade noch aufrecht gehalten wird und die Reifung der Früchte extrem verlangsamt ist.

Ökologischer Anbau von Äpfeln

Öko-Apfelplantage
Ökologisch bewirtschaftete Apfelplantage

Beim Anbau von Bio-Äpfeln stehen die Auswahl widerstandsfähiger Sorten sowie umweltschonende und pflanzenstärkende Pflegemaßnahmen an erster Stelle. Da keine chemischen Pflanzenschutzmittel angewendet werden dürfen, kommt der Gesunderhaltung der Apfelbäume eine wichtige Bedeutung zu.
Die Gesunderhaltung der Bäume ist zwar im konventionellen Anbau ebenfalls sehr wichtig, ökologisch wirtschaftende Betriebe sind jedoch mit höheren Anforderungen – verbunden mit höherem Arbeitsaufwand – konfrontiert. Unter anderem das organische Düngen und Maßnahmen zum biologischen Pflanzenschutz sind sehr zeitintensiv.

Für den ökologischen Anbau sind Sorten mit geringer Krankheitsanfälligkeit wichtig. Deshalb ist es im Ökoanbau entscheidend, Unterlagen und Sorten zu wählen, die möglichst viele Resistenzen gegen Krankheiten oder Schadorganismen bereits mitbringen. Die wohl bekannteste resistente Apfelsorte ist der 'Topaz'. Aber auch 'Hana', 'Nela', 'Resi' oder 'Rubinola'  sind aus diesem Grund attraktiv für den Ökoanbau.

Zu den Standardsorten im ökologischen Apfelanbau gehören unter anderem auch 'Elstar', und 'Jonagold', in Süddeutschland 'Idared', 'Boskoop' und der Frühapfel 'Piros', in Norddeutschland 'Ingrid Marie' und 'Holsteiner Cox'. Die bei den Verbrauchern beliebten Sorten 'Braeburn' und 'Gala' sind für den ökologischen Anbau kaum geeignet. Sie sind sehr anfällig für verschiedene Krankheiten, unter anderem Schorf, Krebs und Feuerbrand, sowie für Spinnmilben.

Die verwendeten Jungpflanzen müssen aus Öko-Herkünften stammen. Saatgut und Jungpflanzen dürfen nicht gentechnisch verändert sein.

 

Vorbeugender Pflanzenschutz

Da chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und organische Fungizide – Präparate gegen Pilzkrankheiten – verboten sind, kommt dem vorbeugenden Pflanzenschutz eine besondere Bedeutung zu. Dazu gehören letztlich auch alle Kulturmaßnahmen, die zur Gesunderhaltung der Bäume beitragen.

Bei der Sortenwahl ist neben der Resistenz die Standorteignung zu berücksichtigen, die Nährstoff-Versorgung des Bodens und damit auch der Pflanzen muss ausgewogen sein und es sollten günstige Lebensbedingungen für Nützlinge geschaffen werden – zum Beispiel durch Blütenstreifen, Hecken oder Nisthilfen. Bei einem Befall mit Schadinsekten stehen biologische Bekämpfungsmaßnahmenmithilfe von Nützlingen oder Lockstoffen (Pheromonen) an erster Stelle. Mineralische Mittel wie Schwefel sind in engen Grenzen erlaubt, auch pflanzliche Mittel wie Tees, Öle oder Brühen

 

Im ökologischen Apfelanbau dürfen nur organische Dünger verwendet werden. Es stehen verschiedene organische Handelsdünger wie Rizinusschrot, Hornmehl oder Hornspäne zur Verfügung. Wasserlösliche Dünger sind nicht erlaubt. Manche Ökoanbauverbände begrenzen die Stickstoffdüngung zusätzlich. Generell wichtig ist auch die Versorgung des Bodens mit organischer Substanz und damit die Schaffung eines gesunden Bodenlebens. Dafür werden zum Beispiel Komposte aus organischen Wirtschaftsdüngern und Grünschnitt genutzt.

Ökoapfel-Anlagen dürfen nicht ganzjährig ohne Bewuchs sein. Der Raum zwischen den Apfelbaum-Reihen wird entweder gezielt begrünt oder der Selbstbegrünung mit Wildpflanzen überlassen. Vor allem blühende Pflanzen locken wichtige Nützlinge an. Die Begrünung erhöht die Bodenfruchtbarkeit und verhindert die Abtragung lockerer Bodenteile der Erdoberfläche durch Wasser oder Wind.

Liegen die Anlagen in der Nachbarschaft von konventionellen Obstbetrieben, muss Vorsorge gegen die Abdrift von Pflanzenschutzmitteln getroffen werden. Dazu eignen sich hohe Schutzhecken und das Einhalten ausreichender Abstände.
Übrigens: Ökoäpfel dürfen nach der Ernte nicht gewachst werden. Dies ist zwar in Deutschland generell nicht erlaubt, andere EU-Mitgliederländer erlauben jedoch die Wachsbehandlung bei konventionellen Äpfeln, die dann auch rechtmäßig hier in Deutschland vermarktet werden dürfen.

 

Autoren: Dr. Helga Buchter, Rödersheim und Heike Stommel, Bonn; Rüdiger Lobitz, aid |

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