Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Akzeptanz neuer Züchtungstechniken diskutiert

Die neuen Züchtungstechniken CRISPR/Cas9, Zinkfinger und Talen versprechen punktgenaue Mutationen bei Pflanze und Tier, die hinterher nicht mehr von spontanen Mutationen zu unterscheiden sind.

(aid) – Die neuen Züchtungstechniken CRISPR/Cas9, Zinkfinger und Talen versprechen punktgenaue Mutationen bei Pflanze und Tier, die hinterher nicht mehr von spontanen Mutationen zu unterscheiden sind. Die Einstufung des Genom Editing in die Kategorie Gentechnik steht noch aus und wird unterschiedlich beurteilt. Die Präzision auf der Ebene der DNS gesteht Margret Engelhard vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) der Technik zu. Doch welche Effekte auf die Lebewesen und die Umwelt eintreten, darüber gibt es keine Aussagen. Der Fortschritt der Techniken ist rasanter als die rechtliche Beurteilung, stellte sie Anfang November auf dem Forschungstag der Deutschen Agrarforschungsallianz (dafa) fest. Die dafa hatte Experten eingeladen, über die Akzeptanz der neuen Züchtungstechniken zu diskutieren.

Tatsächlich gebe es die von Kritikern befürchteten „off target“-Effekte, räumt Pflanzenzüchter Christian Jung von der Christian-Albrechts Universität zu Kiel ein. Dann koppelt das Protein an einer der Zielsequenz ähnlichen DNS-Stelle an. Doch unerwünschte Mutationen müssen Züchter auch bei der konventionellen Züchtung einer Sorte immer wieder heraus züchten, ergänzt Pflanzenzüchterin Gunhild Leckband vom Unternehmen NPZ Innovation GmbH.

Genom Editing ist auch bei Nutztieren möglich. Schweine könnten beispielsweise resistent gegen die Afrikanische Schweinepest gemacht werden, gegen die es keinen Impfstoff gibt, und die großen wirtschaftlichen Schaden anrichten kann. Henner Simianer von der Universität Göttingen schränkt aber ein, dass viele Merkmale von mehreren Genen bestimmt werden und dass einzelne Effekte nur schwach von einem Gen ausgeprägt werden. „Wir neigen dazu, eine zu mechanistische Vorstellung der Genetik zu haben“, so Simianer.

Arnold Sauter vom Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) kritisierte die Wissenschaftler, das Potenzial der neuen Techniken zu positiv darzulegen. Übertreibungen führten in den Medien zu falschen Hoffnungen und fänden im Zeitalter der sozialen Medien ein Echo in der „postfaktischen Welt“. Genom Editing drohe wie die grüne Gentechnik nicht mehr sachlich dargestellt zu werden. „Die größte Arbeit der Züchter“, folgert Simianer, „ist, die gesellschaftliche Akzeptanz zu finden. Die rechtliche Akzeptanz reicht nicht aus.“

Roland Krieg, www.aid.de

als hilfreich bewerten 0 Versenden