Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Bauen (nicht nur) für Flüchtlinge

Guten Wohnraum schaffen, und zwar schnell und kostengünstig: Wie das geht, zeigte eine Arbeitsgruppe in Rheinland-Pfalz. 

hausrohbau_viel_holz
iStock.com / Pgiam

(aid) - Guten Wohnraum schaffen, und zwar schnell und kostengünstig: Wie das geht, zeigte eine Arbeitsgruppe in Rheinland-Pfalz. In ihr arbeiteten Holzbauunternehmen, Planer und die Verwaltungsspitze eng zusammen. Die Herausforderung: Schnelle und vernünftige Lösungen schaffen, um Flüchtlinge unterzubringen.

Vorangetrieben wurde das Ganze vom Holzbaucluster Rheinland-Pfalz, einem Projekt, das sich um den innovativen Einsatz von Holz im Baubereich kümmert. Hannsjörg Pohlmeyer, Projektleiter des Holzbauclusters, weist auf die Vorteile dieser Vorgehensweise hin: „Wir haben von vornherein Notlösungen ausgeschlossen. Ein vielversprechender, unschlagbar günstiger und schneller Lösungsansatz ist die Erstellung von vollwertigen Wohngebäuden auf der Basis von Holzfertigbau.“

Wichtige Ergebnisse der Arbeitsgruppe sind:

Erstens: Neubauten lassen sich wesentlich günstiger erstellen, als allgemein bekannt ist.

Zweitens: Kostengünstige Neubauten in Holzfertigbauweise erfüllen alle Anforderungen, die man heute an Neubauten stellt. Und das bei einer bemerkenswert kurzen Bauzeit.

Drittens: Mit Holz können städtebaulich sinnvolle Lösungen energiesparend und ökologisch realisiert werden, auch in Mehrgeschossbauweise.

Geplant werden die Gebäude modular: Die Module für Decken und Wände entstehen bereits in der Werkhalle des Bauunternehmens. Die Handwerker bereiten hier schon alle erforderlichen Installationen vor. Von den elektrischen Leitungen bis zur Wasserversorgung ist alles integriert, so dass man am Bauplatz nur noch die Verbindungen herstellen muss. Die Häuser entsprechen den heutigen – auch energetischen – Vorgaben für Neubauten.

Realisiert wurde zunächst ein Pilotprojekt am Flughafen Hahn im Hunsrück. Die komplette Erstellung dauerte nur dreieinhalb Monate: Der mündliche Auftrag wurde am 2. September 2015 erteilt. Bezugsfertig waren die Wohnungen am 18. Dezember 2015.

Mit dem Pilotprojekt wurden Grundlagen erarbeitet, die auch für andere Projekte genutzt werden können. Es entstand eine Art Katalog möglicher Systemlösungen, der die Planung und Realisierung von Folgeprojekten erleichtert. Dazu gehören auch Empfehlungen zur Vereinfachung von Verwaltungsvorgängen für eine schnelle und konzertierte Vorgehensweise.

Die Baukosten liegen bei nur 1.400 Euro pro Quadratmeter. Damit sind alle Kosten des Bauwerks, also der Konstruktion und der technischen Anlagen abgedeckt. Erreicht wurde das durch eine weitgehende Standardisierung der Module. Die Wohnungen lassen sich zu größeren oder kleineren Einheiten verbinden – auch nachträglich. Die modulare Bauweise ermöglicht das ohne großen Aufwand.

So erstellte Häuser bieten über die aktuelle Situation hinaus hervorragende und vollwertig nutzbare Wohnangebote. Je nach Bedarf können Familien, Studenten usw. die Wohnungen nutzen. Auch Forderungen an verdichtetes Bauen im kommunalen Bereich lassen sich mit den Dreigeschossern erfüllen. Ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes ist, dass sich die Häuser später ausbauen und nachrüsten lassen, zum Beispiel durch zusätzliche Balkone oder gestalterische Änderungen im Fassadenbereich.

Gleichzeitig ist das Ganze auch ein „Konjunkturprogramm“ für die regionalen Handwerksfirmen. Die Konzeption nutzt Lösungen, die nicht nur wenige Spezialisten umsetzen können. Inzwischen sind zwei weitere, weitgehend identische Gebäude im Bau. Realisiert werden sie von verschiedenen Auftragnehmern – mit lupenreinen regionalen Wertschöpfungsketten.

Rainer Schretzmann, www.aid.de

Weitere Informationen:

„Kostengünstig und robust, aber kein Billigbau“
in: Holzzentralblatt Nummer 4/2016, Seite 109

https://fm.rlp.de, Bauen für Flüchtlinge

https://fm.rlp.de/de/themen/bauen-und-wohnen/bauen-fuer-fluechtlinge/

als hilfreich bewerten 0 Versenden