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Bekämpfung des Eichen-Prozessionsspinners

Der Eichen-Prozessionsspinner kann Gehölze schädigen und durch seine Brennhaare zur Gesundheitsbedrohung werden. Seine Bekämpfung ist eine mögliche Marktlücke für GaLa-Bau-Unternehmen.

Eichenprozessionsspinner, Raupen am Ast
Dr. Gabriela Lobinger

Schon der Anblick hat etwas Unheimliches: In den Abendstunden bewegen sich Hunderte schwarz-weiß gestreifter Raupen dicht an dicht den Eichenstamm hoch, sodass es fast scheint, als bewege sich ein einziger großer Organismus voran. Sein Ziel: Saftiggrüne Eichenblätter zum Futtern finden. Schon seit den 90er-Jahren haben sich immer mehr Exemplare der einst auf Südosteuropa konzentrierten Falterart mit dem lateinischen Namen Thaumatopoea processionea auch in Deutschland angesiedelt. Zunächst waren ihre Raupen nur in Gebieten mit Weinbauklima in größeren Gruppen anzutreffen, doch in den vergangenen Jahren haben sie ihren Lebensraum deutlich ausgeweitet – mit fatalen Folgen.

Haarige Angelegenheit

Die Eichen selbst kommen mit der Raupeninvasion noch am besten zurecht, wenn der Fraß nicht zu stark ist. Auch einen einmaligen Kahlfraß können sie noch wegstecken. Das Phänomen tritt jedoch auf vielen Flächen mehrere Jahre in Folge auf. Oft sind auch noch weitere Eichenschädlinge wie Eichen-Wickler oder Eichen-Prachtkäfer beteiligt. Darunter leidet die Vitalität der Bäume stark, bis hin zum Absterben.
Hochproblematisch ist aber vor allem eine andere Eigenart der Raupen: ihre feinen Härchen. Diese werden ab dem dritten Stadium von insgesamt sechs Larvenstadien gebildet und enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Den Raupen dient es als Schutz vor Fressfeinden. Bei Hautkontakt können die Härchen bei Menschen und Tieren juckende bis schmerzvolle Ausschläge, Bindehautentzündungen, Asthmaanfälle und in Einzelfällen sogar allergische Schocks hervorrufen. Besonders ungünstig: Die alten, von den Larven abgestreiften Häute samt Brennhaaren bleiben in den Gespinstnestern hängen, in denen sich die Tiere tagsüber versammeln. Auch nachdem ihre Bewohner das Nest verlassen haben, sind diese Hinterlassenschaften noch gefährlich – und das theoretisch mehrere Jahre lang.

Großflächige Bekämpfung

Je nachdem, wo die Eichen-Prozessionsspinner auftreten, kommen unterschiedliche Lösungsstrategien infrage. Wo die Tiere auf großen Flächen bekämpft werden sollen – etwa in stadtnahen Eichenwäldern, wo sie sich vor allem an sonnigen Waldrändern und nahe Lichtungen aufhalten – werden oft per Hubschrauber Insektizide ausgebracht, wenn möglich in der umweltfreundlichen Variante der Bacillus-thuringiensis-Präparate. Die schonen Nützlinge und die meisten anderen Falterarten. Die Bekämpfungsmaßnahmen müssen aber sinnvollerweise spätestens bis zum 2. Larvenstadium erfolgen, da ab dem 3. Larvenstadium die gefährlichen Brennhaare ausgebildet werden. In der Regel finden diese Maßnahmen deshalb Anfang Mai statt, nachdem die Raupen geschlüpft sind.

Lücke für den GaLa-Bau?

Immer wieder finden sich Nester des Eichen-Prozessionsspinners auch in innerstädtischen Parkanlagen, in Schwimmbädern und auf Spielplätzen sowie auf Firmengeländen und in Privatgärten. Für mittelgroße und große GaLa-Bau-Unternehmen und Gärtnereien mit angeschlossenem GaLa-Bau-Bereich kann es sich prinzipiell rentieren, die Raupenbekämpfung in ihr Angebotsportfolio aufzunehmen. Dazu bedarf es jedoch einer gründlichen Vorbereitung, allem voran einer Bestandsaufnahme und Konkurrenzanalyse: Bestimmte Gebiete sind stärker von der Raupenplage betroffen als andere. Lohnt sich im Einzugsgebiet des Unternehmens ein entsprechendes Angebot, oder ist der Markt womöglich schon gesättigt?

Gut vorbereitet

Machen Sie sich klar, dass die Nesterbekämpfung aufgrund der potenziellen Gesundheitsgefährdung nur von speziell geschulten Mitarbeitern vorgenommen werden darf, und dass diese neben technischen Gerätschaften von Spritzgeräten bis zur Hebebühne eine entsprechende Schutzausrüstung benötigen. Um das für die Bekämpfung optimale Zeitfenster zwischen Schlüpfen und Ausbilden der ersten Brennhaare nicht zu versäumen, ist ein enger Kontakt mit den zuständigen Landwirtschaftskammern, Forstämtern und Pflanzenschutzdiensten empfehlenswert. Diese kontrollieren mithilfe von Pheromonfallen den Falterflug, untersuchen Bäume stichprobenartig auf Eigelege und geschlüpfte Raupen und können somit Prognosen über den erwarteten Befallsdruck sowie den Beginn der Gegenmaßnahmen treffen.

Grenzen kennen

Betriebe, die sich lieber auf ihre Kernkompetenzen beschränken möchten, können in den Grünanlagen ihrer Kunden natürlich dennoch die Bekanntschaft mit dem Eichen-Prozessionsspinner machen. In diesem Fall sollte man zum Wohle aller Beteiligten keine Experimente wagen – etwa indem man versucht, die Nester abzuflammen, wobei die Brennhaare oft erst recht verteilt werden und außerdem Brandgefahr besteht. Stattdessen sollten Sie den Kunden über die Situation informieren und an Spezialisten verweisen. Diese können die Nester dann mit speziellen Geräten absaugen oder sie absammeln, nachdem die Haare mit verklebenden Lösungen fixiert wurden. Möglicherweise ergibt sich aus solchen Empfehlungen ja sogar eine längerfristige Kooperation, von der beide Betriebe profitieren, und lediglich die Raupen das Nachsehen haben.

Mascha Schacht, Frankfurt am Main |

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