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Berliner Milchforum in Zeiten der Krise

Die Milcherzeugerpreise liegen deutlich unter 30 Cent und sind alles andere als kostendeckend. Niedrige Preise und Tierwohl waren Themen auf dem Berliner Milchforum. 

(aid) – „Wir verbessern jeden Tag die ökologischen Standards. In sozialen Belangen werden wir immer besser, aber wir scheitern an der ökonomischen Nachhaltigkeit.“ Günter Felßner, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes zeigte sich auf dem Berliner Milchforum des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Mitte März 2016 verbittert angesichts von Milcherzeugerpreisen von deutlich unter 30 Cent, die alles andere als kostendeckend sind. Und dennoch diskutierten Landwirte und Handel nicht nur über die zu niedrigen Preise, sondern auch über das Tierwohl deutscher Milchkühe.

„Wir wollen keine generische weiße Flüssigkeit, sondern ein Produkt, das einen sozio-kulturellen Mehrwert besitzt“, so Dr. Ludger Breloh vom Einkauf bei Rewe. Der Handel hat das Ohr beim Kunden und weiß, was die Verbraucher wollen. Die Zukunft gehöre der „Mehrwert-Milch“, die vom Premium- bis zum Preiseinstiegssegment die Regale füllt. „Milch, die in Ackerbauregionen mit Ackerfutter und Milchleistungsfutter in Herden produziert wird, die eine niedrige Lebensleistung und eine schnelle Remontierung aufweisen, gehörten nicht zu den „First Movern“ des Handels“, konstatierte der Handelsexperte nicht unumstritten. Die QM-Milch (http://www.qm-milch.de), mit der die Milchbranche zum Milchforum gerade neue Nachhaltigkeitsmodule verabschiedet hat, sei kein Modell zwischen Business und Consumer (B2C). Diese Milch ist bei Verbrauchern unbekannt und trägt keine „Besonderheiten“ („Narrative“), mit der Erzeuger und Handel ein Marketing anstoßen können.

Die anhaltende Preiskrise, die auch die Schweinebranche und Getreidemärkte betrifft, führt beim DBV unter anderem zur Einforderung eines Moratoriums für neue Auflagen aus der Politik. Derzeit legen selbst die Spitzenbetriebe der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft für jeden Liter erzeugter Milch rund fünf Cent dazu, so Landwirt Sebastian Glaser. Vor einem Jahr hieß es, das Auslaufen der Milchquote werde eine höhere Milchmenge bei volatileren Preisen hervorrufen. Diese Prognose ist eingetroffen, erklärte Hans Holtorf, stellvertretender Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes. Nur: Ausmaß und Länge der aktuellen Marktverwerfung sei nicht zu erwarten gewesen.

Und es wird nicht besser, wie Monika Wohlfahrt von der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung und Mark van Driel von der Rabobank darlegten. In den Jahren vor Quotenende haben die Milchbauern mehr Milch erzeugt als prognostiziert. Die EU-Quote – gäbe es sie noch – sei jedoch erst in diesem Jahr übererfüllt worden. Die zusätzlich produzierte Milch konnte trotz Russlands Embargo und Chinas Importzurückhaltung noch auf anderen internationalen Märkten untergebracht werden. Allerdings mit einem Rückgang der Gewinnmarge. Die allgemeine wirtschaftliche Schwäche werde nach Ansicht beider Experten weder in Russland noch in China für neue Nachfrage sorgen. Europas Überflussmilch wird selbst Produktionsschwankungen in Folge des Wetterphänomens El Nino mehr als ausgleichen, erwartet Wohlfahrt.

Vor Ende 2016 wird kein Anstieg bei den Milchpreisen zu erwarten sein, glaubt van Driel. Da die Nachfrage nicht anspringen wird, helfe nur eine Korrektur auf der Angebotsseite, führte Wohlfahrt aus. Doch dafür werden weder die Bundesregierung noch die EU-Kommission von ihrem eingeschlagenen Weg der Deregulierung der Agrarpolitik abweichen, legte Dr. Katharina Böttcher aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium dar. Das wird nach Hans Holtorf eine gemeinsame Aufgabe zwischen Landwirten und Molkereien bleiben.

Roland Krieg, www.aid.de

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