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Biologisch abbaubare Beize

Pfirsich- und Aprikosenkerne enthalten ebenso wie Bittermandeln Amygdalin. Diese Substanz zerfällt im Magen zu Blausäure. Die Samen schützen sich so gegen gefräßige Insekten. 

halber Pfirsich, Pfirsichkern
aid

(aid) – Pfirsich- und Aprikosenkerne sind giftig. Ebenso wie Bittermandeln enthalten sie Amygdalin. Das ist eine Substanz, die im Magen zu Blausäure zerfällt. Die Kerne bzw. Pflanzensamen schützen sich so vor gefräßigen Insekten. Wissenschaftlern der ETH Zürich ist es gelungen, dieses natürliche Abwehrsystem im Labor zu kopieren. Sie entwickelten eine Beize, die Saatgut vor Insektenfraß schützt, die Keimung der Samen nicht beeinträchtigt und darüber hinaus biologisch abbaubar ist.

Die Ummantelung der Samen besteht aus mehreren Schichten Polymilchsäure. Die innerste Schicht enthält ein Enzym. In zwei Schichten ist das Amygdallin, die Vorläufersubstanz von Blausäure eingebettet. Die äußerste Schicht besteht aus reiner Polymilchsäure. Fressen sich Insektenlarven durch diese Schichten hindurch, wird erst Amygdalin freigesetzt und dann das Enzym. Beide Substanzen vermischen sich und das Enzym baut Amygdalin zu Blausäure ab. Die Insektenlarve frisst nicht weiter oder stirbt.

Die Wirksamkeit der Beize haben die Schweizer Wissenschaftler zusammen mit dem Julius Kühn Institut in Berlin an mehreren Getreideschädlingen getestet. Sehr gut wirkt die „Bittermandel-Beize“ gegen Larven des Mehlkäfers (Tenebrio molitor), der Dörrobstmotte (Plodia interpunctella) und des Getreidekapuziners (Rhizopertha dominica). Unbeeindruckt von der Beize blieben dagegen andere Getreideschädlinge wie zum Beispiel der Getreiderüssler (Sitophilus granarius). Dieser Käfer legt seine Eier nicht auf das Korn, sondern bohrt sie in das Weizenkorn hinein. Die Larven fressen das Korn dann von innen auf.

Die gebeizten Körner hatten eine gute Keimfähigkeit. In Labor- und Feldversuchen keimten 98 Prozent der behandelten Körner. Auf dem Acker verlief die Keimung zwar etwas verzögert und die Keimlinge entwickelten sich anfangs etwas langsamer. Später konnten die Weizenpflanzen aber aufholen.

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist diese neue Beizmethode vom Verfahren her genauso einfach wie mit Spritzmitteln. Und die Kosten seien nicht wesentlich höher als die von Insektiziden, heißt es in der Mitteilung der ETH. Die Beize sei biologisch abbaubar und sichere die Qualität des Saatguts bei der Lagerung.

Renate Kessen, www.aid.de

Weitere Informationen:

https://www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2016/05/saatgut-beize-mit-cyanidsystem.html

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