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Bodenpreise

Seit einigen Jahren ist ein Trend zu beobachten, der viele Landwirte beunruhigt: die kontinuierliche Steigerung der Pacht- und Kaufpreise für deutsche Agrarflächen.

Geldmünzen Erde
maxsattana / Fotolia.com

Zwischen den Jahren 2007 und 2015 sind die Kaufpreise für Ackerland in Deutschland um knapp 113 Prozent gestiegen. Durchschnittlich 19.578 Euro mussten Landwirte im vergangenen Jahr pro Hektar zahlen. Das sind 1.479 Euro mehr als 2014.

Dabei sind die Preise je nach Region und Bundesland sehr unterschiedlich. Die höchsten gibt es in Bayern, wo 2015 ein Hektar Land für 47.358 Euro gehandelt wurde. An zweiter Stelle steht Nordrhein-Westfalen mit 38.720 Euro. Am wenigsten bezahlt man für Land in den östlichen Bundesländern Thüringen und Sachsen sowie im Saarland, wo die Durchschnittspreise bei unter 11.000 Euro liegen.

Die größte Dynamik der Preise war im genannten 8-Jahres-Zeitraum in den neuen Bundesländern zu beobachten. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg haben sich die Preise seit 2007 mehr als vervierfacht, in Sachsen-Anhalt verdreifacht und in Sachsen und Thüringen mehr als verdoppelt. Doch auch in einigen alten Bundesländern sind starke Anstiege zu beobachten: So kam es in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern zwischen 2007 und 2015 zu einer Preiszunahme von mehr als 100 Prozent. Die geringsten Preisbewegungen gab es im Saarland und in Hessen mit einem Plus von weniger als 13 Prozent.

Außerlandwirtschaftliche Investoren bieten mit

Diese rapiden Preiserhöhungen werden von vielen Landwirten mit Sorge verfolgt. Und das zu Recht, denn wer seine Betriebsfläche vergrößern möchte, braucht relativ viel Kapital, um bei dieser Entwicklung mithalten zu können. Auch Junglandwirte, die sich einen Betrieb aufbauen möchten, haben zu kämpfen. Hinzu kommt, dass immer häufiger kapitalstarke Investoren aus dem außerlandwirtschaftlichen Bereich mitbieten. Sie sehen in landwirtschaftlichen Flächen und Höfen ein großes finanzielles Potenzial für die Zukunft.

Den Preisanstieg abbremsen

Es ist nicht leicht, eine Lösung für das Problem der steigenden Bodenpreise zu finden. Eventuell können politische Maßnahmen wie die aus dem Immobilienhandel bekannte „Preisbremse“ die immer weiter steigenden Bodenpreise stoppen. Landwirtschaftliche Flächen werden vielerorts als Produktionsgrundlage für Landwirte angesehen und sollten nach Meinung vieler damit auch in erster Linie diesen zur Verfügung stehen. Es gibt jedoch auch Kritiker, die in der Einführung solcher Maßnahmen eine Bevorteilung der Landwirte sehen.

Das Thema Bodenpreise bietet viel Raum für verschiedene Ansichten und wird die deutsche Agrarbranche wohl noch längere Zeit beschäftigen. Im Ausland sind ähnliche Trends zu beobachten: So beklagen zum Beispiel auch Landwirte in den USA deutlich höhere Bodenpreise als in den Jahren zuvor.

Kapital Boden - ein globales Problem

In Zeiten einer stetig wachsenden Weltbevölkerung und expandierender Agrarmärkte wird landwirtschaftliche Nutzfläche immer begehrter und knapper. Immer mehr Investoren kaufen Boden in Ländern, in denen die Preise noch günstig und die Löhne niedrig sind. Die Bevölkerung dieser Länder bekommt von den natürlichen und monetären Erträgen dieser Flächen in vielen Fällen jedoch nur wenig oder gar nichts ab, da das Erntegut beispielsweise für den Export oder die Nicht-Nahrungsmittel-Produktion bestimmt ist. Es ist also ein globales Umdenken nötig, um auch mit den vorhandenen Flächen eine nachhaltige Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern und für eine faire Preispolitik zu sorgen.

Marilena Kipp, Martin Heil, aid und Jörg Planer, Meckenheim |

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