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Bodentypen vorgestellt

In einem Bodentyp werden Böden mit charakteristischer Abfolge und Ausprägung der Bodenhorizonte zusammengefasst. Wir stellen einige wichtige Bodentypen Deutschlands vor.

Bodenprofil mit Messlatte
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Parabraunerde

Die Alleskönnerin

Profil einer Parabraunerde
Parabraunerde aus Löß

Parabraunerden zählen zu den besten Ackerböden Deutschlands. Auf ihnen gedeihen selbst die anspruchsvollsten landwirtschaftlichen Kulturen wie Weizen und Zuckerrüben. Sie besitzen ein gutes Wasserspeichervermögen, sind gut durchlüftet und schützen das Grundwasser, indem sie Schadstoffe wie Schwermetalle und ein Übermaß an Nitrat weitgehend zurückhalten. Doch selbst die besten Ackerböden sind nicht frei von Schwächen: So gelten Parabraunerden als erosionsgefährdet und verdichtungsempfindlich. Verschlämmung und Verkrustung können das Auflaufen von Zuckerrüben und anderen empfindlichen Sämereien behindern.

Ausgangsmaterial von Parabraunerden ist meist kalkreicher Staublehm, so genannter Löß. Dieser ist bei der letzten Eiszeit entstanden, indem Gletscher das Gestein gerieben und gemahlen haben. Entkalkung, Verwitterung und Tonverlagerung aus dem Ober- in den Unterboden haben im Laufe von rund 10.000 Jahren zur vorliegenden Bodenbildung geführt.

Pseudogley

Wasser im Stau

Profil eines Pseudogleys
Pseudogley aus Löß

Der Pseudogley ist ein sogenannter Stauwasserwasserboden, der einen Großteil des Jahres vernässt ist. Schuld daran ist eine dichte Ton- oder Lehmschicht im Unterboden, die das Regenwasser daran hindert, abzufließen. Mit ganz wenigen Ausnahmen (z. B. als Pseudogley-Braunerde) ist dieser Bodentyp nicht für den Ackerbau geeignet. Eine Grünlandnutzung ist in der Regel gut möglich, je nach Ausprägung kann es jedoch vorkommen, dass sich die Vegetation im Frühjahr nur sehr langsam entwickelt. Außerdem sind die Flächen schlecht befahrbar und wenig trittfest. Im Sommer trocknet dieser Bodentyp schnell aus.

Als sehr positiv zu bewerten ist, dass der Pseudogley sehr reines Grund- bzw. Trinkwasser zur Verfügung stellt. Das Wasser versickert nur sehr langsam, wodurch es zu einer sehr gründlichen Filterung des Regenwassers kommt. Der Pseudogley wurde zum Bodentyp des Jahres 2015 gekürt. In Deutschland gibt es 40.000 km2 dieses Bodentyps - das entspricht etwa der Fläche der Niederlande.

Allen Pseudogleyen gemein ist ein Wasser stauender Unterboden. Dieser kann auf natürliche Weise durch eine geologische Substratschichtung oder vertikale Verlagerung von Ton entstehen. Mögliche Ursachen können aber auch Bewirtschaftungsfehler wie Befahren mit zu schweren Maschinen oder Viehtritt sein.

Pelosol

Der feste Schwere

Profil eines Pelosols
Pelosol aus mergeligem Gipskeuper

Pelosole sind zwar sehr fruchtbare Böden, für den Ackerbau aber nur in Ausnahmefällen zu gebrauchen. Schuld daran ist der hohe Tongehalt. Durch ihn können Pelosole zwar viel Niederschlagswasser speichern, sind dann aber für eine Bearbeitung zu nass. In niederschlagsarmen Zeiten trocknen sie hingegen extrem schnell aus und sind dann wiederum für eine Bearbeitung zu hart. Dem Landwirt bleiben also nur kurze Zeiträume, an denen der Boden optimal zu bearbeiten ist. Solche Böden werden daher auch als „Minutenböden“ bezeichnet.

Ein weiterer Nachteil: In den Feinporen des Tonbodens wird zwar viel Wasser gespeichert, das meiste davon ist aber so fest gebunden, dass die Pflanzenwurzeln es nicht aufnehmen können. In Zeiten geringer Niederschläge kommt es daher bei Kulturpflanzen nicht selten zu Trockenstress. Mit wenigen Ausnahmen werden Pelosole daher in Deutschland überwiegend als Grünland, Obstbaumwiesen oder Wald genutzt. Pelosole entstehen aus tonreichen Ausgangsgesteinen und sind damit echte „Schwergewichte“. Charakteristisch für diesen Bodentyp ist ein ausgeprägter, jahreszeitlicher Wechsel von Nass- und Trockenphasen. Durch den hohen Tonanteil kommt es in diesen Böden zu Quellungs- und Schrumpfungsprozessen.

Plaggenesch

Von Menschenhand geschaffen

Profil eines Plaggenesch
Plaggenesch aus Geschiebesand

Plaggenesche sind sehr ertragreiche Ackerböden mit Verbreitung in Nordwestdeutschland. Sie sind sehr nährstoffreich, haben ein stabiles Bodengefüge und einen guten Wasserhaushalt.

Plaggenesche sind so genannte Kultosole, das heißt von Menschen geschaffene Böden. Entstanden sind sie etwa ab 1.000 n. Chr. in Nordwestdeutschland. Die Bauern dieser Region entwickelten ein besonderes Verfahren – die so genannte Plaggenwirtschaft –, mit dem sie die meist ertragsschwachen Böden dieser Region in fruchtbare „Erde“ verwandelten. Dazu stachen sie auf siedlungsfernen, gemeinschaftlich genutzten Flächen die oberste Bodenschicht – Heide- und Grassoden (= Plaggen) – ab. Diese fuhren sie als Einstreu in die Viehställe und verbrachten sie anschließend, nachdem sie mit tierischen Exkrementen angereichert waren, auf die ortsnahen, etwas höher gelagerten Feldflure (=Esch). Durch diese arbeitsaufwendige Plaggendüngung entwickelten sich über einen langen Zeitraum sehr fruchtbare Böden mit mächtigen Humushorizonten von 40 bis 150 cm Dicke.

Auenboden

Fruchtbar nass

Profil eines Auenbodens
Brauner Auenboden

Auenböden findet man hauptsächlich entlang größerer Flüsse und Bäche. Durch die periodische Überflutung werden Auenböden meist gut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und sind daher sehr fruchtbar. Üblicherweise dienen Auenböden als Standort artenreicher Mischwälder, können aber auch als Grünland genutzt werden. Vor allem der Braune Auenboden – auch Vega genannt – ist ein typischer Grünlandstandort, der außerhalb des Überflutungsbereichs auch als Ackerland nutzbar ist.
Auenböden entstehen aus dem Schwemmmaterial von Flüssen und Bächen. Bei der Ablagerung kommt es zu einer für Auen typischen Sortierung der Korngrößen. Da, wo die Fließgeschwindigkeit gering ist, das heißt in Richtung Flussmündung sowie mit zunehmendem Abstand zum Fluss werden die abgelagerten Sedimente immer feiner. Die natürliche Vegetation der Auen – Auenwälder mit Esche, Ulme und Stiel-Eiche – ist heute vielfach nicht mehr zu finden, sie wurde durch Pappel- und Fichtenpflanzungen ersetzt.
 

Braunerde

Boden mit vielen Gesichtern

Braunerde im Profil
Braunerde aus Grauwacke und Schiefer

Braunerden sind im gemäßigten Klimabereich Mitteleuropas der vorherrschende Bodentyp. Egal ob Sand, Lehm, Ton oder festes Gestein – Braunerden können aus so ziemlich allen Ausgangsgesteinen entstehen und sind damit sehr vielseitig. Es gibt sie flach- oder tiefgründig, sauer oder basisch, nährstoffarm oder nährstoffreich, steinig oder steinfrei. Braunerden könne sehr fruchtbare Böden sein. Ob sie als Acker-, Grünland oder Waldboden genutzt werden, hängt letztlich vom Ausgangsgestein ab – möglich ist alles.

Allen Braunerden gemein ist die braune, lehmige Verwitterungsschicht. Die kräftige braune – manchmal auch rötliche oder gelbliche – Farbe entsteht durch das in den Mineralen enthaltene Eisen, das bei der Verwitterung freigesetzt wird und oxidiert – man könnte sagen, das Eisen rostet im Boden.

 

Schon gewusst?

Was ist eigentlich ein Bodenhorizont?

Bodenhorizonte sind annähernd parallel zur Erdoberfläche angeordnete Lagen aus organischem und mineralischem Material mit charakteristischen Merkmalen, durch bodenbildende Prozesse hervorgerufen. Ihre Abfolge studiert man an einem senkrechten Schnitt, dem Bodenprofil.

Was ist eigentlich ein Bodentyp?

In einem Bodentyp werden Böden mit charakteristischer Abfolge und Ausprägung der Bodenhorizonte zusammengefasst. Diese Böden sind unter ähnlichen Bedingungen der Bodenentwicklung entstanden und weisen etwa denselben Entwicklungsstand auf. 

Jörg Planer, Meckenheim |

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Bodentypen - Nutzung, Gefährdung, Schutz

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