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Brot: Erzeugung

Getreide ist das wichtigste Grundnahrungsmittel der Menschen. Bei uns in Mitteleuropa werden vor allem Weizen, Roggen, Gerste und Hafer angebaut.

Getreidefeld in der Sonne
doris oberfrank-list / Fotolia.com

Zum Siegeszug haben unter anderem die gute Lagerfähigkeit der Getreidearten, die Qualität der Inhaltsstoffe und die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten für die Ernährung des Menschen beigetragen, zum Beispiel für Brot, Brei, Flocken oder Bier. Getreide ist auch eines der wichtigsten Futtermittel für landwirtschaftliche Nutztiere. In anderen Regionen der Welt sichern Mais, Hirse und Reis das Überleben der Menschen.

Die gesamte Ackerfläche in Deutschland beträgt rund 11,9 Millionen Hektar - das ist etwa ein Drittel der Gesamtfläche unseres Landes. Davon wird auf 6,5 Millionen Hektar Getreide angebaut, wovon wiederum 3,1 Millionen Hektar mit Weizen bestellt werden. Das heißt, auf mehr als einem Viertel der gesamten Ackerfläche wird Weizen angebaut – damit ist dies die wichtigste Feldfrucht in Deutschland. Nebenbei bemerkt: 95 Prozent des Brotweizens, den unsere Mühlen verarbeiten, kommen von deutschen Feldern.

Getreidearten und Sorten in Mitteleuropa

In Mitteleuropa sind Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Mais die wichtigsten Getreidearten. Der Schwerpunkt der modernen Getreidezüchtung liegt nach wie vor auf hohen Erträgen und wertgebenden Inhaltsstoffen. Als weitere wichtige Zuchtziele sind Resistenzen gegen Schädlinge und Krankheiten hinzugekommen. Die klassischen Züchtungsverfahren der Auslese und Kreuzung werden heute noch von ökologischen Saatzüchtern praktiziert.

Krankheiten und Pflanzenschutz

Damit sich das Getreide gut entwickeln kann, soll der Bestand möglichst unkrautfrei sein. Die chemische Unkrautbekämpfung hat zu großen Ertragssteigerungen und Kosteneinsparungen geführt. Allerdings führte der Einsatz von Herbiziden (Unkrautbekämpfungsmitteln) auch zu einem Verlust der Artenvielfalt von Flora und Fauna. Wildkräuter wurden systematisch zu Gunsten der Kulturpflanzen bekämpft. Der Verlust dieser Begleitflora des Ackers raubte vielen Insekten und anderen Tieren ihren Lebensraum. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gelangen in den Boden und belasteten das Trinkwasser.

Im ökologischen Landbau ist der Einsatz von synthetisch-chemischen Mitteln zur Unkrautbekämpfung nicht zugelassen (siehe Absatz "Ökologischer Getreideanbau").

Integrierter Pflanzenschutz

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert wurde der Integrierte Pflanzenschutz entwickelt, der die einseitige Ausrichtung auf chemische Pflanzenschutzmittel vermeidet. Alle Verfahren des Pflanzenschutzes werden als gleichrangig angesehen. Biologische, biotechnische, pflanzenzüchterische und anbautechnische Maßnahmen werden so kombiniert, dass der Einsatz von Chemie auf das notwendige Maß zurückgedrängt wird.

Nach Ermittlung der Schadensschwelle entscheidet der Landwirt, welche Art der Bekämpfung er durchführt. Fällt die Wahl auf den chemischen Pflanzenschutz, dann dürfen nur die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zugelassenen Mittel eingesetzt werden.

Da manche Pilze an den Stoppelresten der alten Ernte überdauern und alle Getreidearten befallen können, ist eine weite Fruchtfolge, das heißt längere Pausen beim Getreideanbau, ein wirksames Gegenmittel. Auch deshalb verlangt die Anbauplanung im Öko-Landbau weite Fruchtfolgen, bei denen nur alle drei bis vier Jahre dieselbe Frucht angebaut wir, um die Infektionsketten der Schädlinge zu unterbrechen. Da auch weniger intensiv gedüngt wird, treten hier Fußkrankheiten weniger häufig auf. In der konventionellen Landwirtschaft wird der Erreger mit Fungiziden (chemische Mittel gegen Pilz) bekämpft, zur Vorbeugung kurzstrohige Sorten angebaut oder sogenannte Halmverkürzer eingesetzt.

Mutterkorn

Das Mutterkorn ist eine Pilzkrankheit, die nach der Roggenblüte zur Bildung von auffallenden, blauschwarzen Pilzkörpern in der Roggenähre führt. Es enthält giftige Alkaloide (z. B. Ergotamin), was bis zum beginnenden 18. Jahrhundert immer wieder zu schweren Massenvergiftungen führte. Namen wie Wolfszahn, Krähenkralle oder Brandkraut zeugen noch von der Gefährlichkeit des Mutterkorns. Erst nach Einführung einer besseren Getreidereinigung sowie Aufklärung der Bevölkerung gingen ab dem 18. Jahrhundert die Vergiftungsfälle zurück. Nahezu zeitgleich wurden auch die medizinischen Heilwirkungen erkannt, die letztlich auch zum Namen "Mutterkorn" führten. Die Alkaloide des Mutterkorns können bei schwangeren Frauen die Wehen auslösen.

Düngung

Damit sich Getreide nach der Aussaat gut entwickeln kann, achtet der Landwirt darauf, dass genügend verfügbare Nährstoffe im Boden sind. Mit regelmäßigen Untersuchungen prüft er die Bodenvorräte von Stickstoff, Phosphor und Kalium.

Die fachgerechte Düngung von Getreide erfordert jedoch mehr als nur das Auffüllen von verbrauchten Bodenvorräten. Jede Getreideart stellt individuelle Ansprüche an die Menge und den Zeitpunkt der Düngung. Ganz entscheidend ist, für welchen Zweck das Getreide verwendet werden soll, da die Düngung auch die Inhaltsstoffe beeinflusst. So darf Roggen zum Backen nicht mehr als 11 Prozent Eiweiß haben, beim Futterroggen sind jedoch höhere Gehalte erwünscht.

Wichtig ist, dass bei der Stickstoffdüngung  Auswaschungen von Nitrat ins Grundwasser möglichst vermieden werden. Beim Einsatz von Gülle achtet der Landwirt besonders auf eine umweltverträgliche und pflanzenbedarfsgerechte Verteilung. Zu bestimmten Zeiten, vor allem im Winter auf gefrorenem Boden, ist das Ausbringen von Gülle ganz untersagt, da die Nährstoffe der Gülle nicht von den Pflanzen aufgenommen, sondern vom Feld in die Oberflächengewässer abgeschwemmt würden.

Ernte und Aufbereitung von Getreide

Getreideernte

Ab Juli sind die ersten Mähdrescher auf dem Feld. Diese schneiden den Getreidehalm kurz über dem Boden ab, nehmen die gesamte Pflanze auf und dreschen die Körner aus der Ähre (Mähdruschverfahren). Das Korn wandert in den Speichertank, das Stroh wird entweder hinter dem Mähdrescher in einer Reihe abgelegt oder klein gehäckselt mit einem Gebläse über das Feld verteilt.

Die Körner werden im Mähdrescher auch schon grob gereinigt, in den Korntank transportiert und von dort auf Anhänger entladen und vom Landwirt abgefahren.

Bevor der Landwirt mit der Ernte beginnt, prüft er zunächst den Reifegrad und den Feuchtigkeitsgehalt der Körner. Getreide ist nur bei einem Wassergehalt von weniger als 16 Prozent gut lagerfähig. Wenn das Erntegut mehr Feuchtigkeit enthält, muss viel Energie (und Geld) aufgewendet werden, um das Getreide auf die gewünschten 14 Prozent herunter zu trocknen. Diese Trocknung erfolgt parallel mit einer Belüftung des Getreides, um ein Schwitzen und Muffigwerden auszuschließen. Ganz wichtig für die Vitalität des Korns ist, dass es sich im Lager nicht über 35 Grad Celsius bei Saatgut beziehungsweise 40 Grad Celsius bei Brotgetreide erwärmt.

Nach der Trocknung wird das Getreide in großen Silos oder ebenerdig in Hallen eingelagert. Hier gilt es, die Silos gut zu reinigen und alles zu tun, um einen Befall mit Lagerschädlingen zu vermeiden. Denn Kornkäfer, Mehlmotte & Co. können einen erheblichen Appetit entfalten und den Landwirten große Verluste bringen.

Ökologischer Getreideanbau

Anbau Ökogetreide

Wichtig für den ökologischen Getreideanbau ist die richtige Stellung in der Fruchtfolge. Ebenso müssen geeignete Sorten ausgewählt werden. Daneben muss der Biobauer die Nützlinge fördern, seinen Boden kennen und die Bodenfruchtbarkeit beachten. Schließlich muss er auch direkte Maßnahmen ergreifen können, wie zum Beispiel das Unkrautstriegeln.

Im Rahmen der offiziellen Sortenprüfungen von neuen Getreidesorten wird mittlerweile auch die Eignung für das ökologische Anbausystem geprüft. So kristallisieren sich Sorten mit spezieller Eignung für den ökologischen Landbau heraus.

Im Ökolandbau werden deutlich niedrigere Erträge als bei konventionellem Anbau erzielt. Der jüngste Agrarpolitische Bericht der Bundesregierung (2015) weist einen Weizenertrag der Öko-Betriebe von 37,2 dt/ha aus, gegenüber 79,9 dt/ha bei konventionellen Betrieben. Beim erzielten Preis verhält es sich genau umgekehrt: Die Preise für Öko-Weizen liegen im Durchschnitt bei 40,69 Euro und für konventionellen Weizen bei 18,47 Euro je dt.

Verzicht auf Mineraldünger und Chemie

Auf die sonst im Getreideanbau üblichen Betriebsmittel wie mineralische Stickstoffdüngung, synthetische Fungizide (gegen Pilze), Insektizide (z. B. gegen Blattläuse), Halmverkürzer oder chemische Saatgutbeizen verzichtet der Öko-Landwirt bewusst.

Zur Unkrautbekämpfung werden im ökologischen Landbau mechanische Maßnahmen, wie das Striegeln, eingesetzt.
Das ökologische Anbausystem lebt in erster Linie von der Vielfalt seiner Fruchtfolgen, der regelmäßigen Zufuhr organischer Masse (Mistkompost, Kompost) und der gezielten Nützlingsförderung. Damit kann ein Teil der im intensiven Getreideanbau auftretenden Probleme vermieden werden.

Nützlinge, wie etwa Marienkäfer oder Larven der Florfliegen, werden durch die Anlage von sogenannten Blühstreifen gefördert. Vielseitige Fruchtfolgen, zum Beispiel mit Kleegras, wirken sich ebenfalls positiv auf die Nützlingspopulationen aus. Pilzkrankheiten beugt der Öko-Landwirt unter anderem durch geringere Bestandsdichten vor. Weniger Getreidepflanzen lassen die Bestände schneller abtrocknen. Pilzen wird so das Leben schwerer gemacht.

Düngung und Pflanzenschutz

Stallmist als organischer, betriebseigener Dünger wird frisch, angerottet oder kompostiert auf die Flächen ausgebracht. Zugelassene Pflanzenschutzmittel im ökologischen Getreidebau sind unter anderem Schwefel gegen Pilzbefall, Schmierseife und pflanzliche Öle gegen schädliche Insekten oder natürliche Extrakte als Insektizide, etwa vom indischen Neem-Baum.

Autor: Michael Schlag, Butzbach-Ebersgöns |

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