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Das Auge des Bauern füttert das Vieh

Farming 4.0 ist das Stichwort der Stunde.

(aid) – Farming 4.0 ist das Stichwort der Stunde. Der Zukunftsdialog Agrar & Ernährung, den „Die Zeit“ und die „agrarzeitung“ Mitte Mai 2016 in Berlin abhielten, fragte nach den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Landwirtschaft.

Professor Joachim Hertzberg vom Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz sieht in der Digitalisierung eine logische Fortführung der Optimierung: „Bodenbearbeitung, Impfeinsatz oder Ertrag – alles wird optimiert.“ Ziel ist die Vernetzung aller Abläufe. Derzeit werden erste Schritte umgesetzt. Die wirklichen Renditen ergäben sich jedoch erst, wenn die Vernetzung mit den Bauern funktioniere.

Dr. Stephanie Fischinger, die bei Bioland die Abteilung Forschung und Entwicklung leitet, sieht in Farming 4.0 zunächst einmal nur eine Technik und ein Instrument. Wie sie ein- und umgesetzt wird, ist derzeit noch offen. „Optimiere ich die Monokultur und erreiche damit eine höhere Biodiversität, oder setze ich von vorne herein das Ziel, eine hohe Biodiversität zu erreichen?“ Die Digitale Landwirtschaft werde kein Weg für die generelle Weiterentwicklung der Landwirtschaft werden.

Digitalisierung kann kein Selbstzweck sein und Landwirte überflüssig machen, so die Einschätzung von Neuland-Geschäftsführer Jochen Dettmer. Die Technik habe Grenzen an der Robustheit der landwirtschaftlichen Praxis: „Das Auge des Bauern füttert das Vieh“. Die Biolandwirtschaft bleibt also skeptisch: „Wir wollen einen Paradigmenwechsel in der Vermarktung. Die aktuellen Probleme löst auch Farming 4.0 nicht“, ergänzte Dettmer. Und der Bundestagsabgeordnete und Landwirt Kees de Vries mahnte an, dass allzu oft die ökonomische Nachhaltigkeit vergessen werde: „Am Ende werden die Banken entscheiden, wer weiter produzieren wird.“ Die neue Technik helfe aber, die Ökologie zu optimieren und damit gesellschaftliche Wünsche wie gezielte Düngung, effektiven Pflanzenschutz, Tierwohl und Naturschutz zu erfüllen.

Cornelia Horsch vom gleichnamigen Landmaschinenhersteller setzt weiterhin auf die Betriebsführung: „Ob groß oder klein. Alles hängt vom Kopf ab.“ Die Digitalisierung werde keinen Betrieb „aus der Ferne“ leiten. Aber sie schließt auch keine Betriebe aus. „Die Technik ist auch kleinräumig einzusetzen. Kleine Strukturen können durch autonome Maschinen bearbeitet werden“, ergänzte Professor Hertzberg. Bis dahin ist aber noch Zeit. In den nächsten zehn Jahren werden weiterhin konventionelle Landmaschinen auf den Äckern fahren, prognostiziert er. Erst dann hacken, striegeln und ernten die ersten kleinen autonomen Einheiten.

Roland Krieg, www.aid.de

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