Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Dem Lupinenblattrandkäfer auf der Spur

Erste erfolgsversprechende Ansätze aus der Forschung. 

Offene Lupinenhülse
www.oekolandbau.de / BLE / T. Stephan

(aid) – Wer Lupinen anbaut, fürchtet nichts mehr als den Lupinenblattrandkäfer. Tatsächlich drohen bei einem Befall mit einem der beiden spezifischen Lupinenschädlinge Sitona gressorius oder Sitona griseus je nach Region Ertragsausfälle von bis zu 40 Prozent. Für Biobauern gibt es bisher keinerlei Möglichkeiten, den Lupinenkäfer in Schach zu halten. Und für die konventionelle Landwirtschaft ist derzeit nur eine Insektizidbehandlung pro Jahr zugelassen. „Nur wenn es gelingt, die Lupinenschädlinge in den Griff zu bekommen, ist es für Landwirte interessant, in den Lupinenanbau einzusteigen“, erläutert Dr. Annett Gefrom, Koordinatorin des Lupinen-Netzwerkes an der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern.

Aus der Forschung kommen nun erste erfolgsversprechende Ansätze: Im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie entwickeln Wissenschaftler der Universität Rostock in Kooperation mit der Saatzucht Steinach GmbH & Co KG ein praxisnahes Gesamtkonzept zur Regulierung der Lupinenschädlinge. Zentrales Element ist ein Entscheidungshilfesystem, das den Lupinenanbauern helfen soll, zum richtigen Zeitpunkt die Bekämpfung der gefürchteten Käfer in Angriff zu nehmen.

An verschiedenen Standorten in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg erfassten die Pflanzenschutzexperten mithilfe von Boden- und Fensterfallen das Auftreten der beiden Käferarten sowie die durch sie verursachten Schäden. Das Ergebnis: Auf allen untersuchten Lupinenschlägen stellten kam es zu einem Befall mit den Lupinenschädlingen. Schon vor dem Drillen zeigten sich die ersten Käfer auf den Feldern. Und bereits nach dem Auflaufen waren Fraßstellen an den Keimblättern sichtbar. Bei bis zu 90 Prozent der Pflanzen verursachten die adulten Käfer im Frühjahr den typischen Buchtenfraß an den Lupinenblättern. Hinzu kamen die für den Lupinenblattrandkäfer typischen Fraßschäden an den Wurzeln. Die Käferlarven fressen an den Wurzelknöllchen der Lupinenwurzeln und höhlen diese von innen aus. Dadurch können pflanzenpathogene Bodenpilze (Fusarium spp., Sclerotinia spp. und Rhizoctonia spp.) problemlos in das Wurzelgewebe der Lupinenpflanze eindringen und diese zusätzlich schwächen.

Auf der Suche nach ökologisch vertretbaren Maßnahmen zum Schutz gegen Befall und Fraßschäden prüften die Wissenschaftler die Wirksamkeit des biologischen Insektizids Azadirachtin, gewonnen aus den Kernen des Neem-Baumes. In Gewächshausversuchen zeigte sich keine Beeinträchtigung der Pflanzenentwicklung. In Futterwahlversuchen wurden die mit Neem behandelten Blätter von den Käfern nicht verschmäht. Somit ist gewährleistet, dass die Lupinenschädlinge beim Blattfraß genügend Wirkstoff aufnehmen, damit dieser seine toxische Wirkung entfalten kann. „Denn eine allein abschreckende Wirkung auf die Käfer ist erfahrungsgemäß nur von sehr kurzer Dauer und hält nur einige Stunden bis wenige Tage an und trägt daher nicht zu einer effizienten Kontrolle bei“, erläutert Dr. Christine Struck von der Universität Rostock. Ob Neem auf die Käfer selbst toxisch wirkt und deren Fertilität beeinträchtigt, müssen anschließende Untersuchungen noch zeigen.

Bis zur Praxisreife bleibt also noch einiges zu tun. Dass Lupinenblattrandkäfer in früheren Versuchen Fraßpräferenzen für bestimmte Lupinengenotypen zeigten, wollen sich die Wissenschaftler ebenfalls zunutze machen. In weiteren Feldversuchen werden sie testen, ob es gelingt, mithilfe einer Mantelsaat mit attraktiven Sorten die Käfer von den Lupinen der anbaustarken Kernsaat fernzuhalten.

Nina Weiler, www.aid.de

Weitere Informationen:

Forschungsprojekt „Entwicklung von Strategien zur Kontrolle von Lupinenblattrandkäfern (Sitona spp.) im integrierten und ökologischen Lupinenanbau (SILU-Blattrandkäfer)“

http://orgprints.org/28699

http://lupinen-netzwerk.de

als hilfreich bewerten 0 Versenden