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Den passenden Kredit finden

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft erfordert Investitionen, die meist über Kredite finanziert werden müssen. Doch welcher Kredit ist der richtige für den eigenen Betrieb?

Ständerwerk aus Holz für Stall
countrypixel / Fotolia.com

Welcher Kredit zu welchem Betrieb und zu welcher Investition am besten passt, sollte jeder Landwirt gemeinsam mit seinem Landwirtschaftsberater und seiner Bank erarbeiten. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Krediten für Betriebsmittel und solchen für Investitionen. Betriebsmittelkredite dienen dazu, gegenüber den Geschäftspartnern zahlungsfähig zu sein und Vorteile wie Rabatte oder Skonti beim Ankauf von Waren nutzen zu können. Ihre Laufzeit liegt in der Regel unter einem Jahr.

Investitionskredite werden für größere Vorhaben benötigt, etwa für den Bau eines Stalls oder bei der Anschaffung von Maschinen. Laufzeiten, Zinsbindungsfristen und Darlehensformen sind hier meist variabel. Darlehen können feste oder variable Zinssätze haben. Je nach aktuellem Zinsniveau und erwarteter Zinsentwicklung kann es sinnvoll sein, ein Forward-Darlehen zu wählen, bei dem die Zinssätze nach einem definierten Zeitraum aktualisiert werden. Bei Forward-Darlehen ist besonders sorgfältig zu rechnen.

Was kostet der Kredit wirklich?

Wie hoch der Kapitaldienst ausfällt, das heißt wie teuer ein Kredit für den Landwirt ist, hängt neben der Laufzeit und der Zinshöhe entscheidend von der Art der Rückzahlung ab. Hier haben Unternehmer die Wahl zwischen Annuitätendarlehen, Ratendarlehen und einem sogenannten endfälligen Darlehen. Die Unterschiede bei den Kosten werden im nachfolgenden Beispiel  deutlich, bei dem Darlehenshöhe, Laufzeit und Zinsen identisch sind:

 Darlehensform  Finanzierungskosten in €
 während der Gesamtlaufzeit
 Finanzierungskosten in €
 in den ersten 10 Jahren
   Tilgung  Zinsen  Kapitaldienst  Tilgung  Zinsen  Kapitaldienst
 Annuitätendarlehen

 100.000

 60.485

 160.485

 38.039

 42.204

 80.243

 Ratendarlehen

 100.000

 52.500

 152.500

 50.000

 38.750

 88.750

 Endfälliges Darlehen

 100.000

100.000

 200.000

 0

 50.000

 50.000

 

Tilgungsraten richtig wählen

Roter Spielzeugtraktor steht hinter Taschenrechner und Rotstift

Großen Einfluss auf die Kosten eines Kredits haben auch die vereinbarten Zahlungsintervalle für den Kapitaldienst (Zinsen und Tilgung). Dabei gilt: Je kürzer der Rückzahlungszeitraum, desto geringer die Gesamtkosten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Höhe der Tilgungsraten. Hier ist klar, dass hohe Raten die Gesamtkosten ebenfalls verringern. Allerdings muss das Geld für höhere Raten auch verfügbar sein und darf die Zahlungsfähigkeit in anderen Bereichen nicht beeinträchtigen. Deshalb gilt auch hier die Regel: Liquidität geht vor Rentabilität. Das heißt, jeder Landwirt muss für seinen Betrieb prüfen, welche Mittel dauerhaft für Investitionen verfügbar sind, ohne dass Engpässe bei laufenden Zahlungen auftreten.

Zu einer realistischen Einschätzung der aktuellen Liquidität des Betriebs gehört auch, einen Puffer für schlechtere Zeiten zu berücksichtigen. Schließlich laufen viele Kredite über 5, 10 oder 20 Jahre, also über Zeiträume, die keine verlässlichen Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung zulassen. Auch deshalb nicht, weil die Preisschwankungen etwa bei Milch oder Schweinefleisch in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Niedrige Umsätze nach der Investitionsphase bei hohen laufenden Zahlungsverpflichtungen können deshalb schnell die Liquidität und damit die Existenzfähigkeit eines Betriebes gefährden.

Planungssicherheit oder Flexibilität?

Umso wichtiger ist es, bei den Kreditverhandlungen auf eine gewisse Flexibilität bei der Tilgung zu achten. So ist es z. B. sinnvoll, die Höhe der Tilgungen variabel zu gestalten oder zeitweilig aussetzen zu können. Wer dagegen ein Festdarlehen ohne Sondervereinbarungen gewählt hat, muss bei ausbleibender Tilgungszahlung mit einer Abstufung seiner Kreditwürdigkeit rechnen, die spätere Kredite deutlich verteuern und spätestens dann zusätzliche Kosten verursacht.

Variabler oder fester Zins: Was ist besser?

Den Zinssatz kann man per Vertrag variabel oder fest gestalten. Ein variabler Zins passt sich immer den Entwicklungen auf den Kapitalmärkten an, was je nach Marktsituation von Vor- oder Nachteil sein kann. Ein klarer Vorteil ist jedoch, dass ein variabler Zins tendenziell niedriger ausfällt als ein Festzinssatz. Sind die Zinsen relativ hoch, werden die Anpassungen nach unten mitgenommen. Zudem kann ein variabler Investitionskredit jederzeit in ein Darlehen mit Festzinssatz umgewandelt werden. Gewünschte Änderungen eines laufenden Darlehens müssen rechtzeitig bei der Bank veranlasst werden. Bei variablem Zinssatz ist es notwendig, Entwicklungen am Kapitalmarkt regelmäßig zu verfolgen und zur rechten Zeit zu handeln.
Bequemer und vor allem in Niedrigzinsphasen attraktiv ist dagegen ein Darlehen mit festem Zins für die gesamte oder zumindest die halbe Laufzeit. Zudem bietet ein Festzinsdarlehen die größte Planungssicherheit.

Teilkredite als clevere Lösung?

Nicht vergessen werden darf die Möglichkeit der Aufteilung der Darlehenssumme in mehrere Teilkredite mit unterschiedlicher Laufzeit und damit unterschiedlichen Zinsmodellen und Tilgungsraten. Auf diese Weise lässt sich in der Regel eine optimale Fremdfinanzierung erreichen, die bei positiver Betriebsentwicklung beispielsweise auch unerwartet hohe Erträge oder Kapitalzuflüsse für eine kostengünstige Sondertilgung nutzbar macht.

Autor: Jürgen Beckhoff, Hamburg |

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