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Der Markt spricht für Bio – aber wer riskiert es?

Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin warb der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) für eine Umstellung auf biologische Landbewirtschaftung.

Bio-Schildchen
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Umstellung ist kein Rettungsring

(aid) - Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin warb der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) für eine Umstellung auf biologische Landbewirtschaftung. Vor dem Hintergrund der seit zwei Jahren anhaltenden Agrarpreiskrise sagte Vorstandsmitglied Elke Röder, dass die Landwirte, die zuvor umgestellt hätten, jetzt die Früchte einfahren könnten. Die Ökoerzeugerpreise haben sich mittlerweile stabil von den konventionellen abgekoppelt und liegen bei Milch auf doppeltem, bei Schweine auf dreifachem Niveau. Zudem stärke die anhaltende Nachfrage die Bioproduktion.

Dennoch gibt es etliche Stolpersteine für ein rasantes Umstellungsszenario. Vor allem Tierhalter sind mit Kapitaldiensten gebunden, die eine Umstellung bei dem derzeitigen Preisniveau kaum riskieren können. In der zweijährigen Umstellungsphase müssen die Betriebe ihre Produkte mit ökologischem Input zu konventionellen Preisen absetzen. Ohne Förderung gehe das nicht, sagte Jan Plagge vom BÖLW. Doch den Bundesländern gehe das Budget aus. Das Saarland habe bereits einen Förderstopp für Umstellungsbetriebe erlassen müssen. Ähnlich eng sähe es auch in Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg aus.

Offen ist auch die Zukunft der EU-Ökoverordnung. Trotz heftiger Kritik halte die EU-Kommission weiter an einer Festlegung eigener Rückstandsgrenzwerte für Ökoprodukte und Verschiebung der Qualitätskontrollen auf das Endprodukt fest. Zwar können moderne Labore auch mit Isotopenanalysen prozessbedingte Parameter identifizieren, aber nur eine jährliche Kontrolle des Prozesses auf den Betrieben erhalte die Glaubwürdigkeit der Bioproduzenten gegenüber den Verbrauchern, so Plagge.

Umstellungen auf den Ökolandbau werden nicht nur aufgrund der Marktsituation wichtig, auch übergibt die erste Pioniergeneration ihre Betriebe langsam an Nachfolger. Junge Betriebsleiter werden daher dringend gesucht, sagte Hans Berthelme aus dem Präsidium von Naturland. Die junge Betriebsleitergeneration ist technikaffiner und will mit dem Ökobetrieb ebenfalls wachsen und Geld verdienen. Die Umstellung müsse vorher im Kopf passieren, erklärte Barthelme. So werden beispielsweise Nutztiere und Nutzpflanzen nicht kurativ behandelt, sondern die tägliche Arbeit will Krankheiten durch ein komplexes System im Vornherein verhindern. Wer den Ökolandbau nur als letzte Betriebsrettung vor der konventionellen Insolvenz verstehe, werde auch im Ökolandbau scheitern.

Auch im Ökolandbau leiden Landwirte durch Mengenvorgaben und Wettbewerb unter Preisdruck. Die Pioniergeneration kritisiert in dem Zusammenhang die „Konventionalisierung“ der Ökobranche. Professor Dr. Franz-Theo Gottwald von der HU Berlin mahnt im „Kritischen Agrarbericht“ das Verfolgen der konventionellen Strategie „Wachsen oder Weichen“. Die Branche brauche ein tragfähiges Entwicklungskonzept, das eine andere Form des Wachstums proklamiert. Ob das Ergebnis der Marktstrategen die Biowelt von der Restwelt trennt oder mit ihr verbindet bleibt spannend.

Roland Krieg, www.aid.de

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