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Dickmaulrüssler

Der Gefurchte Dickmaulrüssler (Othiorynchus sulcatus) kann in Baumschulen zum Problem werden, lässt sich durch biotechnische Maßnahmen aber effektiv bekämpfen.

Dickmaulrüssler, Käfer auf einem Blatt
ThKatz / Fotolia.com

Wer sich am Eigentum anderer Leute vergreift, kann dabei schon mal eins auf die Nase bekommen. Oder auch auf den Rüssel. Diese Erfahrung musste der Gefurchte Dickmaulrüssler (Othiorynchus sulcatus) machen: Nachdem sich das eigentlich ganz possierliche Kerlchen und seine deutlich weniger hübschen, vor allem aber überaus gefrässigen Larven jahrzehntelang munter durch die Baumschulen gefuttert hatten, schlugen die Anbauer zurück. Aber der Reihe nach.

Schwäche für gärtnerisch wichtige Arten

Während die meisten Rüsselkäfer ein unauffälliges Leben führen, hat der Gefurchte Dickmaulrüssler – gut erkennbar an den tatsächlich sehr auffälligen Längsfurchen auf dem Rücken – dummerweise einen sehr delikaten Speisezettel. Er liebt Moorbeetpflanzen, also Rhododendron, Azaleen, Eriken, und Callunen, aber auch Erdbeeren und andere Beerenobstarten. Gehölze, vor allem Eiben aber auch Fichten und Wacholder, verschmäht er ebenfalls nicht, und wo sich die Gelegenheit bietet, knabbert er gerne an verschiedenen Stauden sowie an Weinreben.

Verräterische Spuren

Ob sich ein Dickmaulrüssler-Clan in der Baumschule häuslich eingerichtet hat, ist leicht an dem charakteristischen Buchtenfraß zu erkennen: Vom Blattrand ausgehende u-förmige Fraßspuren überführen den Täter. Der Blattfraß ist ärgerlich, aber nicht das Hauptproblem. Das findet sich zwei Etagen tiefer im Wurzelbereich der Pflanzen. Dort lassen es sich die Larven gutgehen und können dadurch selbst größere Gehölze zum Absterben bringen.

Trügerische Sicherheit

Um den Befall in den Griff zu bekommen, setzt man am besten an beiden Fronten gleichzeitig an. Die 10 bis 12 Millimeter großen Käfer ließen sich theoretisch gut absammeln, was in der Baumschule jedoch kaum praktikabel ist. Als bequemere, wenngleich deutlich teurere Alternative bieten sich Käferfallen an, die von Anfang Mai bis Anfang September in Quartieren mit besonders hohem Befallsdruck ausgelegt werden. Das Prinzip ist simpel: Holzbretter wurden mit Nuten versehen, die mit einem nematodenhaltigen Gel gefüllt wurden. Die Käfer nutzen die mit der Gelseite nach unten ausgelegten Bretter tagsüber als Versteck und infizieren sich auf diesem Weg mit den für den Menschen vollkommen harmlosen Fadenwürmern. Die Nematoden der Art Steinernema carpocapsae parasitierten den Käfer und töten ihn. Hinweis: Die Bretter sollten möglichst schattig ausgelegt werden, damit das Gel nicht austrocknet und wirklich sechs Wochen lang wirksam bleibt. Ist es dennoch einmal ausgetrocknet, kann man es durch Befeuchten reaktivieren.

Entlarvt

Noch wichtiger ist die Bekämpfung der Larven. Auch hierbei findet der Baumschuler in insektenpathogenen Fadenwürmern verlässliche Unterstützung. Am besten werden die Nematoden von April bis Anfang Juni und von Ende August bis Oktober in 15 bis 20 ° Celsius warmes Wasser eingerührt und im Tauch-, Gieß- oder Spritzverfahren auf das bereits feuchte Substrat ausgebracht. Achtung, die Nematoden sind zwar nur einen Millimeter groß, könnten jedoch in allzu feinen Spritzdüsen hängenbleiben! Da die kleinen Helfer UV-lichtempfindlich sind, wartet man mit der Anwendung am besten bis zum Abend; ist es bewölkt, kann man sofort loslegen.

Gut kombiniert

Sehr praktisch: Je nach Bodentemperatur können Sie zwischen den Nematoden der Gattung Heterorhabditis und der Art Steinernema kraussei wählen. Letztere macht sich schon ab Bodentemperaturen von fünf Grad Celsius auf die Suche nach Larven, während Heterorhabditis ab zwölf Grad durchstartet. Die Fadenwürmer vermehren sich in den Larven, wodurch eine lange Wirkdauer garantiert ist. Einzige Voraussetzungen: Der Boden sollte in den kommenden Wochen feucht gehalten werden und es dürfen keine nematodenpathogenen Pflanzenschutzmittel ausgebracht worden sein. Dazu zählt übrigens auch Neempresskuchen, der die erwachsenen Käfer von noch nicht befallenen Pflanzen fernhalten kann. Tipp: Insektenpathogene Nematoden helfen auch gegen viele andere Schädlinge wie Apfelwickler, Gartenlaubkäfer, Maulwurfsgrille, Wiesenschnaken, Thrips, Trauermücken und Schnecken.

Mascha Schacht, Frankfurt am Main |

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