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Dickmaulrüssler biologisch bekämpfen

Der kleine Käfer samt Nachwuchs frisst an zahlreichen Zier- und Nutzpflanzen und kann bei starkem Auftreten für verheerende Schäden im Garten sorgen.

Dickmaulrüssler
ThKatz / Fotolia.com

Woher der Gefurchte Dickmaulrüssler (Othiorynchus sulcatus) seine breite Mundöffnung hat? Wer weiß; bei seinem Lebenswandel steht jedoch stark zu vermuten, dass ein verärgerter Gärtner ihm einst eins auf den Rüssel gab: Der schwarze Käfer mit dem gefurchten Rücken ist zwar nur einen Zentimeter groß, hat aber einen ungleich größeren Appetit auf Rhododendron, Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), Eibe (Taxus baccata) und Stechpalme (Ilex), Forsythie und Flieder (Syringa) sowie Erdbeeren und anderes Beerenobst. Seinen nächtlichen Gelagen auf die Spur zu kommen, ist nicht weiter schwer: Wo Blattränder sauber ausgeschnittene Halbkreise oder buchtenförmige Einkerbungen aufweisen – den sogenannten Buchtenfraß – war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Gefurchter Dickmaulrüssler am Werk. Noch wesentlich ärger treibt es der Rüssler-Nachwuchs. Hier haben offensichtlich alle Erziehungsversuche in Sachen Bescheidenheit versagt, denn die Larven machen sich hemmungslos über die Pflanzenwurzeln her. Dass sie dabei oft die Pflanzen zerstören, die auch ihren Eltern als Nahrungsgrundlage dienen, interessiert die pubertären Rüssler herzlich wenig.

Böses Erwachen

Wer seine Gehölze gegen eine Übermacht von Dickmaulrüsslern verteidigen möchte, greift am besten zu einer Doppelstrategie. Haben die ausgewachsenen Käfer ihr Mahl beendet, suchen sie sich ein Versteck, in dem sie den Tag verschlafen können – eine Dose oder ein Blumentopf mit Holzwolle kommen da gerade recht. Zu dumm für die Rüssler, dass hier der Gärtner als Hotelbetreiber agiert und die gefräßigen Gäste kurzerhand hinauswirft (in den meisten Fällen vermutlich direkt in die Biotonne). Gegen die Dickmaulrüsslerlarven gibt es zwar keine Falle, aber dafür eine ganze Armada Nematoden der Art Heterorhabditis bacteriophora, die die dicken Larven im Wortsinne als lebendes Buffet betrachten. Die winzigen Fadenwürmer gehen im Boden aktiv auf die Jagd nach Larven, dringen in sie ein und vermehren sich in ihrem Körper. Für Menschen und Haustiere sind die nützlichen Winzlinge völlig ungefährlich.

Anleitung für den Nematoden-Cocktail

Die Nematoden sind über den gärtnerischen Fachhandel und über das Internet erhältlich. Sie werden einfach ins 15 bis 20 °C warme Gießwasser eingerührt und an den Wurzelbereich der betroffenen Gehölze gegossen – am besten abends oder bei bedecktem Himmel, da die Nematoden empfindlich auf UV-Licht reagieren. Eine erste Behandlung erfolgt zwischen Anfang April und Ende Mai (ab einer Bodentemperatur von 12 °C), eine zweite zwischen August und Ende Oktober. Häufigere Anwendungen sind nicht notwendig, da sich die Nematoden weitervermehren, solange sie Nahrung finden. Selbst mehrwöchige Fastenzeiten überstehen sie klaglos, solange der Boden kontinuierlich leicht feucht gehalten wird. Einziges No-Go: Pflanzenschutzmittel, denn viele Produkte – auch vermeintlich nützlingsschonende – töten die kleinen Helfer. Und das wäre schade, denn die Nematoden sind so effektiv, dass sie sogar im Profi-Gartenbau sehr beliebt sind.

Mascha Schacht, Frankfurt am Main |

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