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Eignung von Pflanzensterinen

Lebensmittel mit Phytosterinen sind nur für Personen mit nachweislich zu hohem Cholesterinspiegel zu empfehlen. Verbraucher mit einem normalen Cholesterinspiegel benötigen keine Phytosterine.

Beratungsgespräch beim Arzt
Syda Productions / Fotolia.com

Lebensmittel mit Phytosterinen haben Nebenwirkungen, mit ihnen muss genauso vorsichtig umgegangen werden wie mit Medikamenten. Daher werden Lebensmittel mit Phytosterinen nur für Personen mit nachweislich zu hohem Cholesterinspiegel empfohlen. Für sie können Phytosterine eine Alternative zu Lipidsenkern sein. Wer bereits wegen eines hohen Cholesteringehaltes Medikamente nimmt, sollte mit dem Arzt besprechen, inwieweit der Verzehr von phytosterinhaltigen Produkten sinnvoll ist. Hintergrund: Die Wirkungen der Phytosterine und der meisten Lipidsenker addieren sich.

Verbraucher mit einem Cholesterinspiegel im Normbereich brauchen dagegen keine Phytosterine, denn Cholesterin erfüllt im Körper wichtige Aufgaben. Patienten mit der extrem seltenen angeborenen Erkrankung Phytosterinämie müssen Phytosterine unbedingt meiden.

Phytosterinangereichte Produkte in der Wahrnehmung des Verbrauchers

Eine repräsentative Befragung der Verbraucherzentralen und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) von 2007 machte deutlich, dass cholesterinsenkende Produkte häufig auch von Personen verzehrt werden, die sie gar nicht benötigen. Offensichtlich missverstehen viele Verbraucher die Kennzeichnung oder nehmen sie gar nicht zur Kenntnis. Knapp die Hälfte der Konsumenten hatte keinen erhöhten Cholesterinspiegel und entsprach damit nicht der anvisierten Zielgruppe. Ähnliche Ergebnisse lieferte eine belgische Untersuchung, die 2011 im British Journal of Nutrition veröffentlicht wurde: Danach aßen ein Fünftel der belgischen Vorschulkinder regelmäßig derartige Lebensmittel; mehr als die Hälfte der erwachsenen Konsumenten hatte keinen erhöhten Cholesterinspiegel.

In der Untersuchung des BfR und der Verbraucherzentralen zeigt sich außerdem, dass die Phytosterinprodukte oft von anderen Familienmitgliedern einfach mit verzehrt werden, darunter auch von Kindern. Die Hinweise, dass eine Verzehrsmenge von drei Gramm nicht überschritten werden soll und dass die Produkte nicht für alle Verbrauchergruppen geeignet sind, waren gerade mal einem Prozent der Befragten bekannt. Die Verbraucherzentralen fordern daher für Lebensmittel mit Phytosterinzusatz unter anderem die ergänzende Pflichtkennzeichnung „für Menschen mit nachweislich erhöhtem Cholesterinspiegel“.

Zweifel an gesundheitlichen Vorteilen von Pflanzensterinen

Angesichts der nicht ganz eindeutigen Studienlage über die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produktgruppe, stellte die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) anlässlich ihrer 77. Jahrestagung im Jahr 2011 deren Nutzen ganz grundsätzlich in Frage. Denn ganz unabhängig von möglichen Nebenwirkungen aufgrund der Anreicherung, gebe es bisher keine belastbaren Studienergebnisse darüber, dass die Produkte im Hinblick auf patientenrelevante klinische Endpunkte wie zum Beispiel Schlaganfall- oder Herzinfarktrisikotatsächlich wirksam sind.

"Cholesterinsenkende" Lebensmittel: Ernste Experten-Zweifel am Gesundheitsnutzen zugesetzter Pflanzenstoffe (DGK-Meldung, 29.04.2011, PDF, 59 KB)

Mögliche Nebenwirkungen von Pflanzensterinen

Seit einigen Jahren üben verschiedene Institutionen wiederholte Kritik an dem Konzept, den Cholesterinspiegel mit Hilfe von phystosterinangereicherten Lebensmitteln zu beeinflussen. Der Grund dafür ist, dass sich in wissenschaftlichen Studien die Hinweise auf mögliche Nebenwirkungen mehren.

Unerwünschte Effekte von Pflanzensterolen auf Netzhaut

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ergänzte im Januar 2013 seine Stellungnahme aus 2011 zu einer Studie aus den Niederlanden. Nach dieser Studie könnten Pflanzensterole unerwünschte Effekte auf die Mikrogefäße der menschlichen Netzhaut haben, wenn sie in in höheren Dosen von eigentlich gesunden Personen verzehrt werden. Mangels Daten können die BfR-Wissenschaftler das Ausmaß des potenziellen Risikos nicht quantifizieren, sie empfehlen jedoch den Zusatz von Pflanzensterolen zu Lebensmitteln auf europäischer Ebene neu zu bewerten.

Lebensmittel mit Pflanzensterol- und Pflanzenstanol-Zusatz: Bewertung einer neuen Studie aus den Niederlanden (BfR, 2011 und 2013, PDF, 108 KB)

Phytosterole senken Blutspiegel von Carotinoiden und fettlöslichen Vitaminen

Andere Studien zeigen, dass ein regelmäßiger Verzehr phytosterinangereicherter Erzeugnisse zu einem erniedrigten Spiegel an Carotinoiden und fettlöslichen Vitaminen im Blut führen kann. Zum Ausgleich wird daher empfohlen, mehr Obst und Gemüse zu essen, wenn möglich mit etwas Fett, zum Beispiel in Olivenöl leicht angedünstetes Gemüse oder Obst mit etwas Jogurt. Zwar liegen die beobachteten Effekte auf den Carotinodgehalt des Blutes noch innerhalb der normalen Schwankungen. Unbekannt ist jedoch die Wirkung auf Schwangere, Stillende und Kinder. Sie sollten Produkte mit Phytosterinen ohnehin meiden.

Ablagerung von Pflanzensterinen an Gefäßwänden

In einigen Studien wurde festgestellt, dass es bei langem und regelmäßigem Verzehr zu Ablagerung von Pflanzensterinen an Gefäßwänden kommen kann. Noch ist nicht klar, welche Schlüsse daraus zu ziehen sind. Der Befund macht allerdings deutlich, dass Lebensmittel mit Pflanzensterinen nicht prophylaktisch gesund sind für alle.

Weitere Informationen zu Pflanzensterinen

Wie viel Phytosterin-Margarine ergibt eine Cholesterin senkende Wirkung?

Eine übliche Portion Streichfett beträgt rund 25 Gramm pro Tag. Mit 25 Gramm phytosterinangereicherter Margarine nimmt man etwa zwei Gramm Pflanzensterine auf. Das ist die Menge, die für die Cholesterin senkende Wirkung erforderlich ist. In Untersuchungen wurde allerdings festgestellt, dass Verbraucher die Margarine sehr sparsam verwenden. Die Phytosterinzufuhr über die Margarine reicht daher in der Praxis oft nicht aus. Inzwischen gibt es noch weitere Produkte wie Joghurtdrinks, die so abgepackt und beschriftet sind, dass die Portionsgröße eindeutig erkennbar ist. 

Wie viel Gemüse sollten Phytosterinanwender essen?

Personen, die größere Mengen Phytosterine verzehren, wird wie allen anderen auch empfohlen, fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag zu verzehren. Wer ganz sicher gehen möchte, sollte davon eine Portion carotinoidreiches Gemüse auswählen, zum Beispiel Karotten, Kürbis, Tomaten, Brokkoli, Spinat oder Aprikosen. 

 

Dr. Margit Ritzka, Meerbusch; bearbeitet von Dr. Christina Rempe, Berlin |

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