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Ein Garten für Nützlinge

So stellt man sich Superhelden vor: Sie rücken zu Land, zu Wasser und über die Luft an, sie kommen ungerufen, sind motiviert, ausdauernd und technisch versiert.

Tontopf am Baum für Ohrenkneifer
Jörg Planer

Dabei verlangen sie nicht einmal Dank für ihre Hilfe. Zum Glück, denn mit Dankbarkeit dürfen sie nur in den seltensten Fällen rechnen – Superheldenschicksal, die wenigsten Menschen wissen ihre Arbeit zu schätzen. Dabei erledigen sie ihren Job nicht nur überaus gründlich, sondern haben sich zum Teil die eindruckvollsten Kostüme zur Arbeitskleidung erwählt, neben denen die Nachahmungen von Batman oder Spiderman einfach nur billig wirken: Goldlaufkäfer beispielsweise gehen im goldgrün glänzenden Panzer auf Schnecken- und Kartoffelkäferjagd, die hauchzarten Flügel der Libellen schillern im Sonnenlicht wie funkelnde Edelsteine, während sich ihre Larven im Gartenteich auf die nächsten Stechmückenlarven stürzen, und die Fledermäuse, die Batman zum Vorbild gereichten, erbeuten ihr Abendessen – vor allem Nachtfalter wie Frostspanner und Prozessionsspinner – dank ausgeklügeltem Echolot direkt im Flug.

Emsige Unterstützer im Kampf gegen Schädlinge

Die Liste tierischer Helfer im Garten ist lang, doch nicht alle haben einen so guten Leumund wie Marienkäfer, Igel, Eidechse und Kohlmeise. Hundertfüßer, Wanzen, Wespen oder gar Spinnen, allen voran die völlig zu Unrecht als gefährlich verschriene Kreuzspinne, wird häufig bestenfalls mit Ekel begegnet, schlimmstenfalls mit Aggression und Giftspritze – so manches Exemplar wird froh sein, wenn niemand etwas von seiner Existenz ahnt. Dabei sollte genau das Gegenteil der Fall sein: Jeder Gärtner, ob Laie oder Profi, sollte seine Unterstützer kennen und sich für die tollen Leistungen erkenntlich zeigen!

Versteckmöglichkeiten und Überwinterungsplätze schaffen

Davon profitieren nämlich beide Seiten: Wer beispielsweise im Herbst einen trockenen Laubhaufen in einer Gartenecke liegen lässt, schafft damit dem Igel ein gemütliches Plätzchen zum Überwintern – und der revanchiert sich, indem er Schnecken, junge Wühlmäuse und Schadlarven, beispielsweise Engerlinge, vertilgt. Eine Überwinterungsglocke aus einem mit Holzwolle gefüllten, umgedreht aufgehängten Tonblumentopf wird von Ohrwürmern gerne angenommen, deren Larven sich, genau wie die des Marienkäfers, gerne an Blattläusen gütlich tun. Auch Trockenmauern und Gartenteiche, Totholzhaufen und alte Baumstümpfe sind wertvolle Kleinbiotope, die dazu beitragen, das Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen nicht zugunsten der Schädlinge kippen zu lassen. Das schafft bisweilen allerdings der Gärtner selbst, dann nämlich, wenn er wegen eines Schädlings (vorschnell) zur Giftspritze greift – und dabei fast immer auch Nützlinge in Mitleidenschaft zieht, indem er sie tötet oder ihnen die Nahrungsgrundlage nimmt. Irgendwann hat dann auch ein noch so nachsichtiger Superheld schlicht die Schnauze voll und sucht sich lieber einen anderen Arbeitsplatz.

Mascha Schacht, Frankfurt am Main |

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