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Ein Tag der Achtsamkeit in der Ernährung

„Wer achtsam ist, isst gut!“ Mit diesen Worten eröffnete Dr. Margareta Büning-Fesel, Geschäftsführender Vorstand des aid, das aid-Forum 2016.

rotes Herz mit Gabel auf Teller
pixabay

(aid) – „Wer achtsam ist, isst gut!“ Mit diesen Worten eröffnete Dr. Margareta Büning-Fesel, Geschäftsführender Vorstand des aid, das diesjährige aid-Forum, das am 21. September 2016 in Bonn mit rund 300 Teilnehmern stattfand. Das aid-Forum stand unter dem Motto „Essen mit Körper, Herz und Verstand – Achtsamkeit in der Ernährung“.

Achtsam essen klingt zunächst einfach. Der Alltag zeigt allerdings, wie selten wir es tatsächlich umsetzen. Bei der täglichen Flut an unterschiedlichsten äußeren Reizen ist achtsam sein eine enorme Herausforderung. Achtsamkeit ist ein Zustand, bei dem wir uns auf uns selbst besinnen. Dies setzt eine Handlung voraus und ist ein innerer Prozess, bei dem wir unseren Körper spüren lernen. Das Ergebnis ist ein physisches und psychisches Wohlbefinden, das uns gesund hält. Beim achtsamen essen werden alle Sinne auf die Nahrungsaufnahme gelenkt, andere Reize des Umfelds werden ausgeblendet. Die Nahrung wird mit Augen, Nase, Mund und eventuell Händen gespürt und die Reaktionen von Kopf und Bauch wahrgenommen. Das ermöglicht, die Signale des Körpers für Hunger und Sättigung bewusst zu fühlen. Außerdem hilft achtsames Essen dabei zu identifizieren, was Körper und Seele gut tut und beides in Einklang zu bringen.

Bevor die Beziehung von Achtsam sein und Essen beim aid-Forum betrachtet wurde, beantwortete die Bonner Psychotherapeutin Gaby Vychodil die übergeordneten Frage, wie Achtsamkeit die Gesundheit beeinflusst: Wenn wir auf unseren Körper und Geist hören, unseren Bedarf und unsere Bedürfnisse erfassen und erfüllen, leben wir gesünder. Missachten wir diese Empfindungen, drohen falsches Essverhalten und psychische Probleme. Achtsam sein kann jeder lernen, so kann es zunächst schon genügen mehrmals bewusst tief ein- und auszuatmen.

Achtsam sein bedeutet in sich selbst hineinzuhorchen. Dazu gehört auch, äußere Faktoren auszublenden oder sie zumindest zu selektieren. Heute werden wir täglich mit tausenden Informationen bombardiert. Die Frage, ob wir bei der Datenflut überhaupt noch Zeit zum Essen haben, stellte Helgo Bretschneider, Bad Honnef. Er forderte dazu auf, das eigene Handeln zu hinterfragen und sich Pausen zum Achtsam sein und achtsam essen zu erarbeiten. Denn wer immer erreichbar ist und halbstündlich seine Mails abruft, ist nicht produktiver. Wer hingegen auf sich selbst achtet, bleibt gesund und motiviert, um auf Dauer Herausforderungen zu meistern.

„Können Menschen überhaupt dauerhaft achtsam sein?“, fragte Dr. Katrin Imbierowicz, Fachärztin für Psychosomatische Medizin von der Universitätsklinik Bonn. Gefühlt beeinflusst uns die Umgebung immer mehr, die Zeit wird knapper, das Nahrungsangebot komplexer. Viele Menschen wünschen sich mehr Ruhe und Zeit bei den Mahlzeiten. Sich darauf zu besinnen, was und wie ich esse, wie ich mich dabei fühle, was ich mit den Speisen verbinde und warum ich esse, kann dazu führen, zur Ruhe zu kommen. Bei jedem Essen achtsam zu sein, hält Imbierowicz allerdings für realitätsfern. Sie sieht das Ziel darin, regelmäßig kleinere achtsame Momente zu schaffen.

Welche Möglichkeiten und Grenzen die Ernährungstherapie hat, um einen achtsamen Umgang mit sich selbst zu erlernen, zeigte Jocelyne Reich-Soufflet, Frankfurt. Sie versteht Achtsamkeit als Bodymind-Arbeit, es geht um das Zusammenspiel von Körper und Geist und darum, seinen Körper lesen und verstehen zu können.

Wer sich zu stark von äußeren Faktoren lenken lässt, verlernt, die Signale für Hunger und Sättigung zu empfinden und isst oft zu viel. Der Einfluss äußerer Reize auf das Essverhalten nimmt mit steigendem Alter zu, während innere Signale in den Hintergrund treten. Auch der Genuss leidet dabei, verdeutlichte Jutta Bollwein vom Institut für achtsames Essen in München. Achtsam zu essen kann dabei helfen, die Kommunikation zwischen Körper, Kopf und Teller wieder herzustellen.

Viele Menschen haben insgesamt die positiven Gefühle beim Essen verloren. Sie kontrollieren ihr Essverhalten, verbieten sich teilweise den Genuss oder fühlen sich nach einem Genuss schuldig. Genießen bedeutet, bewusst mit angenehmen Dingen umzugehen, erklärte Jutta Kamensky, Ulm. Im Gegensatz zur Achtsamkeit, bei der wir in uns Hineinfühlen, lenken wir beim Genuss aktiv die Aufmerksamkeit auf etwas Gutes. Negative Gefühle kommen von selbst, wohingegen wir Genießen planen können und müssen.

„Das 19. aid-Forum hat gezeigt, dass Achtsamkeit in der Ernährung mehr ist als eine einfache Sinneserfahrung, wie zum Beispiel die beliebte Rosinenübung“, zog Eva Zovko vom aid infodienst ihr Fazit. „Es geht um Selbstfürsorge, darum die eigene Gesundheit zu stärken, die innere Balance zu halten und das Essen mehr genießen zu können.“ Das realistische Ziel liegt darin, im Alltag möglichst oft kleine achtsame Momente zu verwirklichen.

Nadia Röwe, www.aid.de

Weitere Informationen:

Kurzfassungen der Vorträge, Pressebilder, ein Hörfunkbeitrag und Impressionen zum aid-Forum unter
http://www.aid.de/inhalt/19-aid-forum-am-21-september-2016-6599.html

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