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Einflüsse auf die Klauengesundheit

Eines der größten Problemfelder für die Klauengesundheit von Sauen stellt der Stallboden dar. Doch auch Managementprobleme in der Aufzucht können zu Klauenschäden führen.

Schweinekopf auf Spaltenbodem
agrarfoto.com

Trotz intensiver Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, einen Betonspaltenboden zu entwickeln, von dem keine oder nur wenige Klauenverletzungen ausgehen. So können bereits leichte Drehungen auf den Spaltenkanten Quetschungen, Blutergüsse und Schnittwunden zur Folge haben. Durch die Verletzungen am Ballengewebe kann es zu übermäßigem Hornwachstum kommen. Aufgrund der dadurch verursachten Schmerzen bewegen sich die Sauen zu wenig, mit der Folge des ungenügenden Klauenabriebs. Ein Teufelskreis!

Zu raue Böden führen dagegen zu übermäßigem Hornabrieb und Verletzungen im Sohlen- und Ballenbereich. Harte Liegeflächen verursachen zusätzlich das Auftreten von Gelenkaufreibungen oder Schleimbeuteln. Auf zu glatten Böden bleibt eine Abnutzung der Klauen dagegen oft aus, da sich die Schweine nur ungern darauf bewegen. Tiefstreu, Stahl- oder Kunststoffböden können zu Veränderungen des Klauenwachstums führen, da der Klauenabrieb unzureichend ist und es zur Stallklauenbildung kommt.

Die Stallbodenproblematik kann verringert werden, wenn statt Böden mit 20 mm Schlitzweite nur solche mit 17 mm verwendet werden. Solche Böden bergen für Jungsauen als auch für Altsauen mit relativ kleinen Klauen ein geringeres Verletzungsrisiko. Andererseits steigt bei geringeren Schlitzweiten der manuelle Reinigungsaufwand beträchtlich. Eine weitere Möglichkeit, die Funktionsfähigkeit eines konventionellen Betonspaltenbodens im Schweinestall aufzuwerten, sind Gummimatten. Die Matten werden auf den Spaltenelementen befestigt und können so die Trittsicherheit und den Liegekomfort beträchtlich erhöhen.

Stallhygiene und Stallklima verbessern

Feuchte, verschmutzte Stallböden stellen ein erhöhtes Risiko für Klauenprobleme dar, da die Schweine darauf häufiger ausrutschen. Außerdem verursacht feuchtes Milieu eine Aufweichung des Klauenhorns, mit der Folge, dass Bakterien leicht eindringen können. Auch das Stallklima kann über Temperatur und Luftfeuchte die Trittsicherheit und Rutschfestigkeit des Bodens beeinflussen und hat damit direkten Einfluss auf die Klauen. Da auf kalten, nassen und glatten Böden ein erhöhtes Rutsch- und Verletzungsrisiko besteht, muss der Fußboden trocken, warm und standsicher gehalten werden.

Managementprobleme

Es wird häufig festgestellt, dass der Grundstein für Klauenprobleme bei Altsauen durch eine nicht befriedigende Haltung der Jungsauen in der Aufzucht oder auch während der Eingliederungsphase gelegt wird. Daher ist es wichtig, sie unbeschadet zum ersten Wurf zu bringen, denn nur gesunde Sauen ohne (Klauen)-Schäden versprechen das bestmögliche Potenzial für den zukünftigen Betriebserfolg.
Die bei der Gruppierung auftretenden, heftigen Rangkämpfe unter den Sauen führen neben den Bissverletzungen auch zu starken Klauenschädigungen und Lahmheiten. Daher gilt es beim Management folgende Punkte zu beachten: Je nach Aufstallungsform ist der optimale Ort sowie der optimale Zeitpunkt der Gruppierung zu wählen. Gleichfalls muss der Gruppengröße sowie der Eingliederung einzelner Sauen in die Gruppe besondere Beachtung geschenkt werden.

Nicht zu unterschätzende Unruhefaktoren stellen auch dauerhafter Hunger und Beschäftigungsmangel dar, die verstärkt zu Vulva- und Klauenverletzungen führen können. Durch Fütterung nach Vorgabe und ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten kann diese Gefahr jedoch stark minimiert werden.

80 Prozent der „Miete“ ist Vorbeugung

Um den Sauen ein tiergerechtes Verhalten zu ermöglichen, sollten bei Klauenproblemen frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden. Dies bezieht sich nicht allein auf direkte Behandlungsmaßnahmen, sondern auch auf die Verbesserung der Haltungsbedingungen. Denn nur gesunde Tiere, die sich wohlfühlen, bringen letztendlich auch gute, hohe biologische Leistungen.

Autoren: Jörg Planer, Bonn und Dr. Elisabeth Roesicke, aid |

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