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Energy-Drinks

Energie-Kick aus der Dose? Energy-Drinks enthalten eine hohe Dosis Koffein, oft weitere aufputschende Stoffe und jede Menge Zucker. Daher sind sie insbesondere für Kinder nicht zu empfehlen.

Dosen mit der Aufschrift "Energy Drink"
destina / Fotolia.com

Energy-Drinks sind koffeinhaltige Erfrischungsgetränke, die einen besonderen „Kick“ versprechen: Man ist angeblich länger wach, soll sich besser konzentrieren können und körperlich leistungsfähiger sein. Neben einem Koffeingehalt, der deutlich über dem handelsüblicher Cola-Getränke liegt, enthalten die vermeintlichen Muntermacher in der Regel zusätzlich oder alternativ die Stoffe Taurin, Inosit und Glucuronolacton. Oft ist der Zuckergehalt der Getränke beträchtlich. Viele Hersteller bieten allerdings auch zuckerfreie Varianten an, die dann Süßungsmittel enthalten.

Koffein: eine Zutat zwiespältigen Nutzens

Schon der Name „Energy-Drink“ verspricht Großes. Und tatsächlich wirkt ihre Zutat Koffein grundsätzlich – in Abhängigkeit der Konzentration – anregend, leistungs- und konzentrationssteigernd. Das bestätigt unter anderem die wissenschaftliche Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Zusammenhang mit der Zulassung gesundheitsbezogener Angaben nach der Health-Claims-Verordnung. In höheren Dosen können allerdings Symptome wie Schlafstörungen oder allgemeine Verhaltensänderungen auftreten, wie die EFSA in einem Gutachten von 2015 bestätigt. Deshalb zögert die EU-Kommission auch, Wirkaussagen für die Werbung koffeinreicher Lebensmitteln zu erlauben. Auf nationaler und europäischer Ebene wird außerdem darüber diskutiert, ob die bestehende Gesetzeslage zu Höchstwerten und Warnhinweisen bei koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken wie Energy-Drinks und anderen koffeinreichen Produkten im Sinne des gesundheitlichen Verbraucherschutzes ausreichend ist.

In allen Altersgruppen beliebt

Von all diesen politischen Diskussionen unberührt, haben Energy-Drinks seit einigen Jahren Konjunktur. Im Jahr 2012 machten sie nach Angaben des Marktforschungsinstituts Nielsen ein Umsatzplus von 18 Prozent. Nach einer von der EFSA 2013 publizierten Verzehrserhebung sind Energy-Drinks in der EU-Bevölkerung insbesondere unter Jugendlichen beliebt, doch selbst Kinder schätzen die „süße Koffeinbombe“ offenbar: In der Altersgruppe von 10 bis 18 Jahren gaben 68 Prozent der Befragten an, Energy-Drinks zu trinken. Unter den befragten Kindern (3 bis 10 Jahre) greifen 18 Prozent regelmäßig zu den koffeinreichen Getränken. Rund 16 Prozent der Kinder trinken pro Woche knapp einen Liter und gelten damit laut EFSA als „stark chronische“ Konsumenten. In der Gruppe der 18- bis 65-Jährigen geben 30 Prozent einen Konsum von Energy-Drinks an.

Keine Koffeinwerbung auf Energydrinks

EU-Parlament stoppt Gesundheitsangaben

leere Dosen Energydrinks

Das EU-Parlament forderte am 7. Juli 2016 die EU-Kommission auf, einen Verordnungsentwurf zurückzuziehen. Hersteller von koffeinhaltigen Getränken dürfen nun auf ihren Produkten keine Gesundheitsangaben mehr zu Koffein machen.

Gesundheitswerbung würde den Konsum von koffein- und zuckerhaltigen Energydrinks bei Kindern und Jugendlichen eher noch fördern, heißt es in den Ablehnungsgründen des EU-Parlaments.

Weiter zur aid-Pressemeldung vom 27.07.2016

Immer etwas Neues

Das Angebot an Energy-Drinks wird immer variantenreicher: Galt die 250-ml-Dose noch vor wenigen Jahren praktisch als Standard, kommen die koffeinreichen Getränke heute auch in 500-ml-Dosen oder in Flaschengrößen von einem oder eineinhalb Litern in den Handel. Mit exotischen Zutaten wie Acai, Fruchtsaftanteilen bis zu 50 Prozent, Molkezusätzen oder dem natürlichen Koffeinlieferanten Guarana wird das einst eher synthetisch anmutende Image der Energy-Drinks mächtig aufpoliert. Parallel dazu bringen einige etablierte Hersteller von Energy-Drinks eine weitere koffeinreiche Produktvariante auf dem Markt: so genannte Energy-Shots. Auf den ersten Blick scheint es sich dabei um Energy-Drinks in Miniaturgröße zu handeln, tatsächlich aber enthalten die Produkte weitaus höhere Koffeinkonzentrationen als ihre Vorbilder aus dem Getränkeabteilung. Das entscheidende Detail dabei ist: Energy-Shots sind keine Erfrischungsgetränke, sondern werden als Nahrungsergänzungsmittel in den Verkehr gebracht, so dass die Koffeinhöchstwerte für Getränke hier nicht gelten.

Weitere Informationen zu Energy-Drinks

Bergen Energy-Drinks wegen ihres Koffeingehaltes ein Gesundheitsrisiko?

Pauschal lässt sich diese Frage kaum beantworten, denn die Menschen – ob gesund, Kind, schwanger oder beispielsweise herzkrank – reagieren unterschiedlich auf Koffein. Einem aktuellen Gutachten der EFSA zufolge vertragen erwachsene Gesunde in der Regel ohne Probleme 400 mg Koffein pro Tag. Dabei sollte eine Verzehrsdosis, das heißt die aufgenommene Menge pro Portion, höchstens 200 mg Koffein betragen. Das entspricht ungefähr 500 ml eines handelsüblichen Energy-Drinks. Für einen 10jährigen aber, der rund 30 Kilo wiegt, wäre selbst eine 250-ml-Dose pro Tag nach dem EFSA-Gutachten schon kritisch. Denn für Kinder bewerten die Risikobewerter eine Einzeldosis von höchstens 3 mg Koffein pro kg Körpergewicht als sicher, was also einem Höchstwert von circa 90 mg Koffein entspräche. Vom Koffeingehalt abgesehen bewerten Ernährungsexperten Energy-Drinks generell skeptisch - wegen ihres hohen Zuckergehaltes, teilweise aber auch wegen ihres Gehaltes an anderen typischen Zutaten wie Taurin, Glucuronolacton und Inosit, deren Wechselwirkungen untereinander und in Verbindung mit Alkohol noch nicht ganz klar sind. Die EFSA allerdings sieht in ihrem aktuellen Gutachten keinen Anlass zu diesbezüglicher Sorge. Anders das Bundesinstitut für Risikobewertung nach einer Anfang 2014 publizierten Stellungnahme: Im Zusammenhang mit einer Untersuchung zum Trinkverhalten von Hochverzehrern auf Musik-Festivals und Sportveranstaltungen wiederholten die nationalen Risikobewerter ihre Bedenken bezüglich eines kombinierten Konsums von Energy-Drinks mit Alkohol beziehungsweise körperlicher Anstrengung, etwa beim Sport oder Tanzen. Klar ist: Energy-Drinks sind keine Durstlöscher. Dazu sind und bleiben die „Klassiker“: Mineralwasser, Saftschorlen und ungesüßte Tees immer noch die beste Wahl.

Welche Wirkungen haben Koffein, Taurin, Inosit und Glucuronolacton im Körper?

Koffein steigert die Herzfrequenz und stimuliert das zentrale Nervensystem, was die Konzentrationsfähigkeit und Wachsamkeit erhöht. Koffein kann in geringen Dosierungen zwar anregend wirken, ein hoher Koffeinkonsum kann jedoch zu Konzentrationsstörungen und innerer Unruhe führen.
Taurin ist ein Abbauprodukt von Aminosäuren (Eiweißbausteinen), die der Körper selbst in ausreichender Menge produzieren kann und auch in Lebensmitteln, vor allem in Fisch und Fleisch vorkommt. Taurin ist am Fettstoffwechsel und an der Funktion des Herz-Kreislauf-Systems und des zentralen Nervensystems beteiligt. Diese Substanz soll die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit steigern, wissenschaftlich allgemein anerkannt sind diese Wirkungen allerdings nicht.
Glucuronolacton wird auch vom menschlichen Körper aus Glukose gebildet wird. Der Körper nutzt diesen Stoff, um Fremdstoffe auszuscheiden.
Inosit ist ein Zuckeralkohol, der in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln sowie im menschlichen Körper vorhanden ist. Es soll die Fettverbrennung und Gedächtnisleistung steigern, was allerdings wissenschaftlich umstritten ist.

Gelten für Koffein, Taurin, Inosit, Glucuronolacton Höchstmengen?

Die nationale Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung (FrSaftErfrischGetrV) legt verbindliche Höchstmengen für Koffein, Taurin, Inosit und Glucuronolacton in Erfrischungsgetränken fest:

  • Koffein 320 mg / l
  • Taurin 4.000 mg / l
  • Inosit 200 mg / l
  • Glucuronolacton 2.400 mg / l

Eine 250-ml-Dose eines Energy-Drinks kann also bis zu 80 mg Koffein enthalten. Das entspricht ungefähr einer Tasse Filterkaffee (200 ml). Handelsübliche Cola-Getränke enthalten in der Regel weniger als 150 mg Koffein pro Liter. Folglich beträgt der Koffeingehalt eines Energy-Drinks üblicherweise rund das Doppelte von Cola.

Übrigens: Energy-Shots sind keine Erfrischungsgetränke, sondern werden als Nahrungsergänzungsmittel in den Verkehr gebracht. Für sie gelten daher die in der FrSaftErfrischGetrV festgelten Koffein-Höchstmengen nicht. Für Nahrungsergänzungsmittel gelten insbesondere die Vorgaben der Nahrungsergänzungsmittelverordnung. Danach muss auf ihrem Etikett die täglich empfohlene Verzehrsmenge angegeben sein. Verpflichtend ist außerdem der Warnhinweis "Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrsmenge darf nicht überschritten werden".

Wie müssen Energy-Drinks gekennzeichnet werden?

Für Energy-Drinks gelten grundsätzlich dieselben Kennzeichnungsvorschriften wie für andere vorverpackte Lebensmittel auch. Angegeben werden müssen: die Bezeichnung, ein Zutatenverzeichnis mit gegebenenfalls besonders hervorgehobenen allergenen Zutaten, der Hersteller, Verpacker beziehungsweise ein in der EU niedergelassener Importeur, das Mindesthaltbarkeitsdatum, Füllmenge und die Losnummer. Spätestens ab Dezember 2016 müssen sie außerdem eine Nährwerttabelle tragen, die allerdings schon heute auf den meisten Etiketten steht.

Beträgt ihr Koffeingehalt mehr als 150 mg pro Liter – was in der Regel der Fall ist – ist für die Getränke außerdem der Hinweis „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“ vorgeschrieben. Er muss zum die Angabe des tatsächlichen Koffeingehalts in mg/100 ml des jeweiligen Produktes ergänzt werden. Diese Hinweispflicht gilt übrigens für alle koffeinhaltigen Erfrischungsgetränke mit einem Koffeingehalt von mehr als 150 mg Koffein pro Liter, sofern diese nicht auf Basis von Kaffee oder Tee hergestellt sind und dies aus ihrer Bezeichnung hervorgeht.

Werden Energy-Drinks, offen beispielsweise in Gaststätten ausgeschenkt, muss klar ersichtlich sein, dass es sich dabei um ein koffeinhaltiges Getränk handelt. Dabei ist – wie bei anderen koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken mit einem Koffeingehalt größer 150 mg/l – die Angabe „erhöhter Koffeingehalt", gefolgt von der Angabe des Koffeingehaltes in Klammern in mg/100 ml vorgeschrieben. Diese Angaben stehen entweder in der Getränkekarte oder auf einem Aushang. Sie dürfen auch als Fußnote angebracht werden.

Autorinnen: Dr. Christina Rempe, Berlin und Hedda Thielking, Bergheim |

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Andrea Sachs / Fotolia.com
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