Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Erdraupen und Drahtwürmer

Die Ursachen für Welkeerscheinungen an Gemüsepflanzen sind vielfältig. Häufig werden Wühlmäuse verdächtigt. Meistens sind die Übeltäter jedoch viel kleiner.

Drahtwurm
Michael Tieck / Fotolia.com

Was gestern noch ein praller Salatkopf war, liegt heute nur noch als welke, unappetitliche Pflanze auf dem Gartenboden. Nicht selten berichten Gärtner über plötzlich welkende Gemüsepflanzen. Die erste Diagnose lautet meist "Wassermangel". Doch der schnelle Griff zum Gartenschlauch verspricht nicht immer Abhilfe.

Neben Wasser- oder Nährstoffmangel kommen Pilz- oder Bakterienkrankheiten in Betracht. Nicht selten sind es aber auch tierische Bodenschädlinge, die für das Welken von Pflanzen verantwortlich sind. Die meisten Hobbygärtner mögen hier jetzt an Wühlmäuse denken, doch die Übeltäter sind oft noch viel kleiner. Die Rede ist von Erdraupen und Drahtwürmern.  

Kleine Schädlinge, großer Schaden

Bei Erdraupen und Drahtwürmern handelt es sich um Sammelbegriffe für die Larven verschiedener Insektenarten. Diese überwiegend unterirdisch lebenden Schädlinge verursachen teils erheblichen Fraßschaden an Wurzeln und bodennahen Pflanzenorganen. Starker Fraß führt sogar zum Welken und Absterben der Pflanze. Darüber hinaus fressen diese Larven komplette Jungpflanzen radikal ab und durchlöchern Wurzelgemüse derart stark, dass es nicht mehr genießbar ist. Neben Erdraupen und Drahtwürmern gibt es weitere Bodenschädlinge wie Maulwurfsgrillen, Engerlinge oder die Larven des Dickmaulrüsslers, die zwar auch erheblichen Schaden verursachen können, im Gemüsegarten aber seltener auftreten.

Die Übeltäter hinterlassen deutliche Spuren

Um herauszufinden, ob es sich bei dem Verursacher des Schadens um tierische Schädlinge handelt, muss man meist nicht lange suchen. Zeigen sich Fraßspuren an den Wurzeln, waren es entweder Mäuse oder bodenbewohnende Schadinsekten. An Gemüsepflanzen fressende Mäuse - zum Beispiel Wühlmäuse - verraten sich meist durch typische Gangsysteme, die man unterhalb oder neben der Pflanze findet (siehe Wühlmäuse, Kaninchen & Co.). Sind solche Gänge nicht anzutreffen, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um ein bodenbelebendes Schadinsekt handelt.

Erdraupen

Bei Erdraupen handelt es sich um die unterirdisch lebenden, graubraunen Larven verschiedener Erdeulenarten (Schmetterlinge), die eine Länge bis zu 5 cm erreichen. Typisch für diese Raupen ist, dass sie sich bei Berührung schnell zusammenrollen. Die älteren Larven sind lichtscheu und fressen tagsüber nur an unterirdischen Pflanzenteilen, nachts sind sie aber auch oberhalb der Erdoberfläche zu beobachten.

Die weniger lichtempfindlichen Junglarven finden sich auch tagsüber an den Blättern und Stängeln. Erdraupen befallen bevorzugt Salat, Kohl, Möhren, Kartoffeln, Porree, Zwiebeln, Sellerie und Rettich.  

Gegenmaßnahmen

Da eine Erdraupe in kurzer Zeit einer ganzen Reihe Salatpflanzen zum Verhängnis werden kann, lohnt sich das Absammeln der Larven nachts mit Taschenlampe oder tagsüber nahe am Wurzelhals wenige Zentimeter unter der Bodenoberfläche. Häufiges Hacken und Umgraben behagt den Erdraupen nicht. Ebenso das Überbrausen der Pflanzen zur Zeit der Eiablage (Warndienst beachten), denn dies beeinträchtigt die Junglarven in ihrer Entwicklung. Möglich ist auch der Einsatz von insektenparasitären Nematoden, ein Erfolg dieser Maßnahme ist jedoch nicht garantiert.

Drahtwürmer

Als Drahtwürmer bezeichnet man die gelblichen oder bräunlichen Larven von verschiedenen Käferarten der Familie der Schnellkäfer. Die Junglarven sind nur wenige Millimeter groß, wachsen aber innerhalb von 3-4 Jahren auf eine Länge von bis zu 3 cm heran. Der Name "Drahtwürmer" ist auf die harte Panzerung der Tiere zurückzuführen. Typisch für diese Schädlinge ist, dass sie überwiegend auf frisch umgegrabenen Rasen- und Wiesenflächen auftreten.

Drahtwürmer fressen vor allem an unterirdischen Pflanzenteilen und verursachen dabei 2-3 mm große "Einbohrlöcher". Bei starkem Befall kommt es zu einem lückenhaften Auflaufen von Sämlingen sowie Welken und Absterben älterer Pflanzen. Bevorzugt befallen werden Möhren, Salat, Kartoffeln, Spinat und Rübengewächse. 

Gegenmaßnahmen

Der Boden sollte mehrfach gründlich bearbeitet werden, wobei man sichtbare Larven sofort vernichtet. Drahtwürmer können gezielt mit Salatpflanzen oder mit eingegrabenen Kartoffelhälften (Schnittfläche nach unten zeigend) geködert werden. Langfristig hilft die Förderung natürlicher Feinde wie Maulwurf, Kröten, Spitzmaus, Vögel oder Laufkäfer im Garten.

Jörg Planer, Bonn |

als hilfreich bewerten 0 Versenden VG Wort