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Cholesterin: Freispruch für das Frühstücksei

Wer sich mal mehr Eier gönnt, muss kein schlechtes Gewissen haben. Eier enthalten zwar reichlich Cholesterin, das beeinflusst aber kaum den Cholesterinspiegel im Blut.

Mann vor Holzbrett mit Flasche Milch, Eier, Fisch und Fleisch
Syda Productions / Fotolia.de

Lange wurde die Bedeutung des Nahrungscholesterins überbewertet. Entscheidend für den Cholesterinspiegel im Blut ist weniger das Cholesterin aus der Nahrung als die Qualität der Nahrungsfette. Heute ist bekannt, dass bei einem Zuviel an Nahrungscholesterin der Körper die eigene Cholesterinbildung drosseln kann. Allerdings funktioniert das nicht bei allen Personen reibungslos.

Personen mit erhöhten Blutfettwerten ist oft der Zusammenhang zwischen Cholesterin und Fetten nicht klar und damit auch ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ziel der Ernährungstherapie ist es, das Risiko für Folgeerkrankungen zu reduzieren und den Klienten bei der Ernährungsumstellung zu begleiten, sofern die erhöhten Werte nicht erblich bedingt sind.

Ein Trost für Betroffene: Cholesterinwerte über 200 mg/dl sind aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Kenntnislage nicht mehr grundsätzlich behandlungsbedürftig. Entscheidend ist, wie hoch die Werte des LDL- und HDL-Cholesterins sind bzw. deren Verhältnis zueinander ist. Außerdem ist wichtig, ob weitere Risikofaktoren wie Diabetes, Hypertonie oder Übergewicht vorliegen und wie hoch die Werte der Triglyzeride sind.

Ist die LDL-Cholesterinkonzentration erhöht, muss geklärt werden, um welche Art von Fettstoffwechselstörung es sich handelt. Bei der familiären kombinierten Hyperlipidämie liegt auch ein erhöhter Triglyzeridwert vor. Dann sollte der Klient vor allem den Alkohol- und Zuckerkonsum einschränken und Übergewicht vermeiden bzw. abbauen.

Anders verhält es sich bei der reinen Hypercholesterinämie: Nahrungsfette haben einen größeren Einfluss auf den Cholesterinspiegel als die Cholesterinzufuhr selbst. Daher sollten Betroffene vor allem auf die Fettzufuhr achten.

 Häufig muss der Klient nicht die Fettmenge an sich reduzieren, sondern die Fettqualität modifizieren:

  • Eine Ernährung reich an einfach ungesättigten Fettsäuren kann den Gesamtcholesterinspiegel und den des LDL-Cholesterins verringern.
  • Gesättigte Fettsäuren erhöhen die Blutfette, vor allem das LDL-Cholesterin. Gesättigte Fettsäuren sollten daher nur maximal zehn Prozent der Energiezufuhr ausmachen. Für den gewünschten Effekt sorgt bereits der Austausch von gesättigten Fettsäuren durch einfach ungesättigte Fettsäuren wie Ölsäure.
  • Transfettsäuren wirken sich ungünstig auf das Blutfettprofil aus: Sie erhöhen das LDL-Cholesterin und senken gleichzeitig das HDL-Cholesterin und sollten auf weniger als ein Prozent der Energiezufuhr beschränkt werden.
  • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie die Linolsäure senken den LDL-Cholesterinspiegel. Es werden sieben bis zehn Prozent der Energiezufuhr empfohlen. Zu große Mengen wirken sich hingegen negativ auf das HDL-Cholesterin aus.
  • Das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren von ein zu fünf oder darunter ist wichtig, um das Risiko für Herzinfarkt und Krebserkrankungen zu senken.

Zudem wirkt sich eine hohe Ballaststoffzufuhr positiv auf die Lipidwerte aus und auch Sport und Bewegung beeinflussen den Fettstoffwechsel.

Ein weiterer Trost: Starre Speisepläne oder Kalorien zählen ist nicht angesagt. Vielmehr geht es um das Essen im Alltag, das schmeckt und sich an den Tagesablauf und die Gewohnheiten des Klienten anpassen lässt.

Dr. Claudia Müller, Bonn und Ruth Rösch, Bergisch Gladbach |

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Block Butter und 2 Flaschen Öl
Fotolia.com / Multiart

Aktualisierung

Fettzufuhr und ernährungsmitbedingte Krankheiten 2. Version der DGE-Leitlinie Fett veröffentlicht

Welchen Einfluss haben Menge und Qualität der Fettzufuhr auf das Risiko von Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes mellitus, Dyslipoproteinämie, Hypertonie und Krebs? Dieser Frage ist die Leitlinienkommission der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) erneut nachgegangen.

Wie die aktualisierte zweite Version von 2015 zeigt, liegen neue Daten seit der in 2006 publizierten Leitlinie vor, die teilweise zu veränderten Evidenzbewertung führen. Dennoch wurde für keine Fettsäure oder Fettsäuregruppe eine gegensätzliche Wirkung mit wahrscheinlicher oder überzeugender Evidenz beobachtet. Im Wesentlichen bestätigt die neue Version die Ergebnisse der alten Fassung: Demnach sollte nicht zu viel Fett verzehrt werden, um das Risiko für Adipositas und Fettstoffwechselstörungen zu senken. Zudem sollten gesättigte Fettsäuren und Trans-Fettsäuren zugunsten von ungesättigten Fettsäuren, vor allem langkettigen Omega-3-Fettsäuren ausgetauscht werden.

Link zur 2. Version der Leitlinie für die Fettzufuhr
www.dge.de

Fragen und Antworten

Welche Blutfettwerte sind „normal“?

Der HDL-Wert sollte bei Frauen über 40 mg/dl liegen und bei Männern über 35 mg/dl. Als wünschenswert wird allgemein ein LDL-Wert von unter 130 mg/dl angesehen. Liegt außer einem erhöhten LDL-Cholesterin kein anderer Risikofaktor vor, dann gilt ein Wert von 160 mg/dl als tolerierbar. Bei Herzinfarkt-Patienten sollte er hingegen unter 100 mg/dl liegen. Triglyzeride können besonders dann für die Gefäße gefährlich werden, wenn sie mit einem ungünstigen Verhältnis zwischen den HDL- und LDL-Cholesterin einhergehen. Als wünschenswerter Triglyzeridspiegel gilt 200 mg/dl. Bei hohen Triglyzeridwerten wird das Fließverhalten des Blutes negativ beeinflusst und die Bildung von Blutgerinseln begünstigt.

Was geschieht bei fortschreitender Arteriosklerose?

Die Arteriosklerose kann sich an verschiedenen Stellen im Körper bilden. Wenn die Arteriosklerose an den Arterien auftritt, die das Herz versorgen (Koronararterien), spricht man von koronarer Herzkrankheit. Sie hat die Herzkrankgefäßverengungen zur Folge, Angina pectoris mit Brustschmerzen und schließlich sogar Herzinfarkt (völliger Verschluss eines Gefäßes). Arteriosklerose im Gehirn kann zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Sind Gefäße in den Beinen betroffen, schmerzen diese beim Gehen. Schließlich können die Zehen wegen mangelnder Durchblutung schwarz werden. In der Niere kann die Arteriosklerose Mechanismen in Gang setzen, die den Blutdruck erhöhen, bis hin zu einem Nierenversagen.

 

Was hat es mit Omega-3-Fettsäuren auf sich?

Omega-3-Fettsäuren sind lebensnotwendig und üben im Körper wichtige Funktionen aus. Sie sind unentbehrlich für die Entwicklung der Gehirnfunktion und die Immunabwehr, mindern die Entzündungsneigung im Gewebe, hemmen die Blutgerinnung und damit die Thrombosegefahr. Weiterhin senken Sie die Trigylzeride im Blut und helfen, schwerwiegende Herzrhythmusstörungen vorzubeugen. Kaltwasserfische wie Lachs, Makrele und Hering enthalten einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, auch bestimmte pflanzliche Öle wie Rapsöl und Walnussöl.

 

Soll ich lieber Butter oder Margarine essen?

Das ist letztlich Geschmackssache. Butter und Margarine enthalten gleich viel Fett. Butter liefert aber einen größeren Anteil an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin, während Margarine einen höheren Anteil an ungesättigten Fettsäuren haben kann und cholesterinfrei ist. Wenn Sie das Streichfett sparsam verwenden und die Fettzufuhr insgesamt niedrig halten, kann Butter oder Margarine je nach Geschmack gewählt werden.

Bei Margarine sollten Sie möglichst hochwertige Sorten wählen mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren sowie Diätmargarinen, denn diese enthalten kaum Trans-Fettsäuren.

 

Wann passt welches Öl?

Verwenden Sie hauptsächlich pflanzliche Öle. Kaltgepresste Öle haben einen charakteristischen Geschmack und enthalten aufgrund der schonenden Gewinnung viele sekundäre Pflanzenstoffe, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Sie lassen sich zwar leicht erwärmen, eignen sich jedoch nicht fürs starke und lange Erhitzen. Raffinierte Öle hingegen lassen sich gut fürs Braten und Kochen verwenden, besitzen jedoch kaum Eigengeschmack.

Rapsöl gilt als besonders empfehlenswert, da es einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren in guter Zusammensetzung enthält. Zudem eignet es sich sowohl für Salate als auch zum Kochen und Braten. Olivenöl und Sonnenblumenöl eignen sich hierfür ebenfalls, während Lein-, Walnuss- und Weizenkeimöl nur für die kalte Küche in Frage kommen.

Welche Fettfallen gibt es unterwegs?

Das Angebot an Snacks und Mahlzeiten, die Außer-Haus gegessen werden, wächst stetig. Manche Produkte sollten Sie nach Möglichkeit meiden oder selten essen wie Croissants, Fleischsalat oder Kartoffelkroketten. Wählen Sie stattdessen lieber Vollkornbrötchen, Krautsalat oder Pellkartoffeln mit Kräuterquark. Nutzen Sie das Salatbuffet und nehmen anstelle von French Dressing besser Essig und Öl. Aufläufe und Gratins enthalten häufig reichlich Fett. Greifen Sie bei Gemüse, Kartoffeln, Nudeln oder Reis zu und bevorzugen Sie beim Dessert besser Obst oder Quark als Kuchen oder Cremes. So lässt sich einiges an Fett auch unterwegs einsparen.

 

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