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Ernährungskommunikation des aid

Vom Wissen zum Handeln, aber wie? Redaktionsleiterin Eva Zovko erläutert das Selbstverständnis des aid und ihre Sicht auf Herausforderungen und Trends in der Ernährungskommunikation.

Pfeil mit aufgespießtem Obst trifft Zielscheibe
georgemuresan / Fotolia.com

Im Gespräch mit Eva Zovko

Eva Zovko

Eva Zovko ist Diplom-Oecotrophologin und Redaktionsleiterin Ernährung beim aid. Seit 2005 ist sie für die Themenfindung, die inhaltliche Konzeption und die Organisation der aid-Foren verantwortlich.

Der aid macht schon seit den 1950er Jahren Ernährungskommunikation. Welchen Prinzipien folgt er dabei?

Zovko: Worauf wir besonderen Wert legen ist, dass wir nicht nur Wissen vermitteln, sondern vor allem praxisrelevante Handlungskompetenzen. Es geht um den individuellen Ess-Alltag der Menschen. Unsere Hauptaktivität ist die zielgruppengerechte Vermittlung von Informationen aus Forschung und Praxis, wobei wir alltagstaugliche und leicht verständliche Medien anbieten, die sich an wissenschaftlichen Fakten orientieren: Basiswissen für Verbraucher, Hintergrundinformationen für Lehrer und Multiplikatoren, Pressemitteilungen für Journalisten und attraktive Unterrichtsmaterialien für alle Schulformen.

Bei der Entwicklung unserer Medien folgen wir den Prinzipien:

  • Motivieren statt Belehren
  • Reflektieren statt Bekehren
  • Mitmachen statt Erklären
  • Erleben statt Zuschauen

Ernährungskommunikation ist Ihr fachlicher Schwerpunkt im aid. Was macht das Thema für Sie so spannend?

Zovko: Spannend ist für mich herauszufinden, in welcher Form wir am besten mit der jeweiligen Zielgruppe kommunizieren, um sie tatsächlich mit unserem Thema „Essen und Trinken“ zu erreichen und auch etwas zu bewirken. Eine rein wissensbasierte Kommunikation reicht hierfür bei Weitem nicht aus. Erfolgreiche Ernährungskommunikation ist professionell statt „gut gemeint“. Was gut gemeint ist, aber nicht gut ankommt, ist mittlerweile zwar bekannt. Es wird aber immer noch mehr oder weniger eifrig betrieben. Wir alle kennen Beispiele, in denen einfach nur genussfeindlich, freudlos und belehrend über „gesunde Ernährung“ kommuniziert wird, wo mit erhobenem Zeigefinger Ratschläge zu bestimmten Lebensmitteln oder einzelnen Nährstoffen erteilt werden oder den Leuten vorgeschrieben wird, was sie zu tun oder zu lassen haben.

Das fängt schon mit der Sprache an, ich bin z. B. sehr kritisch mit Texten bzw. Aussagen, in denen die Worte „sollen, müssen, dürfen“ vorkommen. Da ist meines Erachtens die Reaktanz schon vorprogrammiert. Moderne Ernährungskommunikation unterstützt Menschen in ihrem Alltag. Ich finde es wichtig die jeweils eigene Kompetenz in Sachen Ernährung zu stärken, die Menschen dabei zu begleiten ihren individuellen Weg zu Genuss und Wohlbefinden zu finden und die Freude an Essen als „Gesamtkunstwerk“ zu vermitteln.

Mir ist es auch ausgesprochen wichtig, dass wir Multiplikatoren im Ernährungsbereich uns stets selbst reflektieren, denn unser Expertenbild deckt sich nicht unbedingt mit den Vorstellungen und Bedürfnissen, die unsere Zielgruppen tatsächlich haben. Dazu dient zum Beispiel das aid-Forum, auf dem ich seit über zehn Jahren das Thema Ernährungskommunikation kritisch beleuchte, den Blick über den Tellerrand in andere Fachgebiete ermögliche und mir als Ergebnis wünsche, dass wir alle besser werden, in dem was wir tun.

Wo liegt für Sie persönlich die Herausforderung wenn es um erfolgreiche Ernährungskommunikation geht?

Gemüsefahrrad
Unterwegs vom Wissen zum Handeln.

Zovko: Die Herausforderung liegt darin vom „Wissen zum Handeln“ zu kommen, sprich mit unseren Botschaften Kopf und Herz zu erreichen und auf diese Weise etwas in den Menschen auszulösen und zu bewegen. Sie liegt auch darin, die Daten, Fakten und Zahlen, die uns die Wissenschaft vorlegt so zu interpretieren und so aufbereitet an unsere Zielgruppen weiterzugeben, dass sie alltagstauglich, praxisnah, nachvollziehbar und glaubwürdig sind.

Wobei immer klar sein muss, dass die Wirkung von Kommunikation begrenzt ist und sie nur ein Baustein sein kann, um tatsächlich eine Änderung des Ernährungsverhaltens zu erzielen. Wichtig ist in der ganzen Diskussion die Komplexität des menschlichen Verhaltens nicht außer Acht zu lassen und immer auch den Einfluss des Umfeldes mit zu berücksichtigen. Kulturelle, soziale, emotionale, persönliche und praktische Faktoren spielen alle eine Rolle, wenn es um das Essverhalten geht. Deshalb finde ich den „Blick über den Tellerrand“ und die interdisziplinäre Zusammenarbeit so wertvoll.

Auf einem ganz anderen Blatt stehen die moralisierenden und schon fast hysterischen Debatten rund ums Essen, die derzeit geführt werden. Wie dem missionarischen Eifer und den Glaubensdiskussionen am besten zu begegnen ist, ist durchaus auch eine sehr spannende Frage in der Ernährungskommunikation. Es gibt keine „beste Art“ sich zu ernähren und sicherlich auch keine allgemeingültigen Ernährungsregeln, die für alle gleich gut sind. Dazu sind die Menschen zu individuell in ihrer Konstitution und in ihren Lebensumständen. Aufgabe und Herausforderung der Kommunikation ist es, Menschen dialogisch dabei zu begleiten, die für sich beste Wahl zu treffen.

Autorin: Andrea Fenner, Edinburgh |

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