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Die optimale Tageszeit für die Gemüseernte

Würden Sie diese Frage einem professionellen Gärtner stellen, bekämen Sie zur Antwort: morgens. Aber es gibt auch das Argument, besser nachmittags oder abends zu ernten. Was stimmt den nun?

Frau erntet Bohnen
Kzenon / Fotolia.com

Für eine Ernte am Morgen spricht die Tatsache, dass die Pflanzen über die Verdunstung, vor allem an heißen Sommertagen, so einiges an Wasser verlieren. Dadurch nimmt der Druck des Zellsaftes in den Pflanzenzellen - der sogenannte Turgor - ab, das Gemüse wird weicher und damit schlechter haltbar.

Nitratbelastung morgens höher

Auf der anderen Seite gibt es das Argument, das Gemüse aufgrund der Nitratbelastung besser nachmittags oder abends zu ernten. Auch dies hat seine Berechtigung: Nitrat ist ein wichtiger Nährstoff, den die Pflanze zur Eiweißbildung benötigt. Für diesen Vorgang braucht die Pflanze jedoch Licht. Bei der Ernte am Nachmittag oder Abend hilft das Licht des ganzen Tages noch beim Nitratabbau des in der Nacht aus dem Boden aufgenommenen Nitrates, während es am Morgen noch in vollem Umfang in der Pflanze vorhanden ist. Auch der höhere Gehalt an Nitrat in Herbst und Winter oder bei Gewächshausgemüse ist auf diese Tatsache zurückzuführen.

Tipps für den richtigen Erntezeitpunkt:

  • Wenn Sie Ihr Gemüse kurz vor dem Verzehr ernten, ist es – auch an heißen Tagen – nicht so schlimm, wenn Sie es erst mittags oder nachmittags aus dem Garten holen. Wollen Sie das Gemüse jedoch einige Tage lagern, empfiehlt es sich, dieses morgens zu ernten, wenn es noch prall ist.
  • Blattgemüse wie Kopfsalate sind nach einem Tag intensiver Sonneneinstrahlung meist sehr schlaff und daher nicht mehr sehr appetitlich. Radieschen oder Rettich hingegen lassen sich eher schon mal nach einem heißen Tag abends ernten.
  • Nicht alle Gemüsearten weisen hohe Nitratgehalte auf. Man sollte also darauf achten besonders nitratreiche Gemüse (z. B. Rucola oder Spinat) nicht zu häufig zu verzehren. 
  • Es gibt gärtnerische Methoden, wie man den Nitratgehalt von Gemüse gering halten kann. Unter anderem sollte man die Stickstoffdüngung auf ein für den Ertrag notwendiges Maß reduzieren (evtl. Bodenproben analysieren lassen), die Düngung frühzeitig vor der Ernte beenden und auf ausgewogene Kulturbedingungen achten. Extreme Trockenheit begünstigt zum Beispiel die Anreicherung von Nitrat; hohe Temperaturen und Lichtintensität fördern hingegen den Abbau von Nitrat in der Pflanze.

 

Mineralstoff- und Vitamingehalt

Nach dem derzeitigen Wissensstand hat die Tageszeit keinen Einfluss auf den Mineralstoff- und Vitamingehalt des Gemüses. Der Mineralstoffgehalt bleibt trotz Wasserverlust (durch die Verdunstung) bezogen auf die Trockenmasse über den Tag hin konstant. Gleiches gilt für die Vitamine. Vor allem Vitamin C ist sehr stabil. Diese Stabilität ist noch einmal erhöht bei Früchten mit entsprechend viel Säure. Hinsichtlich der Vitamine und Mineralstoffe ist der richtige Reifezeitpunkt des Gemüses wichtiger als die Tageszeit.

Jörg Planer, Meckenheim |

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