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Tomaten: Erzeugung

Tomaten sind das mit Abstand beliebteste Gemüse der Deutschen und machen rund ein Viertel des gesamten Gemüseverbrauches aus.

Tomatenproduktion im Gewächshaus
Ruud Morijn / Fotolia.com

Rund 25 kg Tomaten verbraucht jeder Deutsche im Schnitt. Etwa ein Drittel entfällt auf frische Tomaten und zwei Drittel auf verarbeitete Produkte wie Tomatenmark und Ketchup.

Im Erwerbsanbau dominieren heute kleinfrüchtige Tomaten, meist Rispentomaten. Grund ist die veränderte Nachfrage: Die Verbraucher kaufen zunehmend kleinere Tomatentypen. So ist der Anteil von Cherry- und Cocktailtomaten in den vergangenen fünf Jahren von 29 % auf 39 % gestiegen. Kleinere Strauchtomaten sind ebenfalls gefragt, ihr Anteil an den kleineren Tomaten beträgt rund 60 %. Strauchtomaten normaler Größe verlieren dagegen an Bedeutung. Noch stärker rückläufig ist der Anteil runder Tomaten, er sank in den letzten fünf Jahren von 19 auf 12 % der Einkaufsmengen.

Viele Rispen reifer Cherrytomaten übereinander und nebeneinander
Kleinfrüchtige Tomaten sind bei Verbrauchern beliebt.

2014 wurden hierzulande insgesamt rund 81.000 t Tomaten produziert – unter begehbaren Schutzabdeckungen, Gewächshäusern und im Freiland. Den Großteil unseres Bedarfs decken Importe aus den EU-Ländern, hauptsächlich Niederlanden, Spanien und Belgien. Von den Drittländern ist Marokko der größte Lieferant. Im Jahr 2015 wurden insgesamt rund 717.300 t Tomaten importiert (Quelle: BLE, Statistisches Bundesamt, BMEL). Einheimische Tomaten sind von Mai bis Oktober erhältlich, Hauptsaison ist von Juni bis August.

Botanik und Züchtung von Tomaten

Tomaten gehören zu den Nachtschattengewächsen. Allen Nachtschattengewächsen gemeinsam ist, dass sie zum Teil giftige Inhaltsstoffe aufweisen. So enthalten unreife, grüne Tomaten, aber auch die Blätter und Stängel der Pflanze, das Alkaloid Solanin. Der Stoff kann Übelkeit und Kopfschmerzen hervorrufen. Mehr dazu in der Rubrik Verbraucherschutz.

Blüten einer Tomatenpflanze
Blüten einer Tomatenpflanze

Tomatenpflanzen wachsen als Stabtomaten hoch oder bleiben als Buschtomaten gedrungen. Alle Sorten sind frostempfindlich und haben auf Stängeln und Blättern Drüsenhaare, die den charakteristischen Geruch verströmen. Tomaten tragen Blüten, die in Trauben am Strauch hängen. Daraus entwickeln sich erst grüne und dann meist rote, gelbe oder orangefarbene Früchte. Es gibt aber auch lilafarben, schwarze und im reifen Zustand grüne Tomaten. Aufgrund ihres Aufbaus gehören die Früchte botanisch zu den Beeren.

Neue Tomatensorten

Auch wenn das Tomatensortiment bereits vielfältig ist, arbeiten Saatgutfirmen immer wieder an verbesserten Sorten. Ziele der Züchtung sind:

  • ein aromatischer Geschmack
  • möglichst gleich große Früchte und gleichzeitige Reife bei Rispentomaten
  • robuste, kräftige Pflanzen
  • Resistenzen beziehungsweise Toleranzen
  • rentable Erträge, frühzeitiger Erntebeginn
  • optimale Eignung für die jeweilige Anbauform
  • lange Haltbarkeit und Festigkeit der Früchte nach der Ernte
  • ansprechende Farbe und Glanz der Früchte

Methoden in der Tomatenzüchtung

Gezüchtet wird durch einfache Auslese, Hybridzüchtung oder Gentechnik. Bei der Auslese oder Selektion werden Pflanzen mit günstigen Eigenschaften miteinander gekreuzt. In der Hybridzüchtung entstehen besonders einheitliche Sorten mit gutem Wachstumspotential. Aufgrund der hohen Leistungsfähigkeit kultiviert man im Erwerbsanbau heute fast ausschließlich Hybridsorten. Ihr großer Nachteil besteht darin, dass sie nicht durch Saatgutgewinnung vermehrt werden können. Das Saatgut muss stets neu beschafft werden.

Gentechnik spielt in der Tomatenzüchtung in der EU keine Rolle. Die sogenannte  Flavr-Savr-Tomate („geschmackskonservierende Tomate“), kam 1994 in den USA auf den Markt und wurde drei Jahre später wieder vom Markt genommen, weil sich keine Käufer fanden. Bei dieser gentechnisch veränderten Tomate wurde das Enzym gehemmt, das für den Abbau der Zellwände bei der Reifung verantwortlich ist. Die Tomate konnte so länger reifen und mehr Aromastoffe bilden.

Erwerbsmäßiger Tomatenanbau

Die Freilandkultur von Tomaten spielt im deutschen Erwerbsgartenbau kaum noch eine Rolle. Die Anbauform benötigt höhere Temperaturen und mehr Sonnenschein als in Deutschland zu erwarten ist. Auch in südlichen Ländern stehen die Pflanzen vielfach unter einem transparenten Regendach, um sie vor der gefürchtete Kraut- und Braunfäule zu schützen. Der geschützte Anbau findet unter Schutzabdeckungen oder Glas statt. Eine ganzjährige Kultur ist in Deutschland nur mit einer Heizung möglich. Tomaten bevorzugen tagsüber Temperaturen von 18-22 °C und nachts 14 °C. Dafür gibt es eine computergesteuerte Klimaregelung, die auch Luftfeuchtigkeit, Wasser- und Düngergaben steuert.

Feuchte Füße und trockene Köpfe

Tomatenproduktion in Steinwolle
Tomatenproduktion im Erwerbsanbau

Im Erwerbsanbau wurzeln Tomatenpflanzen meist in Containern beziehungsweise Säcken, die mit natürlichen oder künstlichen Substraten gefüllt sind. Dabei handelt es sich zu etwa 90 % um Steinwolle, ansonsten kommen Perlit oder Kokosfaser zum Einsatz.

Egal, worin die Pflanzen stehen, wichtig ist für die erfolgreiche Tomatenkultur Folgendes: Der Boden beziehungsweise das Substrat sollte den Pflanzen mechanischen Halt geben, gleichmäßig feucht gehalten werden, gut durchlüftet sein und es sollten stets ausreichend Nährstoffe zur Verfügung stehen. Die Bewässerung erfolgt immer von unten direkt an den Fuß der Pflanze, damit das Laub keinesfalls nass wird. Die Bestäubung erfolgt oft durch Hummelvölker, die in den Gewächshäusern freigelassen werden.

Weitere Informationen zur Erzeugung von Tomaten

Müssen Tomaten gedüngt werden?

Tomaten haben einen hohen Nährstoffbedarf. Stehen die Tomatenpflanzen in gewachsenem Boden, muss der gut mit Humus versorgt sein. Vor der Pflanzung wird mittels einer Bodenprobe das Angebot an Nährstoffen im Boden bestimmt. Daraus ergibt sich die Höhe der Grunddüngung. Im Verlauf der Kultur werden die benötigten Nährstoffe durch gezielte Düngergaben zur Verfügung gestellt. Mangelerscheinungen zeigen sich für verschiedene Nährstoffe spezifisch an den Blättern oder dem Wuchs der Pflanze. In manchen Fällen sind auch die Früchte betroffen. Bei den erdelosen Kulturverfahren werden den Pflanzen die Nährstoffe bei den Bewässerungsgängen im Wasser gelöst mitgegeben. Die jeweiligen Nährstoffmengen stehen in einem komplexen Zusammenhang mit den notwendigen Wassergaben, den Erträgen, dem Wachstumszustand der Pflanze und der Temperatur.

Wie werden Tomaten geerntet?

Tomaten werden maschinell geerntet. Die Erntemaschine rodet die ganze Pflanze mit den daran befindlichen Tomaten und schüttelt die Früchte ab. Grüne Früchte werden anschließend mittels eines elektronischen Farbsortierers ausgelesen und verbleiben auf dem Feld.

Die reifen Tomaten werden auf Transportfahrzeuge verladen und zu den Verarbeitungsbetrieben gefahren. Dort gelangen sie über ein Transportband in die Sortiermaschine. Hier werden die Früchte nach Farbe, Größe und Güte sortiert und anschließend in Normkisten eingewogen.

Grünliche Tomaten, die noch reifen sollen, benötigen eine Temperatur von 18 bis 21 Grad Celsius, bis 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und eine gute Luftzirkulation. Sie werden mit dem Gas Ethylen behandelt, das die Reifung fördert. Reife Tomaten fühlen sich bei einer Lagertemperatur von 12,5 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von etwa 85 Prozent wohl.

Wie schützt man Tomatenpflanzen vor dem Befall mit Schaderregern?

Um hohe und qualitativ hochwertige Erträge zu erzielen, müssen die Tomatenpflanzen gesund und kräftig sein. Dafür kann der Gärtner einiges tun: Im konventionellen Anbau ist der sogenannte "Integrierte Pflanzenschutz" Standard. Es werden so wenige (chemische) Pflanzenschutzmaßnahmen wie möglich und so viele wie nötig ergriffen. In Deutschland stehen allerdings so gut wie keine Pflanzenschutzmittel im Tomatenanbau mehr zur Verfügung. Im ökologischen Anbau wird gänzlich auf chemisch-synthetische Bekämpfungsmaßnahmen verzichtet. Für beide Anbauformen ist die Vorbeugung – zum Beispiel mit Hilfe der Klimaregulierung – von großer Bedeutung. Vorbeugend wirken außerdem eine ausreichend lange Fruchtfolge, resistente bzw. tolerante Sorten, zum Beispiel durch Veredelung, optimale Kulturbedingen und ausreichende Hygiene. Dazu gehört das Entfernen alter Blätter, das Laub trocken halten und kranke Pflanzen aus dem Bestand entfernen. Gegen Schädlinge kommen Nützlinge, also die natürlichen Feinde, zum Einsatz.

Welche Schaderreger und Schädlinge kommen beim Tomatenanbau vor?

Bei den Schaderregern im Tomatenanbau spielen Pilze, Viren und Schädlinge eine Rolle. Bei den Pilzkrankheiten ist die Kraut- und Braunfäule besonders gefürchtet. Sie wird durch den Pilz Phytophthora infestans verursacht. Der Pilz wird meist von Kartoffelfeldern übertragen. Zur Vorbeugung sollten die Pflanzen unbedingt vor Nässe bewahrt, das heißt nur von unten bewässert und mit einem Dach geschützt werden. Inzwischen gibt es einige tolerante Tomatensorten.

Weitere Pilze sind der Grauschimmel (Botrytis cinerea), dem durch Hygiene, gute Klima- und Düngebedingungen sowie eine gute Durchlüftung vorgebeugt werden kann. Auch Echter Mehltau (Oidium lycopersicum) tritt auf. Eine Vorbeugung ist schwierig und bei gewissen Wetterlagen lässt sich ein Befall nicht vermeiden.

Bei den Viruskrankheiten spielen das Tomatenmosaikvirus und das Bronzefleckenvirus die größte Rolle. Viruskrankheiten lassen sich nicht direkt bekämpfen. Die Vermeidung einer Übertragung steht deshalb im Vordergrund. Bei Befall sollten die betroffenen Pflanzen vorsichtig aus dem Bestand entfernt und verbrannt werden.

Zu den Schädlingen, die Tomatenpflanzen befallen, zählt die Gewächshaus-Weiße Fliege (Trialeurodes vaporariorum), eine Mottenschildlaus. Sie hinterlässt klebrige Ausscheidungen auf den Blättern, die einen Pilzbefall fördern. Das schwächt die Pflanze und mindert die Fruchtqualität. Zu Ihrer Bekämpfung haben sich Nützlinge bewährt. Auch Rote Spinne, Minierfliegen und Blattläuse lassen sich gut mit Nützlingen in Schach halten.

Ökologischer Anbau von Tomaten

Ökologischer Anbau von Tomaten im Foliengewächshaus
Öko-Tomaten werden im gewachsenen Boden kultiviert.

Folgende Merkmale zeichnen den ökologischen Tomatenanbau im Gegensatz zum konventionellen Anbau aus:

  • Jungpflanzen nur aus ökologischer Anzucht
  • Schaffung optimaler Kulturbedingungen und robuster Pflanzen zur Vorbeugung
  • weitere Pflanzabstände für bessere Durchlüftung im Bestand
  • Produktion nur im gewachsenen Boden, gute Bodenpflege
  • ausschließlich organische Düngemitteln, dadurch unter anderem Förderung der Bodenbakterien als natürliche Gegenspieler vieler bodenbürtiger Krankheiten
  • weit gestellte Fruchtfolge, Mischpflanzungen
  • Wahl von resistenten beziehungsweise toleranten Sorten, zum Beispiel die Kraut- und Braunfäule toleranten Sorten 'Myrto' und 'Vitella' oder für mittelgroße Früchte 'Douglas' und 'Sparta', beziehungsweise für die Rispenernte 'Providance' und 'Rougella'
  • Verwendung von veredelten Pflanzen, die neben einem stärkeren Wachstum auch Resistenzen gegen Bodenkrankheiten und Nematoden aufweisen
  • Nützlingsförderung und gezielter Nützlingseinsatz
  • Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln (zum Beispiel Gesteinsmehl, Algen)
  • Marktbringung der heimischen Ware erst ab Juni, um keine zusätzliche Heizenergie in die Wärme liebende Kultur zu stecken

Autoren: Sabine Barthelmes, Wesel; Rüdiger Lobitz, aid; Julia Icking, Bonn |

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