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Extreme Adipositas: Ein zunehmendes Problem

Die Zahl der stark Adipösen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. In der Therapie ist neben Know-how im Gewichtsmanagement vor allem eine interdisziplinäre Zusammenarbeit gefragt.

Drei adipöse Frauen von hinten
iStock.com / monkeybusiness

Die Zahl der Adipösen wächst zwar insgesamt in Deutschland in den letzten zehn Jahren weniger stark als in den Jahren zuvor (s. Tabelle unten). Allerdings sind deutlich mehr Menschen schwer adipös. Es gäbe zwar wirksame Therapieansätze, diese Angebote seien für Betroffene allerdings oft mühsam zu finden und die Krankenkassen übernähmen die Kosten nur anteilig. Auf diese Problematik weisen Wissenschaftler im Weißbuch Adipositas hin, das vom IGES Institut herausgegeben wurde – ein unabhängiges, privatwirtschaftliches Forschungs- und Beratungsinstitut für Infrastrukturfragen. Die Experten sehen einen erheblichen Bedarf an effektiven und multidimensionalen Präventions- und Therapiemaßnahmen. Sie fordern flächendeckende, idealerweise einheitliche und leitliniengerechte Therapieangebote, bei denen alle an der Behandlung der Adipositas Beteiligten optimal zusammenarbeiten (Klein et al. 2016).

Zunahme der Häufigkeit von 1999-2013
Adipositas Grad II (BMI 35-39,9)  Adipositas Grad III (BMI ≥ 40)
Männer: 157 % Männer: 144 %
Frauen: 60 % Frauen: 102 %

Gewichtsmanagement mit verschiedenen Disziplinen

Die medizinische Behandlungsleitlinie „Prävention und Therapie der Adipositas“ der Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) sieht als Basistherapie bei Erwachsenen ab einem BMI ≥ 30 oder einem niedrigeren BMI unter Berücksichtigung von Komorbiditäten, Risikofaktoren und Patientenpräferenzen eine multimodale Therapie vor. Sie besteht aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapien und – falls notwendig – eine ergänzende Medikamentengabe zur Unterstützung. Bei extrem Adipösen kommen auch chirurgische Maßnahmen in Betracht, wobei die Indikation zu dem Eingriff interdisziplinär gestellt werden sollte. Eine bariatrische Operation erfordert eine lebenslange Nachsorge, die einer Betreuung durch verschiedene Disziplinen bedarf ebenso wie andere Maßnahmen, um das Gewicht nach einer erfolgreichen Abnahme langfristig zu stabilisieren (DAG 2014).

Vernetzt und kooperativ handeln

Es wird klar, für eine optimale Adipositastherapie ist auch für Ernährungsberater eine Vernetzung und Zusammenarbeit wichtig. Das Gewichtsmanagement kann nur gelingen, wenn Ernährungsberater im engen Austausch mit Akteuren anderer Disziplinen wie Ärzte, Physiotherapeuten und Psychologen stehen und auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Erweist sich die Ernährungstherapie als nicht erfolgversprechend, zum Beispiel bei gravierenden Begleiterkrankungen oder schweren psychosozialen Problemen, können dem Betroffenen möglicherweise Einrichtungen, die qualitätsgesicherte Gewichtsmanagementprogramme anbieten oder ambulante Adipositaszentren, weiterhelfen. Für den Ernährungsberater erfordert die Betreuung adipöser Klienten in jedem Fall neben der fachlichen Kompetenz die Bereitschaft, in einem Team interdisziplinär und vernetzt zu arbeiten. Das gilt letztlich auch für andere Indikationen.

Quellen:
Klein S, Krupka S, Behrendt S, Pulst A, Bleß H-H: Weißbuch Adipositas. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin (2016)
Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prävention und Therapie der Adipositas“. AWMF-Register Nr. 050/001. 2. Version (2014)

 

Dr. Claudia Müller, Bonn |

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