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Fair Trade

Immer mehr Verbraucher greifen zu Lebensmittel aus fairem Handel. Das führt zu mehr Gerechtigkeit, und davon profitieren in erster Linie die Kleinbauern und Plantagenarbeiter.

Fair Trade Lebensmittel auf einem Leinensack
Floydine / Fotolia.com

Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Entwicklungsländern schwanken stark und sind oft so niedrig, dass die Bauern und Arbeiter, die sie herstellen, kein menschenwürdiges Leben führen können. Der Faire Handel – auf englisch „Fair Trade“ – will diese Verhältnisse ändern und damit Armut und Hunger bekämpfen.

Das hat der Faire Handel erreicht

Das Thema Fairer Handel gewinnt bei den Verbrauchern immer mehr an Bedeutung. Der Umsatz mit Produkten, die das Fairtrade-Logo tragen, stieg 2013 um 23 %. Damit hat sich der Umsatz in den letzten zehn Jahren verzehnfacht. 654 Mio. Euro gaben die Deutschen 2013 für Fairtrade-Produkte aus. Weltweit kauften die Verbraucher in dem Jahr für rund 5,5 Mrd. Euro Fairtrade-Produkte.

Verglichen mit den Umsätzen der Lebensmittelindustrie ist das nicht viel. So stammen nur 2,1 % des in Deutschland verkauften Kaffees aus Fairem Handel.

Dennoch profitieren vom Fairen Handel bereits jetzt über eine Million Kleinbauern und Plantagenarbeiter in 70 Entwicklungsländern. Auch wirkt die Idee des Fairen Handels weit in die Lebensmittelwirtschaft und auch in andere Bereiche hinein. Zahlreiche Organisationen klären darüber auf, unter welchen Bedingungen Arbeiter Spielzeug zusammenschrauben oder T-Shirts nähen, die hier billig angeboten werden.

Die Fairtrade-Programme

Fairtrade-Kakaobauer bei der Ernte

Die Fairtrade-Programme gibt es für Kakao, Zucker und Baumwolle. Derzeit werden sie zunächst für Kakao angewandt. Bei den Fairtrade-Programmen genügt es, wenn eine einzelne Zutat, also der Kakao, entsprechend zertifiziert eingekauft wird. Auch wenn es andere Zutaten wie Zucker Fairtrade-zertifiziert gibt, müssen diese nicht zu diesen Bedingungen eingekauft werden. Es wird also eine Zutat zertifiziert und nicht das ganze Produkt. Mit dem Fairtrade-Programm sollen noch mehr Kleinbauern erreicht werden, die bislang noch nicht von Fairtrade profitieren konnten.Die „Faire Woche“

Um den Fairen Handel in Deutschland noch stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, veranstalten die Fairhandels-Organisationen seit 2001 die „Faire Woche“. Jedes Jahr finden im September unter einem anderen Motto über 1.000 Veranstaltung von Weltläden, Aktionsgruppen, Supermärkten, Kantinen und Einzelpersonen statt.

Weitere Informationen zu Fair Trade-Lebensmitteln

Woran erkennt man fair gehandelte Produkte?

Das internationale Fairtrade-Logo ist das wichtigste und bekannteste Zeichen für fair gehandelte Produkte.

Es gibt einige Initiativen und Logos, die eine nachhaltige Erzeugung konventioneller Lebensmitteln versprechen. Sie sind zwar begrüßenswert, aber weit von den Standards entfernt, die das Fairtrade-Logo garantiert. Die wichtigsten dieser Initiativen sind:

  • Rainforest Alliance: Die US-Umweltorganisation schreibt ökologische und soziale Mindeststandards vor, wobei der Schutz des Regenwaldes im Zentrum steht. Sie zertifiziert Kaffee, Kakao und Bananen.
  • 4-C-Kaffee: 4C steht für Common Code for the Coffee Community. Diesen freiwilligen Verhaltenskodex hat die Kaffeewirtschaft als Antwort auf den jahrelangen Kaffeepreisverfall entwickelt. Er soll die sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen und durch gezielte Weiterbildung der Bauern auch die Qualität des Kaffees verbessern.
  • RSPO (Roundtable of Sustainable Palm Oil): Der RSPO hat Kriterien für eine nachhaltige Palmölproduktion erarbeitet und zahlreiche Plantagen zertifiziert. Die meisten Umweltverbände werfen dem RSPO „Greenwashing“ (Grünfärben, Bemühungen von Unternehmen, ihrem klimaschädlichen Geschäft einen grünen Anstrich zu geben) zugunsten der Agrar-Industrie vor. Denn es sind auch Unternehmen Mitglied, die weiterhin Urwälder für Palmöl zerstören.
  • RTRS (Round Table on Responsible Soy): Der Runde Tisch für verantwortlichen Soja-Anbau hat Kriterien erarbeitet, auf deren Grundlage künftig ein nachhaltiger Anbau von Sojabohnen zertifiziert werden soll. Diese erlauben auch den Anbau von gentechnisch veränderten Sojabohnen, weshalb die meisten Umweltverbände die Initiative ablehnen.

Sind Bio-Lebensmittel fair gehandelt?

Der ökologische Landbau und der Faire Handel haben unterschiedliche Ansätze: Bei Fairhandels-Projekten stehen ein gerechter Preis für die Bauern und die Armutsbekämpfung an erster Stelle. Die Art des Anbaus spielte anfangs keine Rolle, zumal viele Bauern traditionell wirtschafteten. Heute stammen gut 70 % der fair gehandelten Lebensmittel aus ökologischem Anbau.  

Für die Bio-Hersteller und Händler sind zwar soziale Gerechtigkeit und Fairer Handel wichtige Elemente – entscheidend aber ist der ökologische Anbau der Produkte. Als die Bio-Branche in den 1980er Jahren nach Produkten aus den Ländern des Südens suchte, gab es die meisten Fairhandels-Lebensmittel noch nicht in Bio-Qualität. Also bauten die Bio-Hersteller selbst Projekte auf, kümmerten sich um Beratung und Zertifizierung ihrer Lieferanten.

Die EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau regeln nur Anbau und Verarbeitung, nicht aber den Umgang mit Handelspartnern.

Anders die Branchen-Verbände: Der weltweite Öko-Dachverband IFOAM zählt Fairness zu den vier Grundprinzipien des Öko-Anbaus. Genauer festgelegt sind die Kriterien in einem Verhaltenskodex für den Bio-Handel.

Die deutschen Bio-Verbände haben das Fairness-Prinzip unterschiedlich detailliert in ihren Richtlinien verankert. So fordert der Branchenverband BNN in seinem Bio-Kodex die Unternehmen auf, „faires partnerschaftliches Handeln über alle Stufen der Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft bis zu den Verbrauchern“ zu stärken.

Wo kann man fair gehandelte Lebensmittel kaufen?

Lebensmittel aus fairem Handel bekommt man in Discountern und Supermärkten. Am größten ist die Auswahl in Weltläden und Bioläden.

Die Supermärkte führen oft ein breites Sortiment eines Fairhandelimporteurs sowie Fairtrade-Produkte einzelner Markenartikler. Bei den Eigenmarken gibt es einzelne fair gehandelte Lebensmittel, vor allem Kaffee. Verschiedene Discounter haben Fairtrade-Artikel im Dauersortiment oder bieten sie gelegentlich in Aktionen an.

Rund 800 Weltläden sowie 6.000 Gruppen, die Produkte bei Aktionen oder an Ständen verkaufen, sind das Rückgrat der Eine-Welt-Bewegung. In ihnen engagieren sich rund 50.000 Ehrenamtliche und verkaufen ausschließlich Produkte aus Fairem Handel. Dazu gehört neben Lebensmitteln auch ein breites Sortiment an Kunsthandwerk und Gebrauchsgegenständen. Organisiert sind viele der Läden im 1975 gegründeten Weltladen-Dachverband. Beliefert werden sie von Fairhandels-Importeuren sowie zahlreiche kleinere Unternehmen. Um sicherzustellen, dass diese sich an die Kriterien des Fairen Handels halten, werden sie vom Dachverband regelmäßig überprüft.

In Naturkostgeschäften und Biomärkten gibt es zahlreiche Lebensmittel mit Fairtrade-Siegel. Fair gehandelte Produkte garantieren auch die Logos des Anbauverbandes Naturland, der internationalen Öko-Zertifizierer IMO und Ecocert sowie eines Naturkostherstellers. Manche Hersteller verwenden kein Logo, auch wenn sie sich an den Fairtrade-Standards orientieren. Weil es auch Unternehmen gibt, die sich weniger stark engagieren, hilft nur nachfrag

Autoren: Leo Frühschütz, Seehause und Dr. Claudia Müller, Bonn |

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