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Ferkel kastrieren ohne Schmerzen

Eine allgemeine oder lokale Schmerzausschaltung (Analgesie) und/oder Betäubung (Anästhesie) erspart Ferkeln Schmerzen und lässt sich gut in das übliche Produktionsverfahren einbinden.  

Ferkel fixiert in einer Isofluran-Betäubungsanlage
LSZ Boxberg

Es gibt verschiedene Methoden, Ferkeln Schmerzen bei der Kastration zu ersparen. Die wichtigsten werden hier im Folgenden vorgestellt:

Örtliche Betäubung: Injektionsmethode

Bei dieser Methode zur Schmerzausschaltung während der Kastration wird ein Lokalanästhetikum (z. B. Lidocain) in die Hoden direkt injiziert. Hiermit wird eine erkennbare Verbesserung des Schmerzgeschehens während der Kastration erreicht. Die Schmerzhaftigkeit bei der Injektion ist als Nachteil zu nennen, weshalb dünne Nadeln verwendet werden müssen. Die Wirkung hält maximal ein bis zwei Stunden an.

Kritik von Seiten des Tierschutzes gibt es aufgrund des gleichen Handling-Stresses sowie wegen des nachoperativen Schmerzes für die Tiere. Deshalb ist auch eine zusätzliche Verabreichung von Schmerzmitteln unabdingbar. Die Kosten für die Verabreichung des Lokalanästhetikums mit anschließender Schmerzbehandlung sind mit ca. 0,42 bis 1,60 Euro je Ferkel relativ gering.

Örtliche Betäubung: Vereisungsmethode

Bei der Vereisungsmethode wird die Hodenhaut mittels Kältespray betäubt, bevor die Hautschnitte durchgeführt werden. Die Samenstränge werden ohne Schmerzausschaltung mit einem Skalpell durchtrennt, anschließend werden diese mit einem weiteren Betäubungsmittel besprüht. Die Vorteile dieser Methode liegen in den relativ geringen Kosten (ca. 0,50 Euro pro Ferkel) und in der einfachen Anwendung durch Landwirte. Die Methode findet derzeit aufgrund geringer Schmerzverhinderung keine breite Anwendung mehr.

Allgemeine Schmerzausschaltung

Eine Schmerzreduktion während und unmittelbar nach der Kastration (ca. 24 Stunden) kann auch durch die einmalige voroperative (15 Minuten vor der Kastration) intramuskuläre Injektion eines Schmerzmittels erreicht werden. Die schmerzreduzierende Wirkung ist jener der örtlichen Betäubung etwa gleichzustellen. Nach allgemeiner Fachmeinung sollte die voroperative Schmerzausschaltung unverzichtbarer Bestandteil jeder chirurgischen Kastration sein. Variable Kosten ca. 0,20 Euro je behandeltem Tier. Dies ist auch die Standardmethode auf den Betrieben in Deutschland für die Zertifizierung im QS-System im Rahmen der freiwilligen Selbstverpflichtung. Aufgrund verschiedener wissenschaftlicher Ausarbeitungen der Ludwig Maximilian Universität München (Prof. Dr. Heinritzi) ist davon auszugehen, dass mit dem Wirkstoff Meloxicam (Metacam 5 mg®) eine deutliche Schmerzreduktion und Entzündungshemmung erreicht werden kann. Die Anwendung des Präparats Metacam 5 mg® ist problemlos, wenn man die Injektion mit einer Dosierspritze (Automatische Selbstfüllerspritze) vornimmt, die geeignet ist, Mengen von 0,05 ml exakt zu dosieren.

Allgemeinanästhesie: Injektionsnarkose

Ferkel erhält mit einer Injektionsspritze ein Narkosemittel verabreicht
Ferkel bekommt mit einer Spritze ein Narkosemittel in den Hals verabreicht.

Durch die Injektion eines Narkosemittels ist das Ferkel bei der Injektionsnarkose gänzlich betäubt. Die Anwendung ist zeit- und kostenintensiv und birgt ein hohes Gesundheitsrisiko für die Ferkel (Narkosezwischenfälle). Problematisch ist auch die lange Nachschlafdauer im Hinblick auf die erhöhte nachoperative Erdrückungsgefahr. Vor diesem Hintergrund bedeutet die Kastration größerer Ferkelgruppen auch eine logistische Herausforderung.

Die Methode ist von einem Tierarzt durchzuführen, da mit Betäubungsmitteln gearbeitet wird. Man rechnet mit einem um ca. 0,5 Minuten erhöhten Arbeitszeitaufwand sowie 1,50 Euro Arzneikosten je Ferkel. Unter diesen Gesichtspunkten ist diese Methode derzeit nicht als praxisreif zu bezeichnen.

Allgemeinanästhesie: Inhalationsnarkose

Inhalationsnarkotika haben im Gegensatz zu Injektionsnarkotika die für die Ferkelkastration zu fordernde ultrakurze Wirksamkeit. Als Narkosegas kommen Isofluran und eine Kombination aus CO2 und O2 in Frage. Verabreicht wird das Gas über einen eigens konstruierten fahrbaren, und im Handel frei erhältlichen Apparat mit Schläuchen und Mundstücken für die Tiere. Die Tiere liegen während des Eingriffs auf dem Apparat in vorgeformten Schalen. Mit Hilfe einer Ampel wird angezeigt ab wann die Tiere behandelt werden können.

Zwei Ferkel fixiert in einer Isofluran-Betäubungsanlage
Zwei Ferkel auf dem Rücken fixiert in einer Isofluran-Betäubungsanlage.

Die Vollnarkose durch Inhalation von Isofluran kann als praxisreif bezeichnet werden. Die Nachteile dieser Methode liegen im Preis (Apparat ca. 10.000 Euro und das Gas, ca. 1,3 bis 5 Euro Vollkosten je Ferkel je nach Auslastung), im apparativen Aufwand und in den hohen medizinisch-hygienischen Anforderungen. An einen überbetrieblichen Einsatz der Apparatur kann gedacht werden, wenn Schläuche und Mundstücke (unmittelbarer Tierkontakt) auf dem jeweiligen Betrieb verbleiben und nur der gekapselte Edelstahlautomat gereinigt und desinfiziert verbracht wird.

Die Inhalationsnarkose mit einem CO2/O2-Gemisch, wie Sie vor allem in den Niederlanden praktiziert wird, steht von Seiten des Tierschutzes in der Kritik, da die Tiere oftmals Erstickungssymptome zeigen.

Autor: Dr. Wilhelm Pflanz, Boxberg |

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Ferkel im Stall
countrypixel / Fotolia.com
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