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Fisch: Fang und Zucht

Fisch und Fischereiprodukte sind beliebt - etwa 19 kg verzehrt jeder Deutsche jährlich. Der Fang stammt in erster Linie aus den Ozeanen und Aquakulturen, kaum aus der Fluss- und Seenfischerei.

Fischkutter an der norwegischen Küste mit Fangnetz
Bruno Barracuda / Fotolia.com

Wie viel Fisch verzehren wir?

Global betrachtet gelangen über 85 % (136 Mio. t) der Fischereiproduktion in die menschliche Ernährung. Das entspricht einem statistischen Konsum von jährlichen rund 19 kg Pro-Kopf der Weltbevölkerung. In Deutschland schwankt der Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch und Fischerzeugnissen in den letzten Jahren um die 15 kg (Basis Fanggewicht). Circa 80 Mio. t werden aus den Ozeanen gefischt und etwa 90 Mio. t stammen aus Aquakulturen - einschließlich 24 Mio. t aquatischer Pflanzen. Von den untersuchten Meeresfischbeständen wurden 2011 gut 70 % innerhalb der biologischen Nachhaltigkeitsgrenzen befischt - etwa 60 % an der Nachhaltigkeitsgrenze, 10 % waren unterfischt. Weniger als 30 % der Fischbestände waren überfischt (FAO, 2014).

Wie wird der Fisch gefangen?

Fischer bei der Abfüllung von Fisch gefangenen Fischen in Behälter

Je nach Fischart und Fangplatz werden unterschiedliche Schiffstypen und Fanggeräte eingesetzt. Am bekanntesten sind Fang- und Fabrikschiffe, die als Vollfroster in der Fernfischerei auf den Ozeanen operieren. Sie produzieren Frostfisch, Fischmehl sowie Fischöl. Sie fischen mit großen Schleppnetzen im freien Wasser oder am Grund (Grundschleppnetze). Für Vollfroster sind beispielsweise Alaska-Seelachs und Seelachs wichtige Fischarten. Motorfischkutter operieren relativ küstennah, zum Beispiel in der Nord- und Ostsee. Neben Schleppnetzen und Ringwaden verwenden sie je nach Fanggebiet und Fangobjekt zusätzlich Stellnetze, Angeln, Baumkurren und Dredgen.

Für Netztypen und Maschenweiten sowie Einsatzgebiete und Einsatzzeiten gibt es eine Vielzahl von Vorschriften, die zum Arten- und Naturschutz beitragen sollen. Ziel ist es, Ökosysteme und Meeresfauna langfristig zu schonen und zu schützen. 

Binnenfischerei und Aquakultur

In Deutschland hat die Fischzucht eine lange Tradition. Heutzutage werden in deutschen Teichwirtschaften überwiegend Regenbogenforellen und Karpfen erzeugt. Die Seen- und Flussfischerei hat bei uns nur eine geringe Bedeutung, wird aber auch noch praktiziert. Die Haltungssysteme in der Teichwirtschaft sind vielfältig und reichen von Natur- und Erdteichen bis hin zu künstlichen Rinnen und Beckenanlagen, in denen die Tiere mit ausreichend Sauerstoff und qualitativ hochwertigem Futter versorgt werden.

Seit einiger Zeit wird das für die Fischzucht genutzte Wasser in sogenannten Kreislaufanlagen aufbereitet und wiederverwendet. Spezielle Filtereinrichtungen reinigen das Wasser und fügen fehlende Stoffe, wie etwa Sauerstoff und Wärme, wieder hinzu. Dadurch ist eine standortunabhängige Erzeugung von Fischen möglich, also ohne an einem Bach oder einer Quelle zu liegen. Diese technisch anspruchsvolle Haltungsform kommt für hochpreisige Warmwasserfische, wie zum Beispiel Aal, Wels, Stör und Steinbutt, infrage. Weitere bedeutende Fische aus der Aquakultur sind Pangasius, Tilapia (Süßwasser), Dorade Royale, Wolfsbarsch und Weißer Heilbutt (Seewasser).

Weitere Informationen zur Fischproduktion

Wie hoch ist die deutsche Eigenproduktion?

Die Eigenproduktion der deutschen See- und Binnenfischerei sowie Aquakulturen deckt lediglich einen Anteil von rund 12 %. Der bedeutendste Fischereizweig ist die küstennahe Kutterfischerei in der Nord- und Ostsee. Sie versorgt uns mit Frischfisch, Garnelen und Muscheln. Importe haben somit die größte Bedeutung für die Versorgung des deutschen Marktes. Seefische dominieren dabei das Sortiment. Alaska-Seelachs, Lachs und Hering sind die bedeutendsten Fischarten, gefolgt von Thunfisch und Pangasius. Die wichtigsten Süßwasserfische sind Forelle, Zander und Karpfen.

Welche Perspektive hat die Aquakultur?

Die Versorgung mit Fisch, Krusten- und Schalentieren befindet sich weltweit im Umbruch. Durch das globale Bevölkerungswachstum wird der Eiweißbedarf weiter steigen. Die Anlandungen von Fisch stagnieren beziehungsweise sind bereits rückläufig. Damit erlangt die Aquakultur eine zunehmende Bedeutung. Sie gilt als Hoffnungsträger bei der künftigen Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln aus dem Meer. In Deutschland gibt es 5.350 Aquakulturbetriebe (Stand 2012), die 19.600 t Fisch und rund 7.000 t Miesmuscheln erzeugen. Hohe Produktionszuwächse in der konventionellen Aquakultur wird es hauptsächlich außerhalb Europas geben. In Europa wird ein Zuwachspotenzial bei Kreislaufanlagen gesehen.

Seit wann gibt es ökologische Aquakultur?

Die ökologische Aquakultur ist seit dem 29. Juni 2009 Bestandteil der EU-Bio-Verordnung. Einige Anbauverbände wie Naturland und Bioland in Deutschland, Ernte in Österreich oder die Soil Association in Großbritannien haben eigene Richtlinien für die Bio-Fischzucht erarbeitet. Auf ihren Produkten finden sich der Name (und das Logo) des jeweiligen Ökoverbandes sowie Angaben zur ökologischen Aufzucht. Naturland - Verband für ökologischen Landbau e. V. zählt zu den Anbauverbänden, die ausführliche Richtlinien zur ökologischen Aquakultur erarbeitet haben. Der Verband entwickelte bereits 1996 in Pionierarbeit Richtlinien für die ökologische Aquakultur und war am Prozess in Brüssel maßgeblich beteiligt.

Was sind die Kriterien für die ökologische Aquakultur?

Kriterien der ökologischen Aquakultur sind z. B. eine natürliche Fortpflanzung beziehungsweise Laichgewinnung, eine geringere Besatzdichte und das Futter muss aus anerkannt ökologischer Erzeugung stammen. In der Öko-Fischhaltung müssen beim Einsatz von Medikamenten die doppelten Wartezeiten eingehalten werden.

Autor: Rüdiger Lobitz, aid |

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