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Fisch: Kennzeichnung

Um eine nachhaltige Fischerei zu unterstützen, können sich Verbraucher anhand einiger Qualitäts-Siegel beim Einkauf orientieren - sowohl bei Frischfisch als auch bei Tiefkühlprodukten.

Fischtheke mit Schildern zur Kennzeichnung der Fische
Joshhh / Fotolia.com

Das gehört aufs Etikett

Es müssen folgende Angaben gemacht werden:

  • Handelsbezeichnung: der Fisch-, Krebs- oder Weichtierart (zum Beispiel "Scholle")
  • Produktionsmethode: Meeres-, Binnenfischerei oder Aquakultur. Bei Seefisch ist diese Angabe entbehrlich, wenn sich aus der Handelsbezeichnung und der Angabe des Fanggebiets eindeutig ergibt, dass es sich um eine im Meer gefangene Fischart handelt oder als weitere Produktionsmethoden kann beispielsweise "Lachs aus Aquakultur" oder "Forelle gezüchtet in Deutschland" angegeben werden)
  • Fanggebiet: zum Beispiel für Scholle wäre dies das Fanggebiet 27 Nordostatlantik; insgesamt liegt zur Zeit eine Einteilung der befischten Weltmeere in zwölf Fanggebiete vor; bei Erzeugnissen der Aquakultur muss das Land angegeben werden, indem das Produkt die finale Entwicklungsphase durchlaufen hat
  • Wissenschaftliche Namen: um beim Beispiel Scholle zu bleiben, wäre hier der wissenschaftliche Name "Pleuronectes platessa" zu deklarieren
  • Auftauhinweis: Tiefkühlprodukte, die vor dem Verkauf aufgetaut und somit als frisches Produkt in der Bedientheke offeriert werden, müssen mit dem Hinweis "aufgetaut" versehen werden

Kann man beim Einkauf zum Schutz der Meere beitragen?

Frau schaut verpackten Fisch im Supermarkt an

Durch bewusste Kaufentscheidungen können Verbraucher den nachhaltigen Fischfang unterstützen. Unter einer nachhaltigen Fischerei versteht man, dass nicht mehr Fische gefangen werden, als natürlich nachwachsen können. Da der Nachwuchs bei den kommerziellen Fischarten in erster Linie von den Umweltbedingungen abhängt, ist es wichtig, die jährlichen stark schwankenden Nachwuchsjahrgänge abzuschätzen. Dies geschieht durch Forschungsfänge der Fischereiforschungsinstitute. Die Informationen werden länderübergreifend zusammengetragen und im Rahmen der internationalen, gemeinsamen Fischereipolitik ausgewertet. Darauf basieren die jährlichen Fangquoten, die den einzelnen Flotten und Schiffen zugebilligt werden.

Was Überfischung bedeutet

Werden die Fangquoten aus politischen Gründen zu hoch bemessen, halten sich Fischer nicht an ihre Quoten oder fällt der Nachwuchs infolge natürlicher Einflüsse geringer aus als erwartet, kommt es zur Überfischung. Im Extremfall führt das dazu, dass eine ganze Fischerei zusammenbricht. Das bedeutet nicht, dass der Fisch ausgestorben ist oder die Fischart nicht mehr existiert, sondern, dass es sich aus ökonomischer Sicht nicht mehr lohnt, diese Fischart zu befischen. Die Welternährungsorganisation (FAO) berichtet in ihrem jüngsten Statusbericht, dass weltweit etwas weniger als 30 Prozent der Bestände überfischt sind und über 70 Prozent der Bestände nachhaltig bewirtschaftet werden. Darunter sind Fischarten, die bis an die Grenze der maximalen Ausbeutung befischt werden und andere, die aufgrund mangelnder Nachfrage wenig befischt und demzufolge reichlich vorhanden sind. Eine den natürlichen Gegebenheiten entsprechenden Quotenpolitik, eine verantwortungsvolle Fischerei und ein angepasstes Verbraucherverhalten durch Konsum auch anderer, häufig vorkommender Fischarten führt letztlich zum Erhalt der Ressource Fisch.

Bei Fütterung und Haltung nach ökologischen Gesichtspunkten sind die Vorschriften der EU-Bio-Verordnung zur ökologischen Aquakultur zu berücksichtigen. Dazu gehören neben der Einhaltung von maximalen Besatzdichten (Anzahl von Fischen je Volumen) unter anderem das Verbot synthetischer Hormone und Medikamente sowie der Einsatz von Bio-Fischfutter, ergänzt durch Fischfutter aus nachhaltig bewirtschafteten Fischereien.

Firmeneigene Bio-Standards und auch Vorgaben von ökologischen Anbauverbänden wie Naturland haben häufig einen nochmals strengeren Kriterienkatalog, bestehend unter anderem aus niedrigeren Besatzdichten, dem Verbot von jeglichem Chemieeinsatz, zertifiziertem Öko-Futter und diversen Sozialrichtlinien oder auch der Maßgabe, dass Bio-Fisch und -Meeresfrüchte nicht per Luftfracht transportiert werden dürfen.

Kennzeichnung von Bio-Fisch

Bio-Siegel

Das deutsche Bio-Siegel
Das deutsche Bio-Siegel

Seit 2009 gelten auch für Bio-Fisch und Bio-Meeresfrüchte aus der Aquakultur die EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Seitdem können Fische und Fischprodukte, die die EU-Vorgaben erfüllen, mit dem Bio-Siegel gekennzeichnet werden. Dazu müssen mindestens 95 Prozent ihrer Zutaten aus ökologischem Landbau stammen - bei verarbeiteten Fischprodukten also beispielsweise auch Öl, Panade oder Tomatensoße.

EU-Bio-Siegel

Das EU-Bio-Logo
Das EU-Bio-Logo

Seit 1. Juli 2010 müssen die Hersteller verpackter Bio-Lebensmittel das neue EU-Bio-Logo verwenden. Daneben darf auch das deutsche Bio-Siegel weiterhin genutzt werden, muss aber nicht. Wer das EU-Bio-Logo verwendet, muss auch den Erzeugungsort der landwirtschaftlichen Zutaten angeben.

Fisch und Meeresfrüchte aus Wildfang dürfen nicht als "Bio-" verkauft werden. Wer hierbei Wert auf ökologische Verträglichkeit Wert legt, kann zum Beispiel auf Produkte mit dem MSC-Siegel für nachhaltigen Fischfang zurückgreifen.

Siegel als Einkaufshilfe für den Fisch-Einkauf

Marine Stewardship Council (MSC)

MSC-Siegel für zertifizierte nachhaltige Fischerei
Das MSC-Siegel

Orientierungshilfen für den Einkauf geben verschiedene Label. Das bekannteste dürfte das MSC-Siegel sein: Der Marine Stewardship Council (MSC) ist eine unabhängige und gemeinnützige Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine Lösung für das globale Problem der Überfischung zu finden. Zu diesem Zweck hat der MSC gemeinsam mit Wissenschaftlern, Fischereiexperten und Umweltschutzorganisationen einen Umweltstandard für die Beurteilung und Auszeichnung vorbildlich geführter Fischereien entwickelt. Jede Fischerei kann sich freiwillig nach diesem Standard bewerten lassen. Wird sie dem Umweltstandard gerecht, darf sie ihren Fang mit dem MSC-Siegel kennzeichnen. Das blaue Siegel des MSC steht für den Einsatz umweltverträglicher Fangmethoden und für eine verantwortungsvolle Nutzung der Fischbestände, sodass diese und andere Fischarten, Meeressäuger und Wasservögel geschützt werden und die Vielfalt der Ozeane erhalten bleibt.

Friend of the Sea (FOS)

Logo von "Friend of the sea"
Logo "Friend of the Sea"

Friend of the Sea (FOS) ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation, deren Mission der Beitrag zu gesunden Weltmeeren ist. Die Organisation erhebt den Anspruch, ein führendes Zertifizierungs- und Kennzeichnungssystem für Fisch und Meeresfrüchte aus verantwortungsvoller Zucht zu sein. Zertifizierte Produkte aus allen Kontinenten decken eine große Artenvielfalt von Fisch, Fischmehl, Fischfutter und Omega-3-Fischöl ab. FOS basiert auf der unabhängigen Zertifizierung durch Dritte. Die Zertifikate werden von Audit-Unternehmen ausgestellt, den sogenannten Zertifizierungsstellen, die für das Kontrollieren vor Ort und entsprechende Bewertungen zuständig sind. FOS ist auch für handwerkliche Fischereien und Kleinproduzenten erschwinglich, die über 50 Prozent der Zertifizierungen darstellen.

SAFE

SAFE-Logo
SAFE-Logo

Seit Anfang der 90er-Jahre setzt die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V. das internationale Kontrollprogramm für delfinsicheren Thunfisch (SAFE) des amerikanischen Earth Island Institute in Deutschland um. Die angeschlossenen deutschen Importeure und Händler verpflichten sich, nur Thunfisch anzubieten, der nicht mit Treibnetzen oder durch das Setzen von Netzen um Delfinschulen gefangen wurde. SAFE kontrolliert heute etwa 90 Prozent des weltweiten Handels, in Europa, Kanada, Australien und in den USA, wo weltweit der meiste Dosenthunfisch verbraucht wird. Das SAFE-Logo trifft keine Aussage über die Nachhaltigkeit oder Selektivität der eingesetzten Fangmethode. Fischlabel, die alle Aspekte des Thunfischfangs berücksichtigen, haben erst in jüngster Zeit begonnen, auch Thunfisch zu zertifizieren. Dazu zählt zum Beispiel Friend of the Sea.

Aquaculture Stewardship Council (ASC)

ASC-Logo für verantwortungsvolle Fischzucht
Das ACS-Logo

Ein noch recht junges Siegel ist der Aquaculture Stewardship Council (ASC). Im Jahr 2010 von WWF (World Wide Fund For Nature) und IDH (Sustainable Trade Initiative aus den Niederlanden) nach dem Vorbild von MSC ebenfalls als eine unabhängige, gemeinnützige Organisation gegründet. Der ASC erhebt für sich den Anspruch, das weltweit führende Zertifizierungs- und Kennzeichnungssystem für Fisch und Meeresfrüchte aus verantwortungsvoller Zucht (Aquakultur) zu sein.

Autoren: Rüdiger Lobitz, aid; Ruth Rösch, Düsseldorf; Dr. Claudia Müller, Bonn |

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