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Flüchtlingen Perspektiven geben

Männer beim Rasen auslegen
highwaystarz / Fotolia.com

Können Geflüchtete die Bewerberlücken bei Gartenbaubetrieben schließen? Der Zentralverband Gartenbau macht sich für ihre Integration stark.

Generell ist die Einstiegszahl in der dualen Berufsausbildung kontinuierlich zurückgegangen und liegt laut aktuellem Bildungsbericht bei unter einer halben Million (480.674). Die Anzahl der Studienanfängerinnen und -anfänger übersteigt auch 2014 die der Neuzugänge im dualen System. Zeitgleich ist von den 2015 zugewanderten Schutz- und Asylsuchenden mehr als die Hälfte unter 25 Jahre alt und damit in einem ausbildungsfähigen Alter.

Kann diese Gruppe also die fehlenden Bewerber um Ausbildungsplätze ersetzen? Es gibt Gartenbaubetriebe, die Nachwuchskräfte suchen und Geflüchtete, die sich integrieren möchten. So ergeben sich Chancen, aber auch Herausforderungen auf beiden Seiten.

Information und Kommunikation

Was macht der Zentralverband Gartenbau? – Den Mitgliedsbetrieben erstmal einen Einblick geben in die rechtliche Situation, aber auch Aufklärung betreiben: Welche Status gibt es? Wer kann, wie lange in Deutschland bleiben? Und wie sieht es mit Ausbildung und Arbeit aus? In den vergangenen beiden Jahren wurden von der Bundesregierung die Asylgesetze stetig geändert und bis hin zum im August in Kraft getretenen Integrationsgesetz angepasst. Stellvertretend für den Berufsstand hat sich der Zentralverband Gartenbau e.V. an der politischen Diskussion mit Stellungnahmen eingebracht, so auch in Gesprächen mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Im Rahmen der Podiumsdiskussionsreihe „Dialog im BMEL“ im April dieses Jahres fand ein Austausch mit dem Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt und dem Chef des Bundeskanzleramtes und Flüchtlingskoordinator Peter Altmaier sowie einem Vertreter des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes zum Thema Chancen und Herausforderungen von Migration im ländlichen Raum statt. Nicht nur in diesem Gespräch, sondern auch in der weiteren Kommunikation mit Politikverantwortlichen machte der ZVG seine Position deutlich: Eine erfolgreiche Ausbildung ist der wichtigste Baustein für eine gelungene Integration in den Arbeitsmarkt. Die Gartenbaubranche benötigt kaum zusätzliche Saisonarbeitskräfte, sondern in der Regel fachlich ausgebildete Arbeitskräfte. Wenn von gelungener Arbeitsmarktintegration die Rede ist, dann sind damit nicht kurzfristige Arbeitseinsätze gemeint, sondern langfristige Perspektiven.

Starthilfen

Im Gartenbau sind bereits viele Betriebe aktiv geworden und bieten jungen Geflüchteten Praktika und Schnuppertage. In einigen Bundesländern haben die Landesverbände sowie Betriebe Berufsorientierungstage für Geflüchtete organisiert, um ihnen den Beruf des Gärtners näherzubringen. Dass mit dem neuen Integrationsgesetz eine Bleibegarantie während einer dreijährigen Ausbildung und zwei weiteren Jahren bei einer Beschäftigung nach dem Berufsabschluss gegeben ist, sorgt für Rechtssicherheit bei den Gartenbaubetrieben und motiviert für weitere Bereitschaft, junge Geflüchtete auszubilden.

Wenn es um die Aufnahme der Ausbildung geht, berichten viele Betriebe von Startschwierigkeiten. Am häufigsten werden sprachliche Barrieren genannt, aber auch kulturelle Unterschiede. Zwar bieten die Agenturen für Arbeit gegenwärtig Instrumente der Ausbildungsförderung an, wie die assistierte Ausbildung und ausbildungsbegleitende Hilfen. Diese greifen allerdings nur punktuell und nicht ganzheitlich. Wichtig wäre es aus Sicht des ZVG, zielgerichtet auf die Ausbildung vorzubereiten und die verschiedenen Förderungsinstrumente so abzustimmen, dass sie zielgruppenorientiert aufeinander aufbauen – und zwar bundesweit über die einzelnen regionalen Projekte hinaus. Deshalb wurde im ZVG-Ausschuss Bildungspolitik und Berufsbildung das Konzept „Gärtner 1+3“ entwickelt.

Konzept „Gärtner 1+3“

Teilnehmer sitzen an Tischen
Reger Austausch über die Integration von Flüchtlingen in den gartenbaulichen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

Gerade Jugendliche mit Startschwierigkeiten benötigen eine zielgruppenorientierte Ausbildungsvorbereitung, die ihnen den Einstieg in das Berufsleben erleichtert und die Ausbildungsbetriebe entlastet. Zu diesen zählen Jugendliche mit Förderbedarf und auch mit (Flucht-)Migrationshintergrund. Im dem Förderkonzept steht „1“ für ein Jahr Ausbildungsvorbereitung, welche der regulären betrieblichen Ausbildung von drei Jahren vorangestellt ist. In diesem vierjährigen Rahmen sollen Jugendliche durch die Zusammenarbeit von Betrieb, Berufsschule und sozialpädagogischer Betreuung praxisorientiert (zum Beispiel durch die DEULA) und ganzheitlich ausgebildet werden. Wichtig dabei ist, dass die Zusammenarbeit über das erste Jahr beruflicher Vorbereitung hinausgeht und bis zum Ende der regulären Ausbildung fortbesteht. Das Konzept ist auf alle dualen Ausbildungsberufe übertragbar. Politikverantwortliche, das zeigen die Gespräche, begrüßen das Konzept als richtigen Weg, um junge Menschen in die Ausbildung zu integrieren. Eine Umsetzung auf Bundesebene scheint jedoch noch nicht in Sicht zu sein.

Ausbilder als Multiplikatoren

Umso wichtiger ist es, die Konzeptinhalte in die Länder zu tragen. Eine Möglichkeit dazu bot die ZVG-Bundesfortbildungstagung Ende Oktober. Rund 50 Berufsschullehrer, Ausbilder und Ausbildungsberater der zuständigen Stellen kamen in der Bildungsstätte Gartenbau in Grünberg zusammen. Eines der Ziele der jährlichen Tagung ist es, den Dialog zwischen den Ausbildungsverantwortlichen rund um das Thema Ausbildung im Gartenbau anzuregen und zu stärken. Sie spielen im Integrationsprozess eine zentrale Rolle, wie auch die Diskussion zum diesjährigen Schwerpunktthema „Integration von Flüchtlingen in die gärtnerische Ausbildung“ zeigte. Informationen zur rechtlichen Situation und zu Beschäftigungsformen von Geflüchteten, über aktuelle Erfolge und Hindernisse bei der betrieblichen Integration stießen bei den Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmern auf reges Interesse. Insbesondere die Praxiserfahrungen, von denen der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen e. V. aus betrieblicher Sicht und die Berliner Peter-Lenné-Schule/OSZ Agrar und Umwelt aus berufsschulischer Sicht berichteten, lieferten konkrete Anregungen für die Arbeit in den Bundesländern oder in den Regionen.

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Larisa Chvartsman
privat

Die Autorin

Larisa Chvartsman

Referentin Bildung und Forschung Zentralverband Gartenbau

Berlin