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Frühstücken in der Schule?

Ob gemeinsam in der Klasse oder im Schülercafé - das Frühstück in der Schule hat viele Qualitäten. Es gibt den Kindern die nötige Energie zum Lernen und ist eine wertvolle gemeinsame Zeit.

Schlagworte: Pause, Schule, Ruhe, Zeugnis, Lernstoff
Fotolia.com / Barbara-Maria Damrau

„Bei uns frühstücken alle Kinder in der Schule“, solch einen Satz hört man kaum aus Schulen. Eher vom Gegenteil ist die Rede: „Nur die Hälfte aller Kinder hat überhaupt ein Frühstück dabei.“ „Oft bekommen die Kinder einfach nur Geld mit.“ Oder: „Was die Eltern den Kindern mitgeben, lässt oft zu wünschen übrig. Häufig sind es Fertigprodukte, die sich nicht für ein leistungsförderndes Frühstück eignen.“

Auch das Frühstück zu Hause vor der Schule ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Schüler frühstücken nicht regelmäßig, bevor er sich auf den Schulweg macht. Dabei kann man annehmen, dass ein Frühstück nach dem „Fasten“ in der Nacht den Blutzuckerspiegel anhebt und die Leistungsfähigkeit steigert. Studien legen nahe, dass bestimmte geistige Aufgaben von Kindern besser bewältigt werden, wenn sie gefrühstückt haben.

Das Frühstück, ob zu Hause oder in der Schule, hat aber noch weitere Qualitäten. Der Lehrer/die Lehrerin bekommt einen Einblick in das Ernährungsverhalten der Kinder und ihrer Familien. Regelmäßig bietet sich ein Anlass für ein Gespräch über das Thema „Gesunde Ernährung“. Ein gemeinsames Schulfrühstück ist eine in der Klassengemeinschaft eingenommene Mahlzeit, ein soziales Ereignis und die Gelegenheit, soziale Fähigkeiten zu erwerben und auszubauen.

Modell I: Das gemeinsame Klassenfrühstück

Zumindest in Klasse 1 bis 3 kann täglich im Klassenverband gefrühstückt werden. Haben die Kinder Blockunterricht, bieten sich hierfür die letzten 10 Minuten des ersten Blocks an. Sonst sind die letzten 10 Minuten vor der ersten großen Pause ideal. Die Kinder packen aus, was sie von zu Hause mitgebracht haben. Über begleitende Unterrichtsprojekte kann thematisiert werden: Was braucht ihr, um fit zu sein? Was gehört in die Frühstücksbox? Die Kinder schreiben eine Wunsch- und Einkaufsliste für ihre Eltern. Die Kinder bereiten ein Beispiel-Frühstück im Unterricht zu.

„Ist dieses Frühstück in Klasse 1 bis 3 gut etabliert worden, setzen die Kinder diese Gewohnheiten auch in den darüber liegenden Klassen fort“, beobachtet Michael Jäger von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin. Frühstücken, ob im Klassenverband oder mit Freunden in der großen Pause, ist zur Selbstverständlichkeit geworden.

Was aber tun, wenn ein beträchtlicher Teil der Kinder kein Schulfrühstück mitbekommt, auch nach intensiver Elterninformation nicht?

Modell II: Das Schülercafé in den großen Pausen

Kinder, die kein Frühstück mit in die Schule bringen, haben häufig zumindest etwas Geld dabei. Sie können sich in der Pause in einem z. B. von Lehrer/innen und Schülern der höheren Klassen betriebenen Schülercafé mit kleinen Snacks eindecken: Das sind ein Vollkornbrot oder -toast mit Kräuterquark, Käse oder fettarmer Wurst, Mineralwasser, Tee und Apfelsaftschorle, Joghurt, Gemüserohkost und Obst im Ganzen oder in Stücken vorbereitet, ein kleiner Riegel Joghurtschokolade. Der Vorteil des Schülercafés: Hinter dem Verkauf stecken keinerlei kommerzielle Interessen, sondern das Angebot kann sich ausschließlich an ernährungsphysiologischen Kriterien und geschmacklichen Wünschen der Schüler orientieren. Ernährungsphysiologische Ziele und Speisenvorlieben der Schüler können dabei zunächst durchaus im Widerspruch zueinander stehen. Im Laufe der Zeit kristallisiert sich ein Angebot heraus, dass beide Aspekte unter einen Hut bringt. Helfen Schüler bei der Zubereitung und beim Verkauf mit, wird das Angebot von den anderen Schülern von vornherein besser angenommen“, weiß der Schul-Experte Jäger.

Modell III: Die Schule bietet 1. und 2. Frühstück für Schüler an

In einigen Schulen beobachten Lehrer/innen und Erzieher/innen, dass die Kinder hungrig aus dem Haus gehen und es mangels Versorgung durch die Eltern den ganzen Vormittag über bleiben. Diese Schulen machen gute Erfahrungen mit dem zusätzlichen Angebot eines ersten Frühstücks um 7.30 Uhr. Die Schule und das Schülercafé sind also spätestens von 7.30 Uhr an geöffnet. Von 7.30 bis 8.30 Uhr ist „Ankommenszeit“ für die Schüler. Dann erst beginnt der reguläre Unterricht. Vorher kann etwas aus dem Café getrunken oder gegessen und gespielt werden.

Im Rahmen der gebundenen Ganztagsschule bietet sich die Möglichkeit, den Betrieb und die Zubereitung des Speisenangebots im Schülercafé im Freizeitbereich zu erlernen. Die Schüler der Klassen 3 oder 4 oder, sofern vorhanden, 5 und 6, erwerben so Fertigkeiten für die Nahrungszubereitung, die zum einen ihren Mitschülern zugute kommen, zum anderen aber auch für sie zu Hause nützlich sind. Sie lernen wirklich für das Leben „draußen“. Außerdem werde ihnen auf diese Weise vermittelt, dass das im Unterricht über Ernährung gelernte nicht nur „graue Theorie“ sei und im Gegensatz zum tatsächlichen Speisenangebot überall stehe, sondern von der Schule auch ganz praktisch vertreten werde, hebt Jäger hervor. Das reale Angebot eines ernährungsphysiologisch hochwertigen Frühstücks in der Schule wird selbstverständlicher Bestandteil des Bildungs- und Betreuungsauftrags, den die Schule wahrnimmt.

 

Stephanie Wetzel, Berlin |

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