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Gärtnern trotz Pollenallergie

Gartenbegeisterte Allergiker können ihr grünes Reich aktiv so gestalten, dass die Beeinträchtigung durch umherfliegende Pollen etwas gedämpft wird. Wir geben Tipps.

Frau mit Taschentuch
iStock.com / razyph

Endlich ist Frühling und, ach wie schön, da sind ja schon die ersten Haselkätzchen. Niedlich, ja. Weich und zart und anschmiegsam, wie es Kätzchen so an sich haben. Aber ist schon mal jemandem aufgefallen, dass Kätzchen auch Krallen besitzen?! Pollenallergiker haben zum Frühling meist eine zwiespältige Einstellung. Zum einen freuen sie sich wie alle anderen über die wiedererwachende Natur, zum anderen denken sie unweigerlich an die Folgen für das körperliche Wohlbefinden: Bis zu sechs Millionen Pollenkörner kann ein einziges Birkenkätzchen freisetzen, ein größerer Haselstrauch lässt Milliarden davon durch die Lüfte schwirren. Und die wirken auf das Immunsystem von Heuschnupfengeplagten eher wie die Klauen und Zähne wilder Raubkatzen – von wegen Kätzchen.

Falscher Alarm mit Folgen

Juckende und tränende Augen und schnupfenähnliche Symptome, die durch eine Überreaktion der Körperabwehr hervorgerufen werden, können im Extremfall so schlimm werden, dass sich die Betroffenen über Wochen hinweg zuhause verbarrikadieren, während draußen das herrlichste Frühlingswetter lockt. Und oft geht es im Sommer weiter, denn die meisten Allergiker reagieren auf mehrere Pflanzen und haben beispielsweise auch mit Gräserpollen zu kämpfen. All das kann zu einer echten Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. Zum Glück kann man dem zumindest teilweise gegensteuern. Da gibt es zum einen natürlich medizinische Maßnahmen, etwa Medikamente, die die Symptome dämpfen, oder auch eine Hyposensibilisierungstherapie, bei der das Immunsystem einer Art Abhärtungskur unterzogen wird.

Polleninvasion vorbeugen

Gartenbegeisterte Allergiker können ihr grünes Reich aber auch aktiv so gestalten, dass die Beeinträchtigung durch umherfliegende Pollen zumindest im nahen Umkreis etwas gedämpft wird. Den pollenfreien Garten wird dadurch zwar niemand erreichen, das ist vollkommen klar. Aber schon eine hohe Eibenhecke kann helfen, aus der Nachbarschaft einschwebenden Pollen an der Gartengrenze abzufangen. Eibe deshalb, weil dieses Nadelgehölz zu den sogenannten zweihäusigen Pflanzen zählt – also um eine Art, von der es weibliche und männliche Exemplare gibt. Umgibt man sich mit der weiblichen Variante, hat man von dieser Seite schon mal keine Pollen zu befürchten. Aus Allergikersicht noch praktischer ist ein Sichtschutz aus Holzelementen, von denen sich absetzender Pollen flugs abgespült ist – vom Regen oder bei hoher Belastung mit dem Gartenschlauch. Eine gelegentliche Dusche befreit auch Gartenmöbel sowie Sonnenschirm oder Markise von ihrer Pollenfracht. Wie Wasser überhaupt als effektiver Luftfilter wirkt, weshalb ein Gartenteich mit Wasserspiel in Sitzplatznähe ein ebenso sinnvolles wie attraktives Gestaltungselement ist. Und wer weiß, dass im Nachbargarten ein Haselstrauch steht, sollte den eigenen Sitzplatz logischerweise möglichst weit davon entfernt anlegen und am besten in einer windstillen Ecke.

Verbündete suchen

Auch auf farbenfrohe Blüten im eigenen Garten muss niemand verzichten. Eine von vielen empfehlenswerten Maßnahmen lautet: Pflanzen Sie Arten, die ihren Pollen vor dem Wind verstecken oder sehr schwere Pollenkörner produzieren. Während beispielsweise Astern und andere Korbblütler ihre Staubgefäße dem Wind wie auf dem Präsentierteller darbieten, verbergen ihn Löwenmäulchen (Antirrhinum), Bartfaden (Penstemon) und Flammenblume (Phlox) in ihren Kelchen und lassen ihn von ausgewähltem Insektenbesuch von Blüte zu Blüte transportieren. Rosen- oder Mohnpollen wiederum müsste man schon aktiv schnupfen, wollte man seine Wirkung erproben, denn um größere Entfernungen per Luftpost zurückzulegen, braucht es hier schon stürmische Bedingungen.

Der Widerspenstigen Zähmung

Die Auswahl an allergikerfreundlichen Pflanzenarten ist groß. Wer dennoch nicht auf Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) oder andere Korbblütler verzichten möchte, kann zu gefüllten Sorten greifen: Bei ihnen haben sich die Staubblätter zu zusätzlichen Blütenblättern umgebildet. Pollen? Fehlanzeige. Allerdings sollten Sie solche Schönheiten nicht selbst vermehren und Verblühtes noch vor der Samenentwicklung abschneiden. Da es sich häufig um Hybridsorten handelt, würden die Nachfolger nämlich wieder in ungefüllt blühende Sorten aufspalten. Rechtzeitig schneiden heißt es auch beim Rasen. Wer regelmäßig mäht, hindert die Gräser am Blühen – und behält die attraktiven Raubkatzen somit erfolgreich unter Kontrolle.

Mascha Schacht, Frankfurt |

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Allerlei Tricks helfen dabei, das Allergiepotenzial eines Gartens zu reduzieren und eine Reihe simpler Verhaltenstipps ermöglicht Pollenallergikern einen deutlich entspannteren Aufenthalt in der Natur. mehr...

Heuschnupfen macht Betroffenen den Aufenthalt im eigenen Garten regelrecht zur Hölle. Wer trotz Pollenallergie Freude am Gärtnern haben möchte, kann seinen Garten Allergiker freundlich gestalten. Hören Sie im aid-Hörfunkbeitrag, wie das geht.

Trotz Pollenallergie: Freude am Gärtnern!

Aktueller Hörfunkbeitrag
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