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Brotgetreide selber anbauen und aufbereiten

Kaum jemand kauft sich heute noch sein Getreide beim Bauern und mahlt und backt es aufwändig selbst – vom Anbau des Getreides einmal ganz abgesehen. Aber ausprobieren kann man es ja mal.

Weizenähre
hanseat / Fotolia.com

Der lange Weg vom Korn bis zum Brot ist den meisten nur noch aus der Theorie bekannt. Sein eigenes Brot "wachsen sehen", das Getreide säen, pflegen und ernten, dreschen, reinigen und vermahlen − das ist ein spannendes Projekt, mit dem Sie garantiert auch Ihre Kinder begeistern können.

Welches Getreide eignet sich?

Wer im Lexikon unter "Getreide" nachschlägt, wird sich wundern, wie viele Getreidearten es gibt. Doch nicht jede Getreideart eignet sich gleichermaßen gut für die Brotherstellung. Um ein "richtiges" Brot backen zu können, ist ein gewisser Glutengehalt im Mehl unerlässlich, denn dieses Klebereiweiß sorgt dafür, dass aus dem Teig auch ein echter Brotlaib wird und nicht nur ein Fladen.

Pseudogetreide wie Amaranth oder Buchweizen scheiden daher schon mal aus, denn diese enthalten kein Gluten. Aus dem gleichen Grund ungeeignet zum Brot backen sind auch Reis, Mais und Hirse. Das Mehl dieser Getreidearten lässt sich jedoch verwenden, um leckere Fladen zu backen, zum Beispiel Maistortillas.

Leider müssen Sie für Ihre heimische Brotherstellung auch auf die Verwendung von sogenannten Spelzgetreiden verzichten. Die Körner dieser Getreide sind sehr fest mit den Spelzen (den Hüllen) verbunden und müssen vor dem Vermahlen erst einmal in einer speziellen Mühle entspelzt werden. Dieser Vorgang wird in der Fachsprache "Schälen" genannt und erfolgt in Schälmühlen. Zu den Spelzgetreiden zählen Hafer, Gerste, Reis, Buchweizen, Hirse (Rispen- und Kolbenhirse), Emmer, Dinkel und Einkorn. Heute gibt es jedoch "nackte" Züchtungsformen von Hafer und Gerste.

Für Ihr Getreideexperiment im Garten eignen sich am besten so genannte Nacktgetreide, zu denen Weizen und Roggen gehören. Diese Getreidearten besitzen sehr harte Hüllspelzen, die sich günstigerweise bereits beim Dreschen vom Korn lösen.

Wie viel Fläche ist nötig für ein Weizenbrot?

Um es beim ersten Mal so unkompliziert wie möglich zu gestalten, beschränken Sie sich am besten auf eine Getreideart. Dafür bietet sich vor allem der Weizen an. Der Getreidemehlanteil eines 1000 Gramm-Weizenbrotes beträgt etwa 500-600 g. Um diese Menge Mehl auf Ihrem Getreideacker zu erwirtschaften, benötigen Sie eine Fläche von etwa 1,5 m2. Wollen Sie mehr als ein Brot, müssen Sie die Fläche entsprechend vergrößern. Winterweizen bringt wegen der längeren Vegetationszeit in der Regel mehr Ertrag als Sommerweizen.

Säen und Ernten

Getreide-Saatgut gibt es meist leider nur in sehr großen Gebinden. Häufig kann man sich bei Raiffeisenmärkten oder auf dem Bauernhof zwei bis drei Handvoll Weizensaatgut abtüten lassen. Weizenkörner aus dem Naturkostladen können Sie natürlich auch als Saatgut verwenden. Die Keimrate ist dabei aber geringer als bei Saatweizen. Für Ihr kleines Getreide-Projekt ist das aber eher zweitrangig. Am einfachsten ist es, wenn Sie die Körner – wie in alten Zeiten – mit der Hand breitwürfig über das Beet verteilen. Durch leichtes Anwalzen oder Andrücken mit den Füßen erhalten die Körner besseren Bodenkontakt und keimen besser. Sie können die Saat aber auch – wie beim Gemüse üblich – in Saatrillen in den Boden bringen.

Kulturtipps für Weizen
Saatzeit:  

Winterweizen: Oktober bis Ende November
Sommerweizen: Januar (sobald es der Boden zulässt) bis März

Saatdichte: etwa 25 g/m2 breitwürfig mit der Hand übers Beet verteilen, Saat leicht anwalzen oder mit den Füßen andrücken
Düngung: vor der Saat reichlich Kompost 
Pflege:  Unkraut beseitigen  
Ernte:  Juli/August, Ähre krümmt sich nach unten, Korn ist mit dem Fingernagel nicht einzudrücken

 

Geerntet wird der Weizen, wenn die Ähren beginnen, sich nach unten zu krümmen. Das Korn darf sich dann nicht mehr mit dem Fingernagel eindrücken lassen. Schneiden Sie die Ähren samt Stängel eine Handbreit über dem Boden ab.

Dreschen und Reinigen für den Hausgebrauch

Zum Dreschen empfiehlt es sich, die kompletten Getreidehalme kopfüber, das heißt mit den Ähren zuerst, in einen Stoffbeutel zu stecken. Schlagen Sie diesen Beutel dann so lange vor eine harte Kante – zum Beispiel eine Stuhllehne –, bis sich das Korn komplett aus den Ähren gelöst hat. Um den Weizen von der Spreu zu trennen, hat sich ein Fön bewährt: Die leichtere Spreu lässt sich mit dem Fönwind leicht von den Körnern trennen.

Das Mahlen

Jetzt ist Ihr Brot fast soweit. Nun müssen Sie die Körner nur noch mahlen. Für diesen Vorgang benötigen Sie eine Getreidemühle. Sollten Sie selbst keine besitzen, fragen Sie doch mal bei Freunden oder bei Ihren Nachbarn nach. Oft kann man sich eine Getreidemühle ausleihen. Sollten Sie Gefallen an der Brotherstellung gefunden haben, lohnt sich auch der Erwerb einer solchen Mühle.

Jörg Planer, Meckenheim |

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