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Grundkennzeichnung

Für Lebensmittel, ob verpackt, vorverpackt oder unverpackt, gelten bestimmte Pflichtangaben. Diese müssen für den Verbraucher gut lesbar und verständlich sein.

Produktkennzeichung mit dem folgenden Text "Flakes aus Weizen und Reis"
Dr. Christina Rempe, Berlin

Lebensmittel müssen bestimmte Pflichtangaben tragen. Je nachdem, ob sie vorverpackt oder unverpackt angeboten werden, gelten unterschiedliche Anforderungen. Lebensmittel, die vorverpackt, das heißt in Fertigpackungen angeboten werden, müssen in der Regel die folgenden Pflichtangaben tragen:

  • Zutatenverzeichnis: Die Zutaten eines Lebensmittels müssen in absteigender Reihenfolge  nach ihrem Gewichtsanteil aufgeführt werden. Seit Dezember 2014 müssen die allergenen Zutaten in der Zutatenliste auch optisch hervorgehoben werden, zum Beispiel durch Fettdruck oder Unterstreichung. Auch Zusatzstoffe zählen zu den Zutaten. Sie werden mit ihrem Verwendungszweck und ihrem Namen oder ihrer E-Nummer angegeben.
  • Mindesthaltbarkeitsdatum oder Verbrauchsdatum
  • Füllmenge
  • Name oder Firma und Anschrift des Herstellers, Verpackers oder Importeurs
  • Los-/Chargen-Nummer, es sei denn es befindet sich ein ausführliches Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Verpackung, mit Angabe des Monats und des Tags.
  • Ab Dezember 2016 müssen außerdem alle Lebensmittel eine Nährwertkennzeichnung tragen. Sie besteht aus einer Tabelle mit sieben Angaben, darunter der Energiegehalt sowie der Zucker-, Salz- und Fettgehalt, bezogen auf 100 Gramm beziehungsweise Milliliter des verzehrsfertigen Lebensmittels.

Auch für bestimmte Herstellungsverfahren gibt es umfangreiche Kennzeichnungsvorschriften, zum Beispiel für Biolebensmittel, die Verwendung von oder oder auch den Verzicht auf gentechnisch veränderte Organismen, die Anwendung der Lebensmittelbestrahlung oder den Einsatz von technischen Nanopartikeln. Zusätzlich gibt es für bestimmte Produktgruppen wie Fruchtsäfte, Konfitüren oder Käse produktspezifische Vorschriften. So ist bei manchen Lebensmitteln genau definiert, wie die Bezeichnung des Lebensmittels lauten muss, zum Beispiel bei Konfitüren, Schokoladen, bestimmten Käsesorten oder Eis.

Bei unverpackten Lebensmitteln, wie den meisten Obst- und Gemüsearten, müssen unter das Herkunftsland und teilweise auch Sorte/Handelstyp, Klasse und Größensortierung angegeben werden. Der Einsatz von Behandlungsmitteln oder Zusatzstoffen ist ebenfalls kenntlich zu machen. Seit Dezember 2014 müssen bei loser Ware auch Informationen über Allergene gegeben werden.

Für alle Lebensmittel, gleich ob verpackt oder unverpackt, muss der Endpreis sowie der Grundpreis je Mengeneinheit in Kilogramm oder Liter an der Produktverpackung oder in der Nähe der Ware angegeben werden.

 

Weitere Informationen zur Lebensmittelkennzeichnung

Welche Informationen über die Herkunft bietet das Etikett?

Angaben über die Herkunft von Lebensmitteln dürfen generell gemacht werden, sofern sie nicht irreführend für den Verbraucher sind. Gesetzlich verbindlich geregelt sind solche Informationen bislang nur für folgende Lebensmittelgruppen: bestimmte Obst- und Gemüsesorten, Eier, Fisch, Rindfleisch, natives Olivenöl, Honig sowie Bio-Lebensmittel. Dabei unterscheidet sich die Art und Weise der jeweiligen Kennzeichnungspflicht erheblich. Während etwa bei den Monoprodukten Obst beziehungsweise Gemüse generell das Ursprungsland angegeben werden muss, kommt es bei Honig und nativem Olivenöl darauf an, ob es sich um Mischungen handelt oder nicht. Wurde  Honig verschiedener Ursprungsländer gemischt, so reicht die Angabe „aus EU-Ländern“, „aus Nicht-EU-Ländern“ beziehungsweise „aus EU- und Nicht-EU-Ländern“. Entsprechendes gilt auch für Bio-Lebensmittel, sofern es sich dabei nicht um Produkte handelt, für die spezifischere Regeln gelten, wie etwa für Rindfleisch oder Eier. Bei Rindfleisch muss generell der Ort der Geburt, der Mast, der Schlachtung und der Zerlegung angegeben werden – und zwar bei verpackter wie auch bei loser Ware. Bei Eiern lässt sich das Herkunftsland über den Eiercode ablesen. Ab April 2015 wird außerdem eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für vorverpacktes, frisches Fleisch der Tierarten Schwein, Geflügel, Schaf und Ziege gelten. Angegeben werden muss bei diesen Tierarten dann der Ort der Aufzucht und der Schlachtung.

Wie müssen unverpackte Lebensmittel gekennzeichnet werden?

Auch bei unverpackten Produkte, wie Wurst und Käse von der Bedienungstheke oder Brot vom Bäcker, sind bestimmte Angaben verpflichtend vorgeschrieben, allerdings deutlich weniger als für vorverpackte Ware. Der Grund: Das Verkaufspersonal kann den Kunden im Verkaufsgespräch über die Lebensmittel informieren.

Pflichtangaben von loser Ware
  • Nie fehlen darf die Preis-/Grundpreisangabe pro Maßeinheit (z. B. je Kilogramm, je Liter). Der Preis muss auf einem Schild an oder neben der Ware gut lesbar sein. In einigen Fällen kann auf die Grundpreisangabe verzichtet werden, zum Beispiel bei ab-Hof Verkauf oder Einzelhandelsgeschäften, bei denen der Verkauf überwiegend durch eine Bedienung erfolgt.
  • Enthält das Lebensmittel Zusatzstoffe bestimmter Klassen, etwa Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder Süßstoffe, muss der Verkäufer auch darauf hinweisen: Entweder auf einem Schild direkt neben der Ware oder auf einem Aushang. Im ersten Fall genügen Hinweise wie „mit Konservierungsstoffen“ bei Feinkostsalaten oder „mit Farbstoff“ bei Zuckerwaren oder „gewachst“ bei Zitrusfrüchten. Stehen die Zusatzstoffe jedoch auf einem Aushang, müssen hier alle Zutaten aufgelistet sein.

Set 13. Dezember 2014 gilt die Allergenkennzeichnung auch für lose Ware. Das heißt auch beim Bäcker, Metzger und im Restaurant muss auf allergene Zutaten in Lebensmitteln (u.a. glutenhaltiges Getreide, Milch, Erdnüsse, Soja, Ei, Fisch) hingewiesen werden. Die Information muss in der Regel schriftlich erfolgen. Eine mündliche Information gilt nur als zulässig, wenn deutlich sichtbar darauf hingewiesen wird, dass eine mündliche Information auf Nachfrage erfolgt und auf Verlangen die schriftlichen Dokumentationen einsehbar sind.

Weitere Pflichtangaben variieren je nach Lebensmittelgruppe

Für bestimmte Lebensmittelgruppen gibt es zusätzliche Pflichtangaben, beispielsweise für Obst und Gemüse, Eier, Fisch oder Rindfleisch. So müssen für alle Obst- und Gemüsearten, für die Vermarktungsnormen gelten, das Ursprungsland und ggfs. die Sorte/der Handelstyp, die Klasse („Extra, „I“ oder „II“) und eine Größe angegeben werden. Eier müssen mit dem Erzeugercode gestempelt sein, zusätzlich müssen auf einem Schild oder einem Begleitzettel weitere Pflichtangaben stehen.

Tipp: Nutzen Sie den direkten Kontakt zum Verkaufspersonal. Fragen Sie nach, wenn Sie weitere Informationen über das Lebensmittel wissen möchten.

Welche rechtlichen Grundlagen gelten für die Lebensmittelkennzeichnung?

Die zentrale Norm über lebensmittelbezogene Verbraucherinformationen ist die europäische Lebensmittelinformationsverordnung Nr. 1169/2011 – kurz LMIV. Sie gilt seit Dezember 2014 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die LMIV schreibt vor, was auf dem Etikett vorverpackter Ware stehen muss. Die Vorschrift verbietet außerdem die Werbung mit irreführenden und krankheitsbezogenen Angaben auf Lebensmitteln. Auch für den Verkauf loser Ware sowie den online-Verkauf von Lebensmitteln schreibt sie bestimmte Pflichtangaben vor.

Diese EU-Verordnung wird derzeit mit der Lebensmittelinformations-Durchführungsverordnung (LMIDV) in deutsches Recht eingearbeitet. Im März 2016 wurde ein Entwurf der LMIDV veröffentlicht. Sobald die endgültige Fassung der LMIDV in Kraft tritt, werden drei bisher gültige deutsche Verordnungen außer Kraft gesetzt: die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung, die Nährwertkennzeichnungsverordnung und die Vorläufige Lebensmittel-Ergänzungs-Verordnung.

Neben der LMIV gibt es zahlreiche weitere Vorschriften zur Kennzeichnung, etwa in der Zusatzstoffzulassungsverordnung und in Produktverordnungen wie in der Konfitüren-Verordnung oder der Milcherzeugnis-Verordnung. Außerdem verbietet das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) die Werbung  mit irreführenden und krankheitsbezogenen Angaben auf Lebensmitteln. Verbindliche Vorgaben zur Verwendung nährwert- und gesundheitsbezogener Angaben enthält die europäische Health Claims-Verordnung.

Welche Bedeutung haben die Leitsätze für die Lebensmittelkennzeichnung?

Die Bezeichnung eines Lebensmittels ist eine wichtige Information für den Verbraucher. Deshalb ist ihre Angabe auch für alle vorverpackten Lebensmittel verpflichtend. Existiert keine rechtlich verbindliche Bezeichnung für ein Produkt, dann können häufig die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuches herangezogen werden, um die so genannte Verkehrsauffassung zu ermitteln. Die Leitsätze enthalten Beschreibungen zahlreicher Lebensmittel, beispielsweise von Erfrischungsgetränken, Tee oder Fleischwaren. Sie sind jedoch rechtlich nicht verbindlich, sondern haben den Charakter eines Sachverständigengutachtens.  Die Leitsätze werden von der Lebensmittelbuch-Kommission - bestehend aus Vertretern der Wissenschaft, Überwachung, Verbraucher und Wirtschaft - verabschiedet.

Weicht die Zusammensetzung eines Lebensmittels von der Verkehrsauffassung ab, die in den Leitsätzen beschrieben ist, dann muss dies kenntlich gemacht werden, beispielsweise im Zutatenverzeichnis. Ergänzend schreibt die Lebensmittelinformationsverordnung vor, dass diese Abweichung von der Verkehrsauffassung durch einen extra Hinweis auf dem Etikett deutlich gemacht wird.

Wann muss eine Zutat im Zutatenverzeichnis mengenmäßig gekennzeichnet werden?

Ist eine Zutat auf dem Etikett in besonderer Weise - durch Worte, Bilder oder Grafiken – hervorgehoben, müssen Hersteller die Menge dieser Zutat im Zutatenverzeichnis angeben. Diese Mengenangabe ist zum Beispiel nötig, wenn die Zutat Teil der Bezeichnung des Lebensmittels ist, wie beim "Erdbeerjoghurt" oder der "Hühnersuppe". Die Mengenkennzeichnung ist auch verpflichtend, wenn eine bestimmte Zutat üblicherweise mit einem Produkt in Verbindung gebracht wird: So lässt die Bezeichnung "Marmorkuchen" erwarten, dass Kakao in dem Kuchen enthalten ist. Der Kakaotanteil muss also in Prozent aufgeführt werden.

Autorin: Dr. Christina Rempe, Berlin; Überarbeitung: Hedda Thielking, Bergheim

Gesa Maschkowski, aid; Überarbeitung: Dr. Christina Rempe, Berlin |

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