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Güllevergärung in kleinen Hofbiogasanlagen

Kleine Biogasanlagen mit einer elektrischen Leistung von 75 kW sind die einzigen Anlagentypen, die auch im derzeit geltenden EEG 2014 von einer höheren Vergütung profitieren.

Biogasfermenter neben Stall und Blockheizkraftwerk
Thomas Gaul

Die Voraussetzung ist, dass sie überwiegend Gülle vergären. Damit soll das bislang kaum genutzte Reststoffpotenzial in der Landwirtschaft gehoben und zugleich die Methanemissionen aus der Güllelagerung vermindert werden. Durch den Wegfall der einsatzstoffbedingten Vergütung erschien der Fördersatz von anfänglich 23,53 ct/kWhel durchaus attraktiv. Allerdings wurden in Deutschland im Jahr 2015 insgesamt nur rund 200 Biogasanlagen gebaut, eben jene Gülle-Kleinanlagen oder solche zur Vergärung kommunaler Abfälle.

Technische Anforderungen müssen erfüllt sein

Dadurch, dass im EEG 2014 nicht mehr zwischen Gülle und Festmist unterschieden wird, gelten nun weitgehend einheitliche Regelungen. Anlagen in der Praxis, die neben der vorgeschriebenen Mindestmenge von 80 Prozent Gülle auch andere Substrate wie Energiepflanzen einsetzen, müssen über ein gasdichtes Gärrestlager verfügen und eine Verweilzeit im System von mindestens 150 Tagen gewährleisten. Im Zusammenhang mit dem Genehmigungsrecht müssen darüber hinaus weitere Anforderungen und Auflagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen wie Jauche, Gülle und Silagesickersaft erfüllt werden. In diesem Bereich sind für die nächste Zeit weitere gesetzliche Verschärfungen zu erwarten. Auf der anderen Seite sorgen die Novellierung der Düngeverordnung und die schärferen Auflagen zur Lagerung von Wirtschaftsdünger dafür, dass ohnehin Lagerraum für die Dauer von neun Monaten vorhanden sein muss. Der dafür notwendige Behälterbau lässt sich auch zum Einstieg in die Biogasproduktion nutzen. 

Anlage bindet Arbeitszeit und Arbeitskraft

Wegen ihres hohen Wassergehaltes sind Wirtschaftsdünger, vor allem Gülle, wegen ihrer geringen Energiedichte wenig transportwürdig. Abhängig von Haltung und Leistung der Tiere, entsprechen 100 Großvieheinheiten (GV) etwa 15 kW elektrischer Biogasleistung. In den letzten Jahren haben wachsende Milchviehbetriebe ihre Bestände auf 150 bis 300 GV erhöht. Die anfallende Güllemenge samt Futterresten ließe sich mit einer Biogasanlage erschließen. Allerdings bindet die Anlage auch Arbeitszeit und Arbeitskraft, und die ist in wachsenden Milchviehbetrieben ohnehin knapp. Und die Biogasanlage verlangt wie die Milchkühe volle Aufmerksamkeit: „24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche“. Die Wirtschaftlichkeit einer 75 kW-Biogasanlage hängt sehr von den Ausgangsbedingungen des landwirtschaftlichen Betriebes ab.

Unterschiede bei den technischen Konzepten

Bei den Gülle-Kleinanlagen gibt es unterschiedliche technische Lösungen. So gibt es Konzepte, die am Standort vorhandene Einrichtungen aus der Tierhaltung wie Güllelager und Silagemieten mit nutzen. Andere Konzepte sehen vor, im Werk vorgefertigte Komponenten in Containern schlüsselfertig auf dem Hof aufzustellen. Nachwievor sind es die hohen Baukosten, die sich als größtes Hemmnis für kleine Biogasanlagen erweisen. Das Investitionsvolumen für eine 75 kW-Anlage beträgt 550 000 bis 850 000 Euro. Dabei sind Kosten für Nebenanlagen wie Siloplatte und Vorgrube noch nicht einmal enthalten. Hierfür sind weitere 50 000 bis 200 000 Euro zu veranschlagen. Wirtschaftlich bewegen sich die landwirtschaftlichen Biogasproduzenten auf dünnem Eis. Doch immerhin steht die betriebseigene Gülle als kostenloses Substrat zur Verfügung. Gerade Tierhalter haben deshalb großes Interesse an kleineren Anlagen.

Wirtschaftliche Vorteile für den gesamten Betrieb

Für einen wirtschaftlichen Betrieb der kleinen Gülleanlagen ist es wichtig, Kosten und Erlöse zu optimieren. Während anderen Biogasanlagen das Instrument der Wärmenutzung zur Verfügung steht, ist das Potenzial bei den Kleinanlagen begrenzt. Denn durch die Gülle mit ihrem hohen Wasseranteil haben sie einen vergleichsweise hohen Eigenenergiebedarf. Die Wertschöpfung lässt sich erhöhen, wenn die Anlage besonders gut wärmeisoliert ist und ein Wärmetauscher zwischen Gärrest und Frischgülle zwischengeschaltet wird. Auch eine 75 kW-Anlage lässt sich wärmegeführt betreiben. Die zulässigen 20 Prozent Energiepflanzen werden dann vorrangig im Winter eingesetzt, wenn die Wärme vermarktet werden kann. Im Sommer läuft die Anlage dann beispielsweise mit einer Leistung von 50 kW. Das ist auch eine Möglichkeit, wenn Flächen für den Energiepflanzenanbau knapp sind.

Mit einer kleinen Gülle-Biogasanlage ergeben sich für den landwirtschaftlichen Betrieb weitere Vorteile, die monetär nur schwer zu beziffern sind. So wird durch die Vergärung der organische Stickstoff besser für die Pflanzen verfügbar. Auch von einem besseren Stallklima im Vergleich zur Güllelagerung unter dem Stall wird aus der Praxis berichtet. Doch im Vorfeld einer Investitionsentscheidung von erheblichem Ausmaß sollte stets eine neutrale Beratung, beispielsweise durch die Landwirtschaftskammer stehen. Angebote sind kritisch zu prüfen. Die Anlagen müssen robust sein und mit wenig Aufwand betrieben werden können. Der Einstieg in die Energieproduktion kann gerade für viehhaltende Betriebe zu einem zweiten Standbein werden. Die Biogasanlage kann mit ihren berechenbaren Erlösen dazu beitragen, Einbußen in anderen landwirtschaftlichen Produktionszweigen auszugleichen.

Thomas Gaul, Gehrden |

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