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Halal-Kennzeichung

Wer nicht komplett auf Selbstversorgung oder das muslimische Spezialgeschäft seines Vertrauens setzen will, dem helfen halal-zertifizierte Produkte. Sie werden durch Labels gekennzeichnet.

Halal-Schilder
brad pict - fotolia com

Jeder, der schon einmal versucht hat, bestimmte Lebensmittel oder Zutaten zu meiden, dürfte ein Gefühl dafür haben, wie aufwändig bis nahezu unmöglich der Einkauf in klassischen Supermärkten dadurch wird. Das Lebensmittelrecht enthält zwar eine Vielzahl von Informationspflichten – insbesondere über das Etikett bei vorverpackter Ware, aber auch beim Verkauf loser Ware. Trotzdem bleiben viele individuelle Fragen zur Produktqualität unbeantwortet. Die Berücksichtigung komplexer Speisevorschriften, wie der Koran sie beinhaltet, ist angesichts der allgemeinen Produktkennzeichnung unmöglich. Schließlich sind unzählige der geforderten Parameter objektiv gar nicht erfassbar, etwa ob die strikte Trennung von halal- und haram-Ware bei der Lagerung eingehalten wurde oder ob eine Schlachtung tatsächlich im Namen Allahs erfolgte.

Halal-Zertifizierungen und ihre Grenzen

Wer nicht komplett auf Selbstversorgung oder das muslimische Spezialgeschäft seines Vertrauens setzen will, dem helfen halal-zertifizierte Produkte. Weltweit sind über 90 halal-Standards, -Labels und -Zertifikate auf dem Markt vertreten. Da die Speiseanforderungen des Korans jedoch je nach Glaubensrichtung – etwa ob sunnitisch oder schiitisch – und Rechtsschule unterschiedlich ausgelegt werden, können sich auch diese Standards zum Teil erheblich voneinander unterscheiden. Seit Jahren kursiert auch die Idee, einen weltweit anerkannten allgemein gültigen halal-Standard zu etablieren. Der Erfolg eines solches Vorhabens ist jedoch zweifelhaft.

Pflichtkennzeichnung? Ja, aber...

Zusatzstoffe, Aromen und Enzyme ermöglichen ein breites Angebot haltbarer Convenience-Produkte. Mangelnde Informationen zum Einsatz der kleinen Helfer zählen jedoch zu den großen Ärgernissen der Verbraucher: Stammt ein Zusatzstoff aus tierischen Rohstoffen? Welchen Ursprungs ist der Trägerstoff des Aromas? Und wie wurde das in der Käseherstellung verwendete Labenzym gewonnen? Das sind einige der Fragen, die viele Verbraucher umtreiben. Für Menschen, die sich halal-konform ernähren möchten sind sie noch wichtiger. Sie erhalten aufgrund mangelnder Informationspflichten der Hersteller hierzu kaum Auskunft.

Die Bezeichnung und das Zutatenverzeichnis: Ein Wegweiser mit Tücken

Ob Fruchtsaft, Geflügelwiener oder Fleischsalat – die Bezeichnung eines Lebensmittels informiert über die Art des Erzeugnisses, zumindest als grobe Orientierungshilfe. Denn manchmal verrät sie nur die halbe Wahrheit. So kann eine „Geflügelwiener“ beispielsweise durchaus auch Schweinefleisch enthalten. Verboten ist das nicht. Wer sich genauer über die Zusammensetzung des Produktes informieren möchte oder muss, schaut ins Zutatenverzeichnis. Dort steht im Grunde alles, was zur Herstellung des Lebensmittels verwendet wurde – allerdings mit Ausnahmen.

Die Bezeichnung zählt zu den Pflichtangaben auf dem Etikett vorverpackter Lebensmittel. Es gibt es gesetzlich vorgeschriebene Bezeichnungen, die verwendet werden müssen, wenn die Zusammensetzung des Produktes einer gesetzlichen Vorgabe genau entspricht. Andernfalls muss eine verkehrsübliche oder beschreibende Bezeichnung gewählt werden. In beiden Fällen gilt: Die Bezeichnung allein kann lediglich als Wegweiser dienen. Und bei einigen Produkten gibt es Überraschungen, die selbst der Blick ins Zutatenverzeichnis nicht aufdeckt.
Mehr dazu finden Sie in unseren Fragen und Antworten:

Weitere Informationen zu Halal

Muss drin sein was drauf steht?

Es gibt Fälle scheinbar eindeutiger Bezeichnungen, bei denen der Blick ins Zutatenverzeichnis überraschendes hervorbringt: „Putenwurst“ und „Geflügelwiener“ beispielsweise müssen mitnichten allein aus Geflügelfleisch bestehen. Mitunter finden sich in entsprechenden Produkten auch Fleischbestandteile anderer Tierarten, insbesondere vom Schwein.
Ist allerdings die Bezeichnung durch das Attribut „rein“ ergänzt, kann davon ausgegangen werden, dass allein Fleisch der genannten Tierart enthalten ist.

Ein ganz spezielles Beispiel einer rechtlich zulässigen und gleichwohl irritierenden Bezeichnung ist der Begriff „Pflanzenmargarine“. Nach europäischem Recht darf ein entsprechend benanntes Produkt bis zu zwei Prozent Fett tierischen Ursprungs enthalten, ohne dass dies in irgendeiner Form auf dem Etikett ersichtlich sein müsste. Nicht einmal die Zutatenliste hilft hier weiter. Nur die Bezeichnung „Reine Pflanzenmargarine“ garantiert, dass tatsächlich keine tierischen Fette im Produkt enthalten sind.

Was ist mit Verarbeitungshilfsstoffen?

„Apfel-Kirsch-Saft“ beispielsweise ist eine Mischung aus dem Saft von Äpfeln und Kirsch, wobei der Anteil an Apfelsaft überwiegt. Dem Produkt werden weder Aromen, Zusatzstoffe noch Zucker zugesetzt, denn das ist gesetzlich verboten. Entsprechend kurz und übersichtlich ist das Zutatenverzeichnis. Und alles erscheint „sauber“ in Hinblick auf die muslimischen Speiseregeln. Das kann, muss aber nicht sein, denn Fruchtsäfte dürfen mit Gelatine geklärt werden, damit sie über die Dauer ihrer Mindesthaltbarkeit glanzfein, das heißt frei von Trübstoffen bleiben. Im Zutatenverzeichnis angegeben werden muss die Gelatine nicht. Denn sie wird dem Saft als Verarbeitungshilfsstoff zugesetzt und anschließend wieder praktisch vollständig entfernt.

Kann man erkennen wie die Gelatine gewonnen wurde?

Die innerhalb Europas verwendete Gelatine stammt zu 80 Prozent aus dem Rohstoff Schweineschwarte. Obwohl diese im Zuge der Herstellung hydrolytisch aufgespalten, das heißt stark verändert wird, bleibt das Verzehrsverbot nach dem Koran bestehen. Streng gläubige Muslime können daher etwa bei klarem Fruchtsaft ihrer Sache nie ganz sicher sein. Und selbst wenn Gelatine als kennzeichnungspflichtige Zutat zum Einsatz kommt, etwa in Gummibärchen, Tortenguss, Milchprodukten und Dessertspeisen oder in Fisch- und Wurstwaren, bleibt die Unsicherheit. Denn die Tierart, aus der der Stoff gewonnen wurde, geben die wenigsten Hersteller an. Und selbst wenn: Auch Rindergelatine, die von nicht geschächteten Tieren stammt, ist aus muslimischer Sicht grundsätzlich tabu. Was bleibt wäre Gelatine aus Fischhaut sowie pflanzliche Alternativen wie Agar-Agar, Carrageen oder Gummi arabicum.

Sind Enzyme immer frei von tierischen Bestandteilen?

Enzyme sind allgegenwärtig. Sie kommen in jedem Lebewesen, in jeder Pflanze und somit auch in jedem Lebensmittel natürlicherweise vor und können eine Vielzahl chemischer Reaktionen steuern: Amylasen etwa zerteilen Stärke in ihre Glukosebausteine, Pektinasen bauen Trübstoffe in Fruchtsäften ab, Labenzym bewirkt das Dicklegen der Milch in der Käseherstellung. Da die Wirkintensität natürlicherweise vorkommender Enzyme sehr unterschiedlich ist, werden Enzyme heute gezielt herstellt. Auch Enzympräparate, also Mischungen verschiedener Komponenten, sind gängige Zusätze in der Lebensmittelproduktion. Dabei kommen Ausgangsstoffe unterschiedlichster Art zum Einsatz: Schalen und Kerne von Früchten, Getreide, Kälbermagen oder die Bauchspeicheldrüse des Schweins. Der weit überwiegende Teil heute im Lebensmittelbereich genutzter Enzyme wird biotechnologisch mit Hilfe von Bakterien, Hefen oder Pilzen hergestellt. Frei von tierischen Bestandteilen müssen die auf diese Weise gewonnenen Produkte dennoch nicht zwingend sein. Denn auch die verwendeten Nährmedien können Stoffe tierischen Ursprungs enthalten.

Emulgatoren: tierisch oder pflanzlich?

Vor allem bei den Emulgatoren ist im Hinblick auf eine halal-konforme Ernährungsweise Aufmerksamkeit geboten. Weil sie Fett- und Wasserhaltiges, beispielsweise Öl und Essig, zu einer homogenen und stabilen Masse – einer Emulsion – verbinden können, finden sie breiten Einsatz in der Lebensmittelherstellung. Wurst, Backwaren oder Schokolade sind ohne Emulgatoren, oder entsprechend wirksame Zutaten wie Eigelb, kaum in gewohnten Qualitäten herstellbar. Der Emulgator Lecithin (E 322) etwa, wird überwiegend aus pflanzlichen Ölen gewonnen, kann aber auch aus Eigelb stammen. Auch Schweineschmalz, Rindertalg oder Milchfett sind Rohstoffe, die bei der Herstellung verschiedener Zusatzstoffe Einsatz finden können, wenn auch nicht müssen. In der Regel gibt es pflanzliche Alternativen, etwa Raps-, Mais- oder Sojaöl. Woraus und wie ein Zusatzstoff hergestellt wurde, darüber kann allein der Hersteller Auskunft geben – auf persönliche Anfrage. Zwar kursieren im Internet zahlreiche Listen von Zusatzstoffen, die potenziell tierischen Ursprungs sein können. Diese können einen Denkanstoß geben, wo tierische Bestandteile versteckt sein können – mehr aber auch nicht.

Kann man erkennen ob Aromen bei der Herstellung Alkohol zugesetzt wurde?

Aromen, die Lebensmitteln als Zutat zugesetzt werden, müssen nach europäischem Kennzeichnungsrecht immer im Zutatenverzeichnis vorverpackter Ware stehen. Allerdings: Woraus sie herstellt werden, dürfen die Hersteller für sich behalten. Für Konsumenten, die sich halal-konform ernähren möchten, kann das problematisch sein. Denn Lebensmittel, bei deren Herstellung bewusst Alkohol zugesetzt wird, sind für sie tabu. Das gilt nach überwiegender muslimischer Lehrmeinung auch für Aromen, die Alkohol als Lösungsmittel bzw. Trägerstoff enthalten. Und Trägerstoffe sind in der Regel nicht kennzeichnungspflichtig.

Müssen immer alle Zusatzstoffe aufgeführt werden?

Zusatzstoffe müssen zwar grundsätzlich im Zutatenverzeichnis angegeben werden. Jedoch nur, wenn sie in dem betreffenden Produkt noch eine technologische Funktion haben, also beispielsweise konservierend auf das Gesamtprodukt wirken. Besteht diese Wirkung im Endprodukt nicht mehr, darf auch die Kennzeichnung des Stoffes entfallen. Das kann der Fall sein, wenn eine zusammengesetzte Zutat für die Produktion eines Lebensmittels verwendet wird, etwa eine konservierte Fruchtzubereitung im Joghurt, deren Konservierungsstoff im Gesamtprodukt unwirksam ist. Noch komplizierter ist es bei Enzymen, die Lebensmitteln als Zutat zugesetzt werden. Lange Zeit waren Enzymzusätze grundsätzlich nicht kennzeichnungspflichtig. Das hat sich mittlerweile geändert, zur Pflicht wird die Nennung im Zutatenverzeichnis allerdings frühestens Ende 2015. Wie bei den Zusatzstoffen gilt die Kennzeichnungspflicht jedoch nur für diejenigen Enzyme, die im Endprodukt noch technologisch wirken. Bei Lebensmitteln, die im Zuge ihrer Herstellung stark erhitzt werden, dürfte sie daher oft ins Leere laufen, da Enzyme Eiweiße sind und in der Regel bei hohen Temperaturen ihre Wirksamkeit verlieren.

Autorin: Dr. Christina Rempe, Berlin |

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Produktkennzeichung mit dem folgenden Text "Flakes aus Weizen und Reis"
Dr. Christina Rempe, Berlin
Lebensmittel

Grundkennzeichnung

Für Lebensmittel, ob verpackt, vorverpackt oder unverpackt, gelten bestimmte Pflichtangaben. Diese müssen für den Verbraucher gut lesbar und verständlich sein.

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