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Halal-Schlachtung

Eine betäubungslose Schlachtung ist in Deutschland gesetzlich verboten. Aus religiösen Gründen können jedoch Ausnahmegenehmigungen erteilt werden.

Lamm- und Rindfleisch
hg_media / Fotolia.com

Die öffentliche Wahrnehmung ritueller Schlachtungen ist oft von Diskussionen um das Tierwohl geprägt. Das betrifft sowohl die Halal-Schlachtung nach muslimischem Glauben wie auch die Schächtung zur Erzeugung koscheren Fleisches im Judentum, denn grundsätzlich werden diese Formen der Schlachtung ohne Betäubung des Tieres vollzogen. Ein betäubtes Tier gilt nämlich bereits als tot und der Verzehr solchen Fleisches ist daher ein Verstoß gegen das Aas-Verbot. Wie streng eine solche betäubungsfreie Schlachtung tatsächlich praktiziert werden muss, darüber gehen die Meinungen je nach Glaubensrichtung und islamischer Rechtsschule auseinander. So wird teilweise die Auffassung vertreten, dass gar keine zwingenden religiösen Gründe für ein betäubungsloses Schlachten vorlägen. Es komme allein darauf an, dass die Tiere vollständig ausgeblutet seien. Methoden einer reversiblen Betäubung vor der Schlachtung, etwa die Elektrokurzzeitbetäubung, werden daher mitunter als halal-konform bewertet.

Schlachtung im Namen Allahs

Die rituelle Schlachtung sieht vor, dass den Tieren mit einem scharfen Messer und mit einem einzigen Schnitt Speiseröhre und Luftröhre sowie die Jugularvenen und die Karotisarterien durchtrennt werden müssen. Sie muss unter Anrufung des Namens Allahs erfolgen, denn dadurch erbittet der Gläubige die Erlaubnis, Tieren das Leben zu nehmen.
Unabhängig von der Betäubungsfrage sind für eine islamkonforme Schlachtung zudem weitere Kriterien von Bedeutung, die ebenfalls je nach Glaubensrichtung und Rechtsschule unterschiedlich streng ausgelegt werden. So wird etwa die Auffassung vertreten, die Schlachtung dürfe nur von einem gläubigen Muslim durchgeführt werden. Nach anderen Interpretationen reicht dessen bloße Anwesenheit.

Halal-Schlachtung und Tierschutz: Ein Widerspruch?

Der Umstand, dass der Tierschutzgedanke fest in den muslimischen Schlachtvorschriften verankert ist, irritiert bisweilen angesichts der Diskussionen um die Betäubungsfrage. Es ist festgelegt, dass die Tiere vor und während der Schlachtung keinen unnötigen Ängsten, Stress und Schmerzen ausgesetzt werden dürfen und ihre Würde als Geschöpf zu wahren ist. So ist es beispielsweise verboten, ein Tier in Anwesenheit eines anderen Tieres zu schlachten. Auch muss verhindert werden, dass es die Todesschreie anderer Tiere hört. Anders als bei der industriellen Schlachtung – die von vielen Muslimen per se abgelehnt wird – soll das Tier individuell beruhigt werden. Erst dann darf zum Schnitt angesetzt werden. Damit in einem einzigen Schnitt Luftröhre, Speiseröhre und die beiden Halsschlagadern durchtrennt werden, muss dieser schnell und professionell ausgeführt werden. Seit Jahren wird auf internationaler Ebene darüber diskutiert, ob beziehungsweise wie sich Tierschutz und Schächtung in der Praxis tatsächlich vereinbaren lassen. Eine einvernehmliche Bewertung zeichnet sich hier nicht ab, denn aus tiermedizinischer Sicht ist eine Betäubung vor der Schlachtung unentbehrlich, um mögliche Todesängste und Schmerzen beim Entbluten zu verhindern.

Betäubungsloses Schlachten in Deutschland: Verbot mit Erlaubnisvorbehalt

Eine betäubungslose Schlachtung ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Aus religiösen Gründen können jedoch Ausnahmegenehmigungen von diesem Verbot erteilt werden. So steht es im Gesetz. Solche Ausnahmen werden dann nur für eine eng umgrenzte Gruppe namentlich festgelegter Menschen erteilt, etwa für eine bestimmte Moschee. Diese Ausnahmeregelung bestätigte - wie zuvor der Bundesgerichtshof - auch das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in einem Urteil von 2006. Im Kern geht es bei der Entscheidung darum, einen rechtlich tragbaren Ausgleich zwischen der Religionsfreiheit einerseits und dem Tierschutz andererseits zu schaffen. Denn beide sind grundgesetzlich als Staatsziele verankert. Dass eine betäubungslose Schlachtung nur nach Erteilung einer Genehmigung in zugelassenen Schlachtbetrieben von einer entsprechend sachkundigen Person durchgeführt werden darf, bewerten die BVerwG-Richter angesichts der gegenwärtigen Rechtslage als angemessen.

Betäubungslose Schlachtung bleibt umstritten

Nach weitläufiger Auffassung trägt dies jedoch dem Tierschutz nicht ausreichend Rechnung. So kam beispielsweise die Bundestierärztekammer (BTK) 2007 nach einer Literaturauswertung zu dem Ergebnis, dass die betäubungslose Schlachtung sehr fehleranfällig und unter gängigen Praxisbedingungen kaum fachgerecht auszuführen sei. Und selbst wenn dies der Fall wäre, bewirke sie bei einem überwiegenden Teil der betäubungslos geschlachteten Tiere Angst, Schmerzen und Leiden. Tierschutzorganisationen und auch die BTK fordern daher seit Jahren, die Ausnahmeregelung für eine religiös begründete betäubungslose Schlachtung aufzuheben und durch die Pflicht zu einer Kurzzeitbetäubung vor der Schlachtung zu ersetzen. Dies befürworten und praktizieren auch viele Muslime.

Autorinnen: Dr. Christina Rempe, Berlin und Britta Klein, aid |

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