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Hanf

Im Zuge des Vegetarier-/Veganer-Booms und der Superfood-Welle werden nebenbei die Samen und Blätter der Hanfpflanze salonfähig. Die Anbieter versprechen zahlreiche gesundheitliche Qualitäten.

Hanfsamen, Hanfpulver, Hanfoel
kostrez / Fotolia.com

Im Lebensmittelbereich sind die Samen die begehrtesten Teile der Hanfpflanzen. Die braun bis schwarzgrauen, manchmal auch grüngrauen einsamigen Nüsschen haben einen Durchmesser von drei bis vier Millimetern und sind von einer dünnen, glasigen Fruchtschale umhüllt.

Hanfsamen auf Holzlöffel
Hanfsamen

In Reformhäusern, in Bioläden und vor allem in Online-Shops sind Hanfsamen roh oder geröstet, ungeschält oder geschält erhältlich. Mit ihrem herb-würzigen Geschmack erinnern sie an Nüsse und werden in der Küche ähnlich wie diese eingesetzt  - als knackiges Topping auf Suppe oder Salat, als Beigabe zum Müsli oder Dessert, als Zutat im Bratling oder der Gemüsepfanne. Gemahlene Samen eignen sich gut zum Backen und können dabei einen Teil des herkömmlichen Mehls ersetzen. Und zu Öl gepresst kommen sie ins Salatdressing, an Gemüsegerichte oder ins Pesto zu Pasta.

Die getrockneten Blüten und Blätter der Hanfpflanze werden als Tee vermarktet. Weiterverarbeitete Produkte aus den unterschiedlichen Pflanzenteilen fristen derzeit ein Nischendasein. Hanfmus oder -schokolade, geröstete und gewürzte Knabbersamen, Käse im Hanfblatt-Mantel, Nudeln oder Kekse mit Hanf findet man am ehesten bei Spezialversendern.

Hanfprodukte sollen cholesterinsenkend und krebsvorbeugend wirken, beim Abnehmen und dem Muskelaufbau helfen, Herz-Kreislauferkrankungen und Bluthochdruck vorbeugen und das Immunsystem stärken. Bis jetzt gibt es nur sehr wenige Studien hinsichtlich der Wirkung von Hanfprodukten auf die Gesundheit.

Was ist drin? Was macht Hanf ernährungsphysiologisch wertvoll?

Hanfsamen sind reich an Eiweiß und enthalten alle essentiellen Aminosäuren. Sie enthalten hochwertige Fettsäuren: Omega-6 Fettsäuren und Omega-3 Fettsäuren liegen im Verhältnis 3:1 vor. Das ist ein für den Körper sehr günstiges Verhältnis. Außerdem sind Hanfsamen reich an Vitamin E, B1, B2 und B6. Hoch ist zudem der Gehalt an Magnesium, Calcium, Phospor und Eisen. Hanfsamen und -öl enthalten knapp 500 Kilokalorien pro 100 Gramm.

Hanfprotein ist leicht verdaulich und gut verwertbar und kann als vollwertiger Ersatz für tierisches Eiweiß angesehen werden. Mit dieser Eigenschaft punktet Hanf besonders bei Vegetariern und Veganern.

Wichtig für Allergiker: Hanf ist gluten- und laktosefrei.

Hanföl in Glasgefäß
Hanföl

Fazit: Tatsächlich enthalten Hanfsamen sowohl wertvolle Omega-Fettsäuren in einem besonders günstigen Verhältnis, als auch zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Das ist aber auch bei zum Beispiel Distel-, Walnuss- oder Leinöl der Fall, die deutlich billiger sind. Denn Hanfprodukte haben einen beachtlichen Preis. Für 100 Gramm Samen, 250 Gramm Mehl oder 100 Milliliter Öl müssen Verbraucher jeweils gut 3 Euro bezahlen.

Warum wirken die Produkte nicht berauschend?

Die Hanfpflanze produziert mehr als 60 sogenannte Cannabinoide, darunter vor allem THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). Die stärkste psychoaktivierende und halluzinogene Wirkung hat THC. Die Substanz gilt außerdem als Schmerz und Brechreiz lindernd. Einzelne Sorten können in den Blüten der weiblichen Pflanzen mehr als 20 Prozent THC enthalten. In Europa dürfen ausschließlich Sorten mit einem Wirkstoffgehalt von weniger als 0,2 Prozent angebaut werden.

Deshalb ist auch beim Kauf von Hanfprodukten außerhalb der EU Vorsicht geboten. Hier könnten höhere Konzentrationen vorliegen. Vor allem Schwangere und Kinder sollten Hanfprodukte aus zweifelhaften Quellen außerhalb der EU meiden. Erhöhte THC-Werte führen zu Kopfschmerz, Übelkeit und Kreislaufbeschwerden.

 

Weitere Informationen zum Thema Hanf

Hanf: Geschichte und Herkunft

Hanf (Cannabis Sativa L.) ist eine der ältesten Nutz- und Heilpflanzen der Welt. In China wurde sie schon vor mindestens 10.000 Jahren kultiviert. Über Indien und die antiken Hochkulturen gelangte das Gewächs nach Europa. Älteste Funde aus unseren Breiten sind mehr als 5.000 Jahre alt. Weltweit war und ist die Nutzpflanze vor allem wegen ihrer Stängel begehrt. Deren nahezu unverwüstliche Fasern werden zu Textilien und Papier, mittlerweile auch zu Dämmmaterialien und zu Verbundwerkstoffen beispielsweise für die Automobilindustrie verarbeitet. Seit Urzeiten bekannt ist auch der hohe Nährwert der schmackhaften Samen. Dennoch spielt die Hanf-Nutzung im Lebensmittelbereich eine Nebenrolle.

Hanf-Anbau

Botanisch gehört Hanf zur Familie der Cannabiceae (Hanfgewächse). Er ist ein naher Verwandter des Hopfens (lat. Humulus lupulus) und ähnlich robust wie dieser. Die schnell wachsenden Hanfpflanzen gedeihen in nahezu allen Regionen der Welt. Die höchsten Erträgt liefern sie in gemäßigtem Klima mit reichlich Wasser. In Europa und in Deutschland wurden der Cannabis-Besitz und der Hanf-Anbau im vorigen Jahrhundert in mehreren Schritten gesetzlich verboten. Seit 1996 dürfen jene mehr als 40 Faserhanfsorten wieder legal angebaut werden, deren THC-Gehalt unter 0,2 Prozent liegt. Der Anbau ist genehmigungspflichtig. Den Zahlen des zuständigen Bundesamtes für Landwirtschaft und Ernährung haben 2014 insgesamt 100 Betriebe auf mehr als 700 Hektar Hanf angebaut. Weltweit wird die Anbaufläche aktuell auf rund 100.000 Hektar geschätzt.

Autorin: Eva Neumann, Berlin |

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Okea / Fotolia.com
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