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Helfendes Unkraut

Sogenannte Zeigerpflanzen, in der Fachsprache auch „Indikatorpflanzen“ genannt, können uns vieles über den Zustand des Gartenbodens verraten – wenn wir sie richtig zu deuten wissen.

Brennnessel vor Bretterwand
kostik2photo

Unsere Urgroßeltern wussten noch die Unkrautflora im Garten richtig zu deuten: Viele Brennnesseln zum Beispiel deuten auf einen stickstoffreichen Boden hin, Anhäufungen von Ackerfuchsschwanz auf einen lehmigen.

Zeigerpflanzen besitzen eine ganz besondere Eigenschaft, die sie für die Identifikation von Standortfaktoren besonders interessant machen: Sie sind nur wenig tolerant gegenüber Veränderungen ihrer Lebensbedingungen. Das heißt, sie haben alle ganz besondere Vorlieben. So mögen Hundskamille und der Kleine Sauerampfer beispielsweise gerne sauren Boden, Ackerstiefmütterchen und Leinkraut hingegen eher einen alkalischen.

Hahnenfuß und die gemeine Quecke wachsen mit Vorliebe auf verdichteter Erde. Ebenso geht es dem Ackerschachtelhalm, dem dazu nicht mal nasse Füße – in Form von Staunässe – etwas ausmachen. Die Liste der Zeigerpflanzen ist lang, eine Auswahl finden Sie in der Tabelle.

Beispiele für Zeigerpflanzen mit den durch sie angezeigten Standorteigenschaften:

Standortbedingungen Zeigerpflanze

Stickstoffreicher Boden

Brennnessel, Melde, Vogelmiere, Kletten-Labkraut, Kohl-Gänsedistel, Gartenwolfsmilch, Hirtentäschel, Persischer Ehrenpreis, Weißer Gänsefuß, Franzosenkraut, Giersch
Stickstoffarmer Boden Wilde Möhre, Ackerfuchsschwanz, Mauerpfeffer, Breitblättriger Hohlzahn, Rauhaarige Wicke

Sauerer Boden

Hundskamille, Kleiner Sauerampfer, Ackerminze, Hasenklee, Schmalblättriges Weidenröschen
Alkalischer Boden Leinkraut, Luzerne, Ackerstiefmütterchen, Vogelmiere, Ackersenf, Kriechendes Fingerkraut, Wiesensalbei, Wiesenstorchenschnabel
Nasser Boden Ampfer, Kohldistel, Wiesenschaumkraut
Trockener Boden Sommer-Adonisröschen, Reiherschnabel, Mittlerer Wegerich, Kleiner Storchenschnabel, Färberkamille
Verdichteter Boden, Staunässe Acker-Schachtelhalm, Mädesüß, Ackerminze, Huflattich, Ackerkratzdistel, Kriechender Hahnenfuß, Quecke, Gänsefingerkraut, Breitwegerich, Acker-Schachtelhalm
Vchattiger Standort Sauerklee, Giersch, Gundermann

 

Altes Wissen sinnvoll nutzen

Zugegeben, so exakt wie eine Nährstoff- und pH-Wertanalyse aus dem Labor können die Indikatorpflanzen niemals sein – und das sollen sie auch nicht. Als ergänzendes Hilfsmittel haben sie aber ihre Berechtigung, denn Laborwerte zeigen uns immer nur einen Teil der Wahrheit über unseren Standort an. So kann ein Laborwert zum Beispiel keine Auskunft darüber geben, ob ein Boden sehr nass und verdichtet oder ein Standort sehr schattig ist. Zudem stellen Laborwerte immer nur Momentaufnahmen dar.

Richtig gedeutet, können uns Zeigerpflanzen in vielerlei Hinsicht bei der Gartenarbeit unterstützen. Sie zeigen, wo im Garten ein erhöhter Düngebedarf ist oder und wo man sich mit der Düngung besser zurückhält. Bei Neuerwerb oder Neugestaltung eines Gartengrundstücks helfen Zeigerpflanzen dabei, von vornherein die richtige Standortwahl für die Pflanzen zu treffen.

Verdichtete und staunasse Böden sind für den Gemüseanbau kaum zu gebrauchen. Ebenso ist es mit sauren Böden. Wissen wir dies vorher, können wir entweder nach einem anderen Platz für das Gemüsebeet suchen, oder aber geeignete Maßnahmen in die Wege leiten, um den Zustand zu verbessern – zum Beispiel mithilfe einer Bodenlockerung oder einer Kalkung.

Richtig deuten

Ein Pflänzchen alleine hat für einen Standort meist kaum eine Aussagekraft. Nur wenn Pflanzen einer Art gehäuft an einem Standort vorkommen, können erste Schlüsse über dessen Eigenschaften gezogen werden. Doch auch das alleinige Auftreten einer Pflanzenart sollte noch nicht überbewertet werden. So gibt es zum Beispiel Arten, deren gehäuftes Vorkommen gleich mehrere Standorteigenschaften anzeigt: Vogelmiere kann beispielsweise auf sandige Böden oder auf Böden mit viel Stickstoff hinweisen. Erst das Auftreten einer Gruppe verschiedener Pflanzenarten mit entsprechenden Ansprüchen lässt eine verlässliche Aussage zu.

Jörg Planer, Meckenheim |

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