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Hochleistungszucht und Tiergesundheit

Die kontinuierlich gestiegene Milchleistung von Kühen und Wurfleistung von Sauen steht in engem Zusammenhang mit leistungsbedingten Erkrankungen.

liegende Kuh auf einer Weide
aid

(aid) – Die kontinuierlich gestiegene Milchleistung von Kühen und Wurfleistung von Sauen steht in engem Zusammenhang mit leistungsbedingten Erkrankungen. Seit Jahren ist die Tierzüchtung auf Leistungssteigerung ausgerichtet und Merkmalen wie Nutzungsdauer, Exterieur, Fruchtbarkeit etc. wird weniger Gewicht beigemessen. Hohe Erkrankungsraten und vorzeitige Abgänge belasten die milcherzeugenden Betriebe neben niedrigen Milchpreisen noch zusätzlich.

Veterinärmediziner kritisieren die über Jahrzehnte primäre Selektion auf Milchleistung. In der deutschen Holsteinzucht werde der Milchleistung immer noch eine deutlich höhere Gewichtung als in vergleichbaren anderen europäischen Zuchtprogrammen eingeräumt, heißt es in der Göttinger Erklärung, die auf der 16. Haupttagung der Agrar- und Veterinär-Akademie beschlossen wurde.

Hohe Herdenleistungen von mehr als 10.500 kg Milch je Kuh und Jahr setzten ein hochqualifiziertes Herdenmanagement voraus, das aber nicht in allen Herden regelmäßig sicherzustellen sei. Es sei auch nicht Aufgabe des Managements, Fehlentwicklungen in der Tierzucht zu kompensieren.

Unterstützung gab es von der Bundestierärztekammer mit einer Resolution an das Bundeslandwirtschaftsministerium. Unter der Überschrift „Zuchtziele der Nutztierzucht unter Tierschutzaspekten“ weisen die Veterinäre darauf hin, dass im Rahmen der Zuchtwertfeststellung bei landwirtschaftlichen Nutztieren weiterhin leistungsorientierte Kriterien im Vordergrund stehen, ohne auf die erhöhte Anfälligkeit der Tiere ausreichend Rücksicht zu nehmen. Für die Tierärzteschaft bestehe bei geltender Rechtslage keine Möglichkeit auf das Ungleichgewicht zwischen leistungsorientierten Zuchtzielen und damit in der Folge auftretenden Gesundheits- und Tierschutzproblemen Einfluss zu nehmen. Und auch Managementmaßnahmen des Tierhalters reichten nicht aus, um züchterisch bedingte Gesundheits- und damit Tierschutzprobleme zu beseitigen.

Die Bundestierärztekammer fordert das Bundeslandwirtschaftsministerium u. a. dazu auf, über eine Rechtsverordnung erblich bedingte Krankheitsrisiken in der Nutztierzucht näher zu bestimmen und die Zucht mit bestimmten Nutztierrassen bzw. Linien zu verbieten oder zu beschränken, wenn dieses Züchten zu Verstößen gegen §11 b Abs. 1 Tierschutzgesetz führen kann.

Renate Kessen, www.aid.de

Weitere Informationen:

http://www.ava1.de/

Resolution der Bundestierärztekammer zu Zuchtzielen der Nutztierzucht unter Tierschutzaspekten unter: http://www.bundestieraerztekammer.de/

§ 11 b Abs.1 Tierschutzgesetz

(1) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch biotechnische Maßnahmen zu verändern, soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse oder im Falle der Veränderung Erkenntnisse, die Veränderungen durch biotechnische Maßnahmen betreffen, erwarten lassen, dass als Folge der Zucht oder Veränderung

1. bei der Nachzucht, den biotechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten oder

2. bei den Nachkommen

a) mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten,

b) jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder

c) die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt.

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