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Hülsenfrüchte: Obst oder Gemüse?

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Am Sonntag gab es bei uns Erbsen und Möhren, am Mittwoch Linsensuppe und Falafel hatten wir die Woche auch schon auf dem Speiseplan. Man könnte meinen, wir seien angekommen: mitten im Jahr...

Am Sonntag gab es bei uns Erbsen und Möhren, am Mittwoch Linsensuppe und Falafel hatten wir die Woche auch schon auf dem Speiseplan. Man könnte meinen, wir seien angekommen: mitten im Jahr der Hülsenfrüchte. So wie es die UN schon Ende 2013 für dieses Jahr vorbestimmt hatten...

Geöffnete Erbsenhülsen mit dicken grünen Erbsen auf rustikalen Holzplanken
iaroshenko / fotolia.de

Allerdings muss ich ehrlich sagen: Wenn ich lese, dass Löwenzähnchen Lupinen anpflanzt, merke ich, dass ich von Hülsenfrüchten eigentlich gar keine Ahnung habe. Ich wusste nicht einmal, dass es etwas mit Namen "Lupinen" gibt – geschweige denn, dass dieses Etwas zu den Hülsenfrüchten gehört und man es essen kann!

Ehrlich gesagt überfordert mich sogar schon der Begriff Hülsenfrüchte. Unter Früchten verstehe ich in der Regel Obst. Aber Erbsen, Bohnen und Linsen sind doch kein Obst! Oder???

Ihr denkt jetzt wahrscheinlich: „Diese Frage ist doch an den Haaren herbeigezogen!!" Kann ich verstehen – allerdings muss sich sagen: Ganz so einfach ist es wirklich nicht.

Jedenfalls ist es keine bloße sprachliche Verirrung, wie ich zuerst gedacht hatte. Immerhin hatte ich Erbsen, Bohnen und Co. immer ganz selbstverständlich als Gemüse zubereitet – in Ergänzung zu Fleisch und Beilagen. Und auch der lateinische Name „Leguminosae“ erinnert doch stark an das französische „legumes“, was in meinem Kopf irgendwo ganz hinten als die Vokabel für „Gemüse“ gespeichert ist.

Aus Sicht der Botaniker tragen die sogenannten Schmetterlingsblütler (Überbegriff für die Pflanzen der Hülsenfrüchte) jedoch wirklich Früchte. Allerdings nicht Früchte als umgangssprachliches Synonym für Obst, sondern Frucht definiert als "aus dem Fruchtknoten entstehender Teil der Pflanze, der den Samen bis zur Reife umschließt (und der bei bestimmten Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen essbar ist)".

Als Obst bezeichnen Botaniker diese Früchte nur dann, wenn die Pflanzen viele Jahre hintereinander Früchte tragen, wie das zum Beispiel bei Obstbäumen der Fall ist. Bohnen, Erbsen und Co. sind allerdings einjährige Pflanzen und zählen somit auch in der Botanik zum Gemüse. Ziemlich kompliziert, oder?

Und dann kommt noch dazu, dass wir bei Hülsenfrüchten in der Regel gar nicht diese Früchte essen, sondern vor allem deren Samen. Die korrekte Bezeichnung müsste also eigentlich Hülsenfrüchtesamen lauten. Das wiederum wäre dann allerdings wohl doch zu umständlich...

Die Ernährungswissenschaftler machen es sich da deutlich einfacher. Der aid definiert zum Beispiel in seiner Broschüre Gemüse (Leseprobe): "Unter Gemüse versteht man alle verzehrbaren Pflanzenteile; dies können Blütenstände, Früchte, Samen, Blätter, Blattstiele, Stängel, Knollen, Zwiebeln oder Wurzeln sein."

Auch Tomaten, Gurken und Co. gehören übrigens zu den Früchten: Sie entstehen ebenfalls aus den Blüten und tragen die Samen ihrer Pflanzen. Weil diese Pflanzen jeweils nur ein Jahr lang Früchte tragen, sind auch sie dem Gemüse zugeordnet – dem so genannten Fruchtgemüse. Bohnen, Erbsen, Linsen und Lupinen gehören demnach zum Samengemüse.

So werde ich es in Zukunft auch handhaben und mir keine Gedanken mehr darüber machen, WAS das genau auf meinem Teller IST. So lange es schmeckt und gesund ist, überlege ich mir lieber, WAS ICH als nächstes damit KOCHEN WERDE! Das erscheint mir doch eine deutlich sinnvollere Beschäftigung – die dann zumindest mit einem leckeren Essen belohnt wird...

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