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Wie weit darf Züchtung gehen?

Niedlich, aber wertlos: männliche Küken. Da sie keine Eier legen und auch nicht effizient gemästet werden können, werden sie nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet.

2 Hühnerküken
Iawa / Fotolia.com

Nahrungsmittel sind in der Regel schnell und wohnortnah verfügbar. Zur Sicherung dieser Grundversorgung leisten Züchtung und Forschung einen wichtigen Beitrag. Aber wie weit darf Züchtung gehen? Am Beispiel hochgezüchteter Legehennen können Schülerinnen und Schüler das Spannungsfeld zwischen grundsätzlichen Möglichkeiten und ethisch-moralischen Grenzen der Nutztierzucht kennen und bewerten lernen.

Das Dilemma: Eier oder Fleisch

Zehn Milliarden Eier landen jährlich in den Einkaufskörben der deutschen Verbraucher. Gelegt werden diese von Hochleistungshennen, die auf eine extrem hohe Legeleistung gezüchtet sind. Diese Zucht schließt einen hohen Fleischansatz bei den Hennen aus, da sie einen Großteil des aufgenommenen Futters für die Eiproduktion verwerten. Somit kann man züchterisch entweder Hennen halten, die viele Eier legen und magerer sind, oder solche, die viel Brustfleisch haben, aber weniger Eier legen. Nahezu alle Eier, die man kaufen kann, kommen von diesen Legehennen, egal ob aus Boden-, Freiland- oder Biohaltung.

Pro Henne ein Hahn

Neben den jährlich 45 Millionen Hennen, die für uns Eier „herstellen“, schlüpfen genauso viele Hähne. Diese Brudertiere finden dabei keine Verwendung, da sie als Masttiere den heutigen Masthähnchen unterlegen sind. Sie werden deshalb kurz nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet. In Deutschland ist diese Praxis erlaubt, wenn auch umstritten, weil Tiere erzeugt werden, die aufgrund ihres Geschlechtes keinen Zweck erfüllen. Sie sind ein derzeit nicht zu verhinderndes Nebenprodukt der Züchtung von hochspezialisierten Legehennen.

Alternativen zur Tötung der Hähne

Inzwischen gibt es eine Reihe von Initiativen und Projekten, die daran arbeiten, ethisch-vertretbare Lösungen zu entwickeln.

Die Geschlechtsbestimmung am befruchteten Hühnerei stellt nach derzeitigem Kenntnisstand die Option mit dem größten Potential dar. Eier, aus denen sich männliche Küken entwickeln, können so aussortiert und ein Ausschlüpfen und anschließendes Töten männlicher Küken verhindert werden.

Eine Alternative im Umgang mit den männlichen Küken hat die Bruderhahn-Initiative Deutschland (BID) entwickelt. Mit 4 Cent mehr pro Ei werden alle Brudertiere der Projektteilnehmer aufgezogen und vermarktet.

Auch an der Zucht von Zweinutzungsrassen wird gearbeitet. Diese Hühner stellen einen Kompromiss zwischen einer hohen Legeleistung und einem guten Fleischansatz dar. Dem Landwirt entstehen hierdurch zusätzliche Kosten für Futter und Haltung. Sowohl die Eier als auch das Fleisch dieser Zweinutzungsrassen wären teurer als bislang.

Pro und Contra - Meinungsbildung lernen

Wie würden Ihre Schüler entscheiden: Soll die Zucht hochspezialisierter Legehennen fortgeführt oder eingestellt werden? Eine Pro-Kontra-Argumentation hilft bei der Entscheidungsfindung und zeigt, welche Aspekte in diesen Prozess mit einfließen. Auch eine Diskussionsrunde mit verschiedenen Rollen (Tierschützer, Landwirt, Verbraucher) hilft, unterschiedliche Standpunkte zu verstehen.

Dieses Thema steht damit im Einklang mit den grundlegenden Aufgaben des Biologieunterrichts, unter anderem ein verantwortungsbewusstes Handeln gegenüber der Natur zu fördern.

Silke Hoffmann, Bielefeld |

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