Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Im Wald versteckt: Besondere Biotope

Es gibt Waldflächen, die im engeren Sinn gar kein Wald sind, zum Beispiel Felsen oder Bäche. Auf diesen Flächen leben Tiere und Pflanzen, die im geschlossenen Wald nicht existieren könnten.

Totholz am Bach im Wald
R. Schretzmann, aid

Eine große Zahl von Flächen im Wald sind eigentlich gar kein Wald im engsten Sinne: Felsen, kleine Waldbäche, sumpfige Quellbereiche bieten Bäumen von Natur aus keine oder nur sehr beschränkte Wuchsmöglichkeiten. Neben diesen natürlichen Freiflächen entstanden durch die Bewirtschaftung ebenfalls waldfreie Flächen, wie Waldwiesen, Heideflächen oder Wegränder. Am Übergang zum geschlossenen Wald entwickeln sich innere Waldrandstrukturen mit unterschiedlichsten Übergangsformen von der Freifläche zum Wald.

Spezialisierte Tier- und Pflanzenwelten

Auf diesen Sonderflächen leben Tier- und Pflanzenarten, die sonst im geschlossenen Wald nicht existieren könnten. So entstehen etwa an Quellen typische Quellflur-Gesellschaften mit einer hoch spezialisierten Pflanzen- und Tierwelt, und auch die kleinen Bachläufe und Tümpel im Wald zählen zu den ganz besonderen Waldlebensräumen. Auf freien Sandflächen an Sanddünen und an sandigen Waldwegen leben wiederum ganz andere Arten. Hier lauern zum Beispiel die seltenen Ameisenlöwen (Larven der Ameisenjungfer) auf Beute. Noch kleinere Lebensräume sind Erdhöhlen, Baumhöhlen, Wurzelteller, die Schutz- und Rückzugsmöglichkeiten für viele kleine Tiere bieten – zur Entwicklung oder zum Überwintern oder einfach als Schlafplätzchen.

Totholz: Lebensraum für unglaublich viele Arten

Ganz besonders wichtig für das Leben im Wald ist das – Totholz. Es dient unzähligen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum und gleichzeitig als Nährstoff- und Energielieferant. Ob stehend oder liegend, frisch abgestorben oder schon weitgehend zersetzt und von Moospolstern völlig überwachsen: Die Zahl der hier zu findenden Arten ist geradezu unglaublich. Allein etwa 1.400 Käferarten leben in totem Holz! Außerdem sind rund 1.500 Arten von Großpilzen an Totholz zu finden.

Was ist Totholz?

Totholz sind  abgestorbene Bäume oder auch Baumteile (Wurzelstöcke, Äste usw.). Der Zersetzungsprozess setzt bereits am noch lebenden Baum ein: Pilze dringen in den Baum ein und beginnen, das Holz zu zersetzen. Sie besitzen Enzyme, mit denen die ansonsten recht „unverdauliche“ Holzsubstanz aufgeschlossen werden kann.
Bruchstellen oder Verletzungen der Rinde sind Eintrittspforten für die Pilze, in manchen Fällen auch Bohrlöcher von Borkenkäfern und anderen Insekten. Spechte schaffen Höhlen, die nicht nur von Vögeln und Säugetieren, sondern auch von einer großen Zahl von Insekten genutzt werden, deren Larven sich in zerkleinerten Holzresten („Mulm“) am Grund der Baumhöhle oder in den Höhlenwänden entwickeln.

Holzzersetzung ist Gemeinschaftsarbeit

An der Zersetzung und Zerkleinerung des Holzes ist eine enorm große Zahl von Pilz- und Tierarten beteiligt: zum Beispiel verschiedene Bockkäfer, Holzwespen, Mücken- und Fliegenlarven, Asseln, Springschwänze und Regenwürmer. Stürzt ein toter Baum um, so bleibt das Totholz durch den Bodenkontakt gleichmäßig feucht. Dann besiedeln Flechten- und Moosgesellschaften die Baumoberfläche und der Baum erscheint nach einigen Jahren wie ein lang gestreckter grüner Hügel am Waldboden. Der größte Teil der Holzsubstanz wird in vielen „Nahrungsdurchgängen“ immer weiter zerkleinert, verdaut und zum Schluss bis in die mineralischen Ausgangsbestandteile zerlegt, so dass dieser Hügel mit der Zeit immer flacher wird und schließlich verschwindet. Die Ausgangsbestandteile stehen im Boden wieder als Nährstoffe für das Pflanzenwachstum zur Verfügung.

Rainer Schretzmann, aid |

als hilfreich bewerten 0 Versenden
Wildbrücke Autobahn
vielfalt / Fotolia.com
Umwelt, Ländlicher Raum

Landschaftszerschneidung: Leben zwischen Straßen

Infrastruktur verhindert Genaustausch bei Tieren und Pflanzen

Die zunehmende Landschaftszerschneidung gilt mittlerweile als eine der Hauptursachen für den vielerorts beobachteten Artenrückgang in Deutschland und Europa.

mehr...
Umwelt, Ländlicher Raum

Von Pfütze bis Kleinsee

Kleingewässer erkennen und schützen

Teich Teichrose Sand
iStock.com / kresopix

Kleingewässer wie Tümpel, Weiher oder Kleinseen sind rar geworden. Um die Restvorkommen an seltenen Tieren zu retten, müssen die wenigen noch verbliebene Kleingewässer geschützt werden.

mehr...
Umwelt, Ländlicher Raum

Naturparke in Deutschland

Wo sich Naturschutz und Tourismus ergänzen

Wald See Wanderer
Jürgen Wackenhut / Fotolia.com

Die Idee für ein Naturparkprogramm entstand vor 60 Jahren. Seither sind mehr als 100 Naturparke entstanden, in denen Natur und Artenvielfalt geschützt werden und Touristen Erholung finden.

mehr...
Wald-Lebensräume

Medienshop-Tipp

Wald-Lebensräume

Mit diesem Heft entdeckt der Leser die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt unserer Wälder. Ausführlich vorgestellt werden die verschiedenen Waldtypen (Waldgesellschaften), aber auch die ökologisch wichtigen Sonderflächen. mehr...

Naturwaldreservate - "Urwald" in Deutschland

Medienshop-Tipp

Heft Naturwaldreservate - "Urwald" in Deutschland

Das Heft zeigt die Bedeutung der Naturwaldreservate und ihrer spezifischen Lebensräume: denn diese kleinen "Urwälder von morgen" bieten besondere ökologische Nischen für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. mehr...