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Insekten auf dem Vormarsch

Infolge der globalen Erwärmung und des internationalen Handels können sich Insekten immer neue Gebiete erschließen.

(aid) – Infolge der globalen Erwärmung und des internationalen Handels können sich Insekten immer neue Gebiete erschließen. Dadurch entstehen große Kosten für Land- und Forstwirtschaft. Und diese werden in Zukunft noch ansteigen. So lautet das Fazit einer Studie des Französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS), die in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht wurde. Ein internationales Wissenschaftlerteam hatte über 700 wissenschaftliche Artikel, Bücher und Berichte ausgewertet, um Daten zu wirtschaftlichen Schäden von Insekten in Landwirtschaft, Forst und Gesundheitssystem zu sammeln. Dabei lag der Fokus auf besonders schädlichen Arten.

Es gibt rund 2,5 Millionen Insektenarten. Unter den lebenden Organismen sind die Sechsbeiner wahrscheinlich die Gruppe, welche die größten wirtschaftlichen Kosten verursacht. Sie verwüsten Äcker und Wälder, schwächen Ökosysteme und verbreiten Infektionskrankheiten bei Menschen und Nutztieren. Knapp 90 Prozent der wirbellosen Tiere, die auf der Erde neue Territorien besiedelt haben, sind Insekten.

Die Wissenschaftler schätzen den wirtschaftlichen Schaden, der durch invasive Insekten verursacht wird, auf mindestens 69 Milliarden Euro im Jahr. Vermutlich sind die Zahlen aber aufgrund der geringen und häufig nicht gesicherten Datenlage deutlich größer. Besonders zerstörerisch ist offenbar die Termitenart Coptotermes formosanus mit 26,7 Milliarden Euro. Nach anderen Studien sind auch die Kohlschabe (Plutella xylostella) mit 4,1 Milliarden Euro und der Braune Fichtenbock (Tetropium fuscum) mit 4 Milliarden Euro allein in Kanada wichtige Schädlinge.

Das Gesundheitssystem und die Landwirtschaft sind besonders betroffen: Insekten fressen durchschnittlich 40 Prozent der Ernte. Mit dieser Menge könnte eine Milliarde Menschen ernährt werden. Beim Gesundheitswesen verursachen invasive Arten weltweit Kosten von 6,1 Milliarden Euro – vor allem in Asien, Nord- und Südamerika. Dabei sind Malaria, Zikavirus oder wirtschaftliche Auswirkungen auf Tourismus und Produktivität nicht mitgerechnet.

Je nach Region gab es große Unterschiede: Die größten finanziellen Einbußen hatte Nordamerika (24,5 Milliarden Euro pro Jahr), während Europa „nur“ 3,2 Milliarden Euro Kosten verbuchte. Allerdings können diese großen Unterschiede auch auf einen Mangel an wissenschaftlichen Untersuchungen zurückgeführt werden. Nach Ansicht der Autoren würden eine bessere Überwachung, mehr öffentliches Bewusstsein für das Problem und die Entwicklung von Maßnahmen zur Bekämpfung von biologischen Invasionen jedes Jahr viele Milliarden Euro sparen.

Im Gegensatz dazu haben heimische Insekten wie die Biene durch ihre Bestäubungsleistung einen großen wirtschaftlichen Nutzen für die Landwirtschaft. Auch bei der biologischen Schädlingsbekämpfung werden Insektenarten wie Maikäfer und Florfliegen eingesetzt.

Heike Kreutz, www.aid.de

Weitere Informationen:

http://www.nature.com/articles/ncomms12986

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