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Kartoffeln: Erzeugung

Kartoffeln spielen in der deutschen Küche traditionell eine große Rolle. Trotz abnehmendem Verzehr und rückläufiger  Anbaufläche ist die wirtschaftliche Bedeutung in Deutschland groß.

Blühende Kartoffelpflanzen auf einem Feld
Digitalpress / Fotolia.com

Seit dem 2. Weltkrieg hat sich der Kartoffelanbau in Deutschland stark gewandelt, die Anbaufläche ist drastisch zurückgegangen, was nur zum Teil durch steigende Erträge aufgefangen wird. Der Rückgang der Anbaufläche hat viele Ursachen. Seit den 1970er Jahren füttert man Schweine aus Kostengründen mit Getreide und nicht mehr mit Kartoffeln. Auch in der Ernährung nimmt die Bedeutung der Kartoffel ab und Importe tragen ebenfalls zum Sinken der Anbaufläche bei.

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland auf rund 234.000 ha Kartoffeln angebaut. Der Anbauschwerpunkt liegt in Niedersachsen, gefolgt von Bayern und Nordrhein-Westfalen. Die Erntemenge schwankt von Jahr zu Jahr; zum einen wegen der abnehmenden Anbaufläche, zum anderen, weil das Wetter während der Vegetationsperiode einen wesentlichen Einfluss auf das Ernteergebnis hat. Im mehrjährigen Durchschnitt (2008 bis 2013) wurden 430,7 dt Kartoffeln je Hektar geerntet. Der allergrößte Teil entfällt auf Speisekartoffeln und ein geringer Teil auf Industriekartoffeln.

In Deutschland isst heute jeder Bundesbürger im Durchschnitt rund 57 kg Kartoffeln pro Jahr. Im Jahr 2000 waren es noch rund 70 kg und 1950 waren es 202 kg.

Botanik der Kartoffel

Karoffelknollen an der Pflanze im Boden
Unterirdische Sprosse mit Knollen

Botanisch gehören Kartoffeln zu den Nachtschattengewächsen. Das oberirdische Kraut trägt weiße oder lilafarbene Blüten und die unterirdisch wachsenden Knollen gibt es in vielen unterschiedlichen Sorten.

Die Kartoffelknollen wachsen unter der Erde: Aus einer Mutterknolle wachsen Ausläufer, die botanisch gesehen Sprosse sind. Die unterirdischen Sprosse schwellen an und es entstehen neue Kartoffeln. Zum Schutz bildet die Pflanze eine Art Korkgewebe, das wir als Schale kennen. Die Knolle ist das Speicherorgan der Pflanze. Aus den sogenannten Augen der Knollen wachsen nach einer Ruhephase wieder Keime, die sich von der Stärke in den Knollen ernähren.

 

Einteilung der Kartoffelsorten

Nach dem Verwendungszweck können Kartoffeln in zwei Kategorien eingeteilt werden: Speisekartoffeln und Kartoffeln für die Industrie. Bei den Speisekartoffeln spielen die Wünsche der Kunden eine große Rolle, im Direktvertrieb zum Beispiel auch die Einflüsse der regionalen Küche. Für die Verarbeitung sind die Inhaltsstoffe, aber auch die Form der Kartoffel wichtig: Industriekartoffeln haben meist einen höheren Stärkegehalt als die Speisekartoffeln. Für lange Pommes frites, braucht man große Knollen, beim industriellen Schälen ist eine glatte Oberfläche wichtig.

Von früh- bis spätreif

Grundsätzlich unterscheidet man die Kartoffelsorten nach der Reifezeit:

  • Sehr frühe Sorten haben eine Vegetationszeit von etwa 90-110 Tagen. Sie werden in der Regel vorgekeimt und kommen im Juni/Juli als Frühkartoffeln auf den Markt. Beispiele sind 'Solist', 'Annabelle' und 'Anuschka'.
  • Frühe Sorten haben eine Vegetationszeit von 110-120 Tagen. Sie haben im Gegensatz zu den Frühkartoffeln eine etwas festere Schale und sind bedingt lagerfähig. Sie sind ab Juli/August auf dem Markt zu finden. 'Belana', 'Gala, 'Marabel' und 'Natascha' sind typische frühe Sorten.
  • Mittelfrühe Sorten haben eine Vegetationszeit von 120-140 Tagen und werden Ende August geerntet. Sie sind die größte Sortengruppe und gelten als die eigentlichen Einkellerungskartoffeln. Zu dieser Gruppe gehören 'Agria', 'Allians' und 'Laura'.
  • Mittelspäte bis späte Sorten: Sie haben mit 140-160 Tagen die längste Vegetationszeit und können ebenfalls gut eingekellert werden. Typische Sorten sind 'Jelly', 'Fasan' und 'Cascada', Erntezeitpunkt ist September/Oktober.

Kartoffelanbau und Ernte

Traktor mit angebauten Geräten fährt über Acker
Kartoffellegekombination im Einsatz

Kartoffeln kommen mit einer Kartoffellegemaschine im April oder Mai in die Erde, wenn der Boden nicht mehr zu nass ist. Bei Bodentemperaturen von 8-10 Grad keimen sie am besten. Um eine lange Vegetationsperiode bis zur Ernte zu erreichen, müssen die Kartoffeln möglichst früh im Jahr in die Erde. Dann ist aber auch die Gefahr für Frostschäden am größten.

Auf einem Hektar wachsen rund 40.000 Pflanzen für Speisekartoffeln, bei Industriekartoffeln sind es 37.000. Hier pflanzt man weniger, damit die Kartoffeln mehr Platz haben und dicker werden können. Große Knollen sind besonders bei der Herstellung von Pommes frites erwünscht.

Kartoffelanbau in Dämmen

Für Kartoffeln hat sich der Anbau in Dämmen durchgesetzt. So erwärmt sich die Erde leicht, was den wärmeliebenden Kartoffeln guttut, und die meiste Arbeit können Maschinen erledigen. Geerntet wird, wenn die Knollen ausgereift und schalenfest sind. Geprüft wird das mit der Daumenprobe: durch Daumendruck wird versucht die Schale am Kronenende – dem oberen Teil der Knolle – abzuschieben. Reißt die Schale dabei oder löst sie sich, ist die Knolle noch nicht schalenfest und sollte im Boden bleiben.

Eine Ausnahme bilden Frühkartoffeln: Sie können grundsätzlich auch mit grünem Laub geerntet werden. Da die Schale dann noch nicht fest ist, sind sie nur kurz lagerfähig.

Kartoffelernte

Landwirt im Kartoffelroder auf Acker
Landwirt rodet Kartoffeln

Heute erntet man Kartoffeln mit Rodern, die bis zu vier Kartoffeldämme auf einmal ernten. Dazu wird der gesamte Damm mit Erde, Knollen und Kraut von der Maschine aufgenommen. Die Knollen werden herausgesiebt, Erdkluten, Steine und Kraut  aussortiert. Das geschieht meist maschinell, zum Teil aber auch per Hand. Die Vorgänge im Kartoffelroder laufen möglichst vorsichtig ab, um die Kartoffeln nicht zu beschädigen.

Um mit einer frühen Ernte höhere Preise am Markt zu erzielen, schützen manche Landwirte ihre Kartoffeläcker mit Folie. Das bedeutet viel Handarbeit. Auch das Vorkeimen ist eine Methode, mit der der Erntetermin vorverlegt werden kann. Hierbei versucht man, die Knollen schon im Januar oder Februar durch gezielte Veränderungen von Temperatur und Lichtverhältnissen zum Keimen zu bringen. In der Regel bilden sich pro Knolle 4-6 kräftige Keime. Diese Keime geben den Kartoffeln einen Vorsprung von 1-2 Wochen bis zur Ernte.

Unkrautregulierung beim Kartoffelanbau

Bei optimalen Bedingungen auf dem Acker, lockerem Boden, vielen Nährstoffen und einer Bodentemperatur von 8-10 °C wachsen nicht nur die Kartoffel gut, sondern auch Unkräuter, Gräser und zum Beispiel das Getreide, das im Vorjahr auf dem Acker angebaut wurde. Die Pflanzen konkurrieren mit den Kartoffeln um Wasser, Licht und Nährstoffe. Die unerwünschten Pflanzen können sogar die Ernte behindern, indem sie die Erntemaschine verstopfen. Um Ertragsverluste gering zu halten, ist eine Unkrautbekämpfung notwendig.

Mechanisches Unkrauthacken zwischen Kartoffelreihen
Mechanische Unkrautbekämpfung

Die Unkrautbekämpfung beginnt mit der Planung der Fruchtfolge, denn Disteln und Ackerwinde können im Kartoffelanbau selbst nicht effektiv bekämpft werden. Im konventionellen Anbau ist die chemische Unkrautbekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln erlaubt. Die meisten Herbizide werden gegen Unkräuter und Gräser eingesetzt bevor die Kartoffeln mit ihren Trieben die Erdoberfläche durchstoßen. Einige Herbizide können auch noch angewendet werden, wenn das Kartoffelkraut schon sichtbar ist.

Mit mechanischen Maßnahmen kann man das Wachstum der Unkräuter eindämmen.  Hacken und Striegeln spielen vor allem im ökologischen Anbau eine wichtige Rolle. Die Unkräuter werden maschinell abgeschnitten, abgerissen, verschüttet oder entwurzelt. Dabei sollten die Unkrautpflanzen noch nicht zu groß sein, da sie sonst wieder anwachsen können. Wichtig ist es, die Kartoffelpflanzen nicht zu beschädigen, um Eintrittspforten für Viruserkrankungen zu vermeiden.

Ökoanbau: weniger Pflanzenschutz - mehr Risiko

Landwirt neben hängenden Säcken mit vorgekeimten Kartoffeln hält Kartoffel in der Hand
Ökolandwirt prüft vorgekeimte Kartoffeln

Im ökologischen Kartoffelanbau dürfen keine chemischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, wodurch es zu großen Ertragsschwankungen kommt. Wichtigste Krankheit ist die Kraut- und Knollenfäule.

Abhilfe versuchen Ökolandwirte zum Beispiel durch das Vorkeimen der Kartoffeln zu schaffen. Auch der Anbau in windoffenen Lagen und das Anlegen der Dämme in der Hauptwindrichtung helfen: Die Pflanzen trocknen nach Niederschlägen schneller ab, Pilzbefall ist seltener. Um einen Totalausfall bei der Ernte zu verhindern, bauen Ökobauern meist mehrere Sorten getrennt voneinander auf verschiedenen Teilstücken an. Die Sortenwahl unterscheidet sich im konventionellen und ökologischen Anbau nicht.

Düngung von Kartoffeln

Kartoffeln brauchen neben Licht und Wasser verschiedene Nährstoffe, um zu wachsen. Gezielte Düngung ermöglicht eine optimale Qualität. Anhand von Bodenproben kann die ideale Düngermenge berechnet werden. Die Nährstoffe können durch mineralische oder organische Düngung aufs Feld gebracht werden.

Organische Düngung

Rotklee im Zwischenfruchtbau
Rotklee im Zwischenfruchtanbau

Organische Düngung über Mist, Kompost oder Gründüngung hat einen positiven Effekt auf die Bodenstruktur, allerdings ist es schwieriger vorauszusagen, wann und in welcher Menge die Nährstoffe verfügbar sind. Stallmist sollte schon im Herbst in den Boden eingearbeitet werden, damit er im nächsten Frühjahr zur Pflanzzeit gut verrottet ist und die Nährstoffe zur Verfügung stehen.

Gründüngung ist ein fester Bestandteil der Fruchtfolgen im ökologischen Landbau: Alle fünf bis sieben Jahre werden Gründüngungspflanzen wie etwa ein Gemisch aus Gras und Klee eingesät. Der Klee bindet Luft-Stickstoff im Boden. Im Jahr der Gründüngung erzielt der Landwirt zwar keine Erträge auf dem Feld, er reichert den Boden jedoch mit Humus an und trägt damit zur Erhaltung der Bodenqualität bei.

Mineralische Düngung

Bei der mineralischen Düngung können die Pflanzen die Nährstoffe meist direkt aufnehmen, sie kann also dem Bedarf exakt angepasst werden.

Kartoffeln benötigen vor allem Kalium, Stickstoff und Phosphor.

  • Kalium beeinflusst den Stärkegehalt, was gezielt genutzt wird. Speisefrühkartoffeln erhalten wenig Kalium, um einen hohen Stärkegehalt zu entwickeln, festkochende Sorten erhalten mehr Kalium.
  • Stickstoff erhalten Kartoffelpflanzen am besten zu Beginn des Wachstums, denn den Stickstoff benötigt vor allem das Kraut. Zu viel Stickstoff macht die Pflanzen anfällig für Krankheiten und Schädlinge, verzögert die Abreife der Knollen und senkt die Gehalte an qualitätsbestimmenden Inhaltsstoffen.
  • Phosphor ist für eine gute Knollenbildung wichtig. Da der Nährstoff in vielen Böden gut vorhanden ist, ist eine Düngung oft nicht nötig.

Autoren: Natascha Kreuzer, Bonn; Heike Stommel, Bonn; Rüdiger Lobitz, aid und Julia Icking, Bonn |

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raksitar / Fotolia.com
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